"The Human Race " wird beworben mit einer ausgeglichenen Vollkornmischung aus "Running Man", "Tribute von Panem" und "Battle Royale". Auch wenn ich zwei der genannten schweinegeil fand und bei Pussie-Pannem nur alle zehn Minuten abkotzen musste ist der Vergleich mal wieder eine Frechheit hoch Zehn.
Natürlich saugt man immer vorher die Inhaltsangabe auf und malt sich ungefähr aus, was einen bei solch einem Film erwarten könnte. Gewisse Vorstellungen hat man mit Sicherheit, wenn man das Budget (was hier ja auch nur bedingt vorhanden war), eine Kamera und die Gabe hätte, einen Film runter zu kurbeln, kommt meistens etwas anderes heraus als der Schlendrian, den man geboten bekommt. Und genauso verhält sich das mit dem Human Jogging. Story: Top und fast ganz neu, aber filmisch: Totaler Flop.
Achtzig auserwählte Menschen sind es also, die nach einem hellen Licht gesagt bekommen: Herzlichen Glückwunsch Dude. Du bist nicht mehr im normalen Leben, sondern in dem "Human Race". Und nur einer/eine kann dieses Teil gewinnen. Die Regeln sind einfach: Laufe! Und zwar so, falls Du Dünnschiss im Anus bemerkst und die nächste Toilette 5 km entfernt ist. Folge den Pfeilen, komme nicht vom weg ab (was hier Garten bzw Feld oder Wiese bedeutet), sonst endet Dein Spiel. Werde nicht überrundet, sonst endet Dein Spiel. Beginn bloß nicht, mit Konkurrenten zu kommunizieren oder so etwas, wie Atmosphäre aufzubauen - sonst endet Dein Spiel. Mit "Dein Spiel enden" ist übrigens gemeint, dass der Kopf scheinbar zehn Sekunden mit Regenwürmern mutiert und im Endeffekt mit ca. 5 Hektoliter Kunst-CGI-Blut platzt, was zum Erbrechen wiederholt wird (ca. 20 mal) und wir da schon wieder die unterbelichtete Splatterabteilung im Wege haben, die den Film "geilo" findet. Es muss suppen. Alles andere ist scheiß egal.
Aber wenn man den Streifen in seine einzelnen Teile auseinandernimmt und durchleuchtet, fällt alles in einem kleinen Haufen Schutt und Asche zusammen.
Das Intro ist dabei noch legendär und das Überraschendste am ganzen Film. Wiegt man sich im Sicheren, dass man gerade die Hauptdarstellerin vorgestellt bekommen hat, verpufft das wie eine Seifenblase. Nee, starker Beginn aber falsch gedacht. Wir müssen uns mit Charakter Nummer Zwei und Drei, zwei verletzten Irak-Veteranen rumschlagen. Es wird sowieso viel Wert auf Menschen mit Behinderung wert gelegt, warum (und wenn man sich das Ende mal genauer betrachtet), weiß nur der zugekokste Regisseur wohl selbst.
Die erste Ernüchterung macht sich schon mit dem grindigen Look bemerkbar. Hier sieht alles nach Videocam aus dem Mediamarkt aus. Furchtbar. Gut, knapp drei Millionen Budget standen zur Verfügung ( Jim Carreys Dixie-Klo kostet bei einem Film-Dreh schon mehr), aber leider Gottes sieht man die Flocken dem Film zu keiner Zeit an. Es wirkt alles nach schäbigem TV-Look - eine Wiederholung von einem ranzigen Film der 1980 abgedreht wurde und zum zehnten Mal auf Tele 5 läuft.
Außer dem Hauptplot, den Pacours x-mal zu durchlaufen, der nach Hoenesschen Gefängnisverhältnissen aussieht (also ein Laufweg mit Stacheldraht inklusive Häuser, die durchkrabbelt werden müssen), gibt es nichts zu erzählen, außer eben, dass andauernd in grafisch ausufernden Szenen, bei denen die Köpfe wegplatzen, man wieder aus dem Koma erwacht.
