Während ihre älteste Tochter Jennifer (Meg Saricks) ihren etwas zudringlichen Freund im Auto mit markigen Sprüchen auf Distanz hält, ist Mama Maguire (Erin McGrane) bei ihrer Anonymen Alkoholikergruppe und berichtet über die bevorstehende Rückkehr ihres Ehemanns von einem Auslandseinsatz der US Army: ein Ereignis, über das sie sich so gar nicht freut. Dennoch macht sie sich kurz darauf mit allen drei Töchtern (Alice, Sally und eben Jennifer) im Wagen auf den Weg nach Kansas, wo der Flieger landen soll. Zwar warnen Radio und Fernsehen schon den ganzen Tag vor einem dort aufziehenden Wirbelsturm, doch die vier Damen fahren unbeirrt Richtung Flughafen - bis sie in genau diesem Sturm landen, den Wagen stehenlassen und das nächste Haus aufsuchen müssen. Als dort niemand öffnet, brechen sie in den Keller ein und warten dort ab, bis sich das Wetter draußen beruhigt hat. Leider blockiert dann ein umgestürzter Baum die Kellerluke, sodaß sie dort vorerst gefangen sind. Als sie sich umsehen und die Jüngste durch ein kleines Fenster zum Hilfeholen hinausschieben wollen, wird diese von irgendetwas in den Arm gebissen. Seltsam fauchende Kreaturen scheinen draußen vor dem Haus zu sein, aber nicht nur draußen, sondern auch direkt bei ihnen im Keller...
Mit seinem unbekannten Cast und einer nicht sonderlich innovativen Geschichte hebt sich die US-Produktion Nailbiter kaum von der Masse günstig produzierter Horrorstreifen ab, vermag in der ersten Viertelstunde Laufzeit aber dank der losen Fäden und einer nicht ungeschickten Kameraführung durchaus die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen. Erst als sich dann die Monster zeigen, von denen meist nur das halbe Gebiss oder ein anderer Teil des Kopfes ganz kurz ins Bild ragt, während ein immer gleiches, fauchendes Hintergrundgeräusch abgespielt wird, dämmert einem dann, daß man es hier mit einer Amateurproduktion zu tun hat. Wobei Nailbiter kein Low-Budget-, sondern ein No-Budget-Streifen ist. Doch auch dies muß dem Sehvergnügen keinen Abbruch tun, der Hammer kommt allerdings etwas später in Form der Bewohner des Hauses...
Denn das betreffende Haus ist durchaus bevölkert, und die Bewohner wissen auch ganz genau um die Monster wie auch die ungebetenen Besucher im Keller Bescheid - nur daß es eben nicht eine zu erwartende degenerierte Hinterwäldler-Familie ist, sondern daß hier eine resolute alte Oma das Zepter schwingt. Eine grauhaarige Oma, optisch der ehemaligen First Lady Barbara Bush ähnelnd mit einer kratzigen deutschen Synchronstimme wie jener von Sophia Petrillo von den Golden Girls. Als diese dann loslegt und geschwätzig über ihre gerade gebackenen Kekse ("Hurrikan-Kekse") schwadronniert, mag man vielleicht nicht gleich in schallendes Gelächter ausbrechen, mit jeglicher Spannung ist es ab diesem Zeitpunkt allerdings endgültig vorbei.
Immerhin bewirkt diese unfreiwillig komische Wendung jedoch, daß man den Film halbwegs amüsiert weiterverfolgt und trotz der immer schlechter werdenden Produktionswerte (mehr als der halbe Film spielt im dunklen Keller) keineswegs an ein vorzeitiges Abschalten denkt - könnte doch sein, daß die Oma mit der markanten Stimme wieder auftaucht...
Währenddessen sind die vier Damen im Untergeschoß nicht untätig geblieben und basteln sich aus den herumliegenden Vorräten und Werkzeugen Selbstverteidigungswaffen, zu denen auch eine Nagelpistole gehört. Die einzige Hilfe von außen ist ein einzelner Sheriff, der den Wagen der Familie entdeckt hat, aber da Omas Sohn ebenfalls Gesetzeshüter ist (und seine Uniform auch in der Freizeit trägt, aber was solls, immerhin hat das "Budget" für gleich zwei saubere Polizistenhemden mit Abzeichen gereicht) läßt sich Ersterer vorerst mit "Nö, wir haben nix gesehn" (und ein paar "Hurrikan-Keksen") abspeisen...
Sicher, Nailbiter ist ein weiteres verzichtbares Käsefilmchen im großen Meer der billigen Horror-Produktionen und damit ein typischer 1-Punkte-Kandidat, besonders hinsichtlich der wie von Schülern zusammengeschnittenen wenigen Blut- und Monsterszenen (deren Dilettantismus schlichtweg zum Himmel schreit), doch übersieht man dabei, daß sich die vermuteten Laiendarsteller, hier besonders die vier Damen im Keller, ganz wacker schlagen und sich das Drehbuch zumindest zu Beginn des mit 81 Minuten nicht allzu langen Spektakels ein paar Gedanken gemacht hat, die es freilich nicht oder kaum zu Ende führt. Das reicht bei aller Sympathie für Amateurproduktionen gerademal für knapp 2 Punkte plus einem Extrapunkt für die Comic relief-Oma...