Naturdokumentationen von der BBC sind eigentlich immer ein Augenschmaus, doch die zeitgenössische Technik ermöglicht mittlerweile unglaubliche Makro-Aufnahmen in HD, welche vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wären.
So punktet dieser Beitrag primär durch seine überragende Optik, während die Dramaturgie ein wenig auf der Strecke bleibt, denn man merkt der etwas willkürlichen Reihenfolge kurzer Beiträge durchaus an, dass sie ursprünglich Inhalt einer zehnteiligen Reihe waren.
Rund 35 Kameraleute befanden sich nahezu weltweit im Einsatz, um den naturverbundenen Betrachter mit den Wurzeln unseres Lebens vertraut zu machen. In drei grob gegliederten Kapiteln werden Episoden über beschützende Eltern, Tricks bei der Nahrungsaufnahme und einige Rituale bei der Partnersuche gezeigt. Begleitet werden die Bilder von den Off-Kommentaren Dietmar Wunders, der deutschen Synchronstimme von Daniel Craig.
Und man steigt eiskalt ein, als es zu einer Robbenmutter und ihrem Jungen in die Antarktis geht. -30 Grad und eisige Böen, - da setzt schon der erste Respekt für die Kameramänner ein, die es dann auch noch hinbekommen haben, glasklare Bilder von den tauchenden Robben unter dem Eis einzufangen.
Ohnehin müssen die Kameraleute ein recht sensibles Händchen haben, denn eine fingernagelgroße Kröte derart millimetergenau beim Klettern auf dem Baum zu verfolgen oder eine Venusfliegenfalle von innen zu zeigen, wie das Berühren der zwei kleinen Härchen erst das Zuschnappen und somit den Tod der Fliege auslösen, ist schlicht atemberaubend.
Dabei werden Bewohner vieler exotischer Länder in recht intimen Momenten festgehalten, ob badende Schneeaffen in Japan, Kapuzineräffchen in Brasilien, eine Rüsselmaus beim Hindernislauf in Kenia oder räubernde Fregattvögel in Tobago, - die Kapitel gestalten sich durchaus unterhaltsam, spannend und auch mal erheiternd, nur fehlt dem Ganzen ein aufeinander aufbauendes Konzept, denn phasenweise wechselt man von Geparden zu Delphinen, kommt von der Gottesanbeterin zum Lämmergeier, was im Gesamtbild ein wenig wahllos und auf seine visuellen Höhepunkte reduziert wirkt.
Glücklicherweise bleibt der moralinsaure Zeigefinger in Sachen Klimaschutz außen vor, so dass es in den einzelnen Episoden tatsächlich mehr oder weniger um die Basis des Lebens geht, welche dem der Menschen in einigen Belangen gar nicht mal unähnlich erscheint.
Wie sich eine junge Bergziege vor einem Fuchs versteckt, könnte als perfektes Vorbild für einen Survival-Thriller dienen, beim eher desinteressierten Gorilla-Papa als Babysitter könnte man sich das menschliche Pendant recht gut mit Zeitung und Bierflasche vorstellen, während die Mutter eines im Schlamm feststeckenden Elefantenbabys viel zu impulsiv reagiert, so dass die rational agierende Oma einspringen muss.
Auch wenn die Dramaturgie nicht so wirklich durchdacht erscheint und lehrreiche Informationen eher für die jüngeren Zuschauer in Betracht kommen, - der visuelle Hochgenuss mit zahlreichen Nahaufnahmen, unglaublich präzisen Zeitlupen und hervorragenden Kamerafahrten entschädigt für einige Mankos innerhalb des vagen Konzepts.
Tier - und Naturfreunde sollten definitiv die große Leinwand bevorzugen, denn detaillierter hat man einen Hirschkäfer noch nicht im Kampf um sein auserkorenes Weibchen kämpfen sehen…
Knapp
8 von 10