Regisseur Paul Hough bekommt nichtmals gebacken, was in jedem "SAW"-Film zur Grundausstattung gehört (und diese Filme werden ja leider schon von Grund auf gehasst): Ein paar Charaktere hervorheben, skizzieren, eventuell miteinander kommunizieren, Taktiken austüfteln, oder sich unter den Achseln massieren. Nein, nichts. Circa fünf Leute sucht man sich aus, die wie aus dem Holz mit einem Hobel geschnitzt durchleuchtet werden, nicht im Ansatz sympathisch wirken, und nur eine bemerkenswerte Eigenschaft haben: Sie wirken nicht schablonenhaft. Halb behindert ist die Eigenschaft - und das meine ich dieses eine Mal nicht als puren Zynismus sondern todernst. Als Magic Hero hat man sich den Einbeinigen Veteranen ausgesucht, zwei durchgeknallte Baustellenfuzzies, die anstatt morgens um halb Zehn fünf Bier trinken und eine Stulle fressen anstatt mal in ein Knoppers reinzubeißen und zwei Jogging-Fuzzies, die taubstumm sind und mit ihrer Sprache in ihrer eigenen Welt leben.
Selbst ein "Sub-Zero" aus Running Man wurde in zehn Sekunden besser verkauft als die Charaktertiefe dieser Figuren. Okay, okay. Ich kann mit den strunzhohlen Charakteren also nicht mitfiebern. Kein Thema. Aber auch bei anderen Dingen kann der Film zu keiner Zeit punkten. Es platzen zwar die Köppe und zum späteren Verlauf wird auch mal zur Selbstjustiz gegriffen (beide Punkte rechtfertigen wohl die KJ), aber ein Ansatz von Dramaturgie bleibt dabei gänzlich auf der Strecke. Die meisten Statisten bleiben als solche, nach geschlagenen fünfzig Minuten ist immerhin der Hauch einer Taktik zu erkennen, bei denen auch mal immerhin die Charaktere/Statisten kommunizieren. Aber das alles wirkt so lieb- und ideenlos dahingebatscht, dass kein Wir-Gefühl aufkommen mag. Es ist einfach nur ein lauter Hilferuf dem Film etwas Sinn einzuhauchen. Da macht es sich Regisseur Paul Hough zu einfach, so dass auch diese ruhige Passage völlig verschenkt wirkt.
Danach wird wieder gerannt, alles an Story aufgegeben, was man minimalistischerweise aufgebaut hat und es endet immer mehr im inneren Schweinehund - sprich: Man ist sich selbst der Nächste. Quälend lange dauert es irgendwie, dass der Counter von 80 Menschen auf ~5 gesunken ist und ab da kann man dem Film gewisse fünf Minuten Spannung zugestehen. Wer bis jetzt noch nicht den Film aus dem Player rausgeschmissen hat, will natürlich wissen, wer "Das Rennen" macht und wozu das Ganze eigentlich dient - obwohl dies, auch trotz komplett bizarrem Ansatz schon im ersten Drittel angedeutet wird.
Immerhin haben die letzten Überlebenden intensive Minuten, die beiden letzten Kontrahenten sogar einen überaus gelungenen "Fight", der sich gewaschen hat, dies wird aber wieder alles durch das komplett saublöde, völlig dumme Finale zu Nichte gemacht. Okay, je nachdem wieviel LSD man geschluckt hat oder sein drei/viertel Leben in einem RPG-Spiel verbracht hat, ist dieser "Twist" vielleicht auch voll der Bringer.
Was zurückbleibt ist ein Film, um den man einen Bogen machen kann, ja, am besten uriniert man vor die Stelle in der Videothek, damit jeder weiß, dass das Revier von einem tollwütigen Allesseher markiert ist und es sich nicht lohnt, diesen Kadaver von Schundfilm auszuleihen.
Bis auf die groben Kopfplatzer und fünf Minuten Crime gibt es hier nichts zu ernten. Selbst für B-Fans nicht im Ansatz geeigenet.
2,5/10