Ich will dieses Review mit eine Aussage beginnen, mit der ich wohl ziemlich alleine da stehen werde. "Ich habe noch nie einen Film mit Romy Schneider gesehen!" Eigentlich unvorstellbar in Zeiten, in denen die "Sissi" - Filme jeden auch noch so verregneten Sonn -oder Feiertag aufzuheitern zu vermögen. Und trotz des Mythos "Romy Schneider" hatte ich auch nie das Bedürftnis mir einen Film mit ihr anzusehen. Bis jetzt zumindest. Wie oft sah ich schon die DVD im Laden stehen nur auf mich wartend? Tja, die DVD hab ich mir letztendlich zwar noch immer nicht gekauft, aber wenigstens hat es den Film kürzlich erst im Fernsehen gespielt.
Da eine genaue Inhaltsangabe schwer zu erzählen ist, nehm ich einfach die Version für Laien:
Wir haben einen Kommissar, der einst als Richter fungierte, sich aber für die Polizeimarke entschied, da er glaubte in diesem Beruf mehr erreichen zu können. Er ist ganz besessen von der Idee Verbrecher auf frischer Tat zu ertappen. Als er jedoch einen alten Freund, der inzwischen auf die schiefe Bahn gekommen ist wieder trifft, sieht er seine Chance und verleitet ihn mit Hilfe seiner Freundin, der Prostituierten Lilly (Romy Schneider) zu einem Banküberfall.
Eine zugegeben ziemlich eigenwillige Geschichte und ich möchte auch nicht wirklich beurteilen, inwiefern dies heutzutage noch glaubwürdig erscheint. Darum geht es in diesem Film aber auch nicht. Die Geschichte dreht sich eigentlich insbesondere um die Beziehung zwischen dem Kommissar Max und der Prostituierten Lilly. Wie man diese beiden Charaktere im Laufe des Films weiterentwickelt ist schon etwas ganz besonderes, vor allem da man am Anfang noch den Eindruck hat, dass einem diese Geschichte nicht relativ nahe gehen würde.
Doch dank der beiden phantastisch agierenden Haupt - Protagonisten ist dies nicht der Fall. Michel Piccoli spielt den Kommissar mit eiserner Miene und praktisch ohne Gewissen. Nicht selten wandert die Sympathie des Zuschauers von ihm ab und wendet sich den Gangstern zu. Die Darstellung jener bleibt zwar solide, aber im Grunde genommen hatte ich mir hier auch nicht viel erwartet. Was den Film dann doch noch einzigartig macht ist die Vorstellung von Romy Schneider. Sie bleibt immer ruhig und man nimmt ihr die Rolle jederzeit ab. Vielleicht hätte ich mir mal doch die "Sissi" - Filme ansehen sollen, alleine wegen Frau Schneider wären sie es sicher wert gewesen. Naja bis auf den nächsten verregneten Sonntag.
Die Inszenierung von "Das Mädchen und der Kommissar" ist zwar nicht die Temporeichste, aber das hätte dem Film meiner Meinung nach auch mehr geschadet als geholfen. Der Aufbau der Charaktere und der Handlung verläuft sehr ruhig und gemächlich, wobei ich mir an der ein oder anderen Stelle doch etwas mehr Initiative des Regisseurs gewünscht hätte. Er lässt den Film nämlich speziell am Anfang vor sich hin laufen, ohne das die Geschichte auch nur im geringsten weiter geführt würde. Also muss man zumindest zu Beginn einige Geduld aufbringen. Diese zahlt sich im Endeffekt aber dennoch aus, da der Rest des Films einfach sehr gut gelungen ist und das Ende kann man dann wirklich schon als temporeich beschreiben.
Man kann den Film kaum noch mit einer heutigen Produktion aus europäischen Ländern vergleichen, da man heutzutage einfach schnellere Filme inszeniert. "Das Mädchen und der Kommissar" ist ein gut durchdachter Krimi, bei dem man nicht selten das Gefühl hat er könnte etwas mehr Tempo vertragen. Doch hat man sich erstmal in die Charaktere hinein versetzt, kommt man von dem Film nicht mehr los und verzeiht auch so manche Ungereimtheit in der Story. Besonders wertvoll wird der Film allerdings durch die beiden herrvorragend agierenden Hauptdarsteller Michel Piccoli und Romy Schneider. Speziell von Frau Schneider war ich derart begeistert, dass ich mir demnächst wohl noch so einige Perlen aus ihrer Film-Biographie ansehen werde.