Sehr positiv überraschende kreative Mischung aus Torture-Porn, Entführungsdrama und klassischem Slasher-Horror
Es beginnt nach einigen Texttafeln mit dem Hinweis "Die Leichen wurden nie gefunden…". Dies lässt bei dem erfahrenen Horrorfan schon mal den Vorfreude-Puls ein wenig ansteigen. Zu Recht. Tatsächlich schafft es RITES OF SPRING eine gute und harte Mischung aus Torture-Porn, Entführungsdrama und klassischem Slasher-Horror zu schaffen, der auch noch recht kreativ und nicht alltäglich ist und kann auch mit einigen Überraschungen und schaurigen Bildern und Verfolgungsjagden aufwarten. Deswegen wirkt der Film wie so oft am besten, wenn man sich nicht ausführlich vorab informiert und auch hier wird nichts verraten.
Für Freunde des deftigen Horrors kann ich zwar keine Blutorgie, aber eine angenehm komplexe Geschichte mit gezielten, aber nicht selbstzweckhaften Effekten versprechen. Alle denen, die die ganzen Torture-Filmchen der letzten Jahre zu banal und wiederholend fanden, könnten an der etwas hochwertigeren und abwechslungsreichen Mischung von RITES OF SPRING Gefallen finden. Und auch die FSK 18 ist aufgrund des vorhanden psychologisch wirkenden Horrors durchaus gerechtfertigt und glücklicherweise erscheint RITES OF SPRING uncut bei uns.
Die Geschichte (OHNE SPOILER!) der zwei verschleppten Freundinnen und der parallelen Storyline der Kleinkriminellen die einen Coup planen, wird von RITES OF SPRING sehr geschickt in einer Verbindung der beiden Handlungsstränge gelöst. Und das ist erst der Anfang der sich nach hinten noch kräftig steigernden Ereignisse….ein wenig schauen auch die Klassiker wie TEXAS CHAINSAW MASSACRE und (Backwood-)Slasher wie WRONG TURN, JEEPERS CREEPERS bei RITES OF SPRING um die Ecke. Der Film klaut gut und kombiniert dies zu etwas wirklich eigenem was als sehr positiv zu erachten ist.
Nicht alles ist perfekt an RITES OF SPRING und ein paar Überraschungseffekte wurden dem Genre gemäß gut kopiert. Es ist sicher ein klarer B-Film und nichts für Fans von Hochglanzhorror der nur mit Studium verstanden werden kann. Aber dennoch ist die Kameraführung und Ausstattung sehr ansprechend und auch die Schauspieler agieren dafür angemessen und sind physisch stets präsent. Gerade der zentrale Bösewicht ist hier hervorzuheben. Hier und da nervt zwar die Synchronisation ein wenig und die Dialoge hätten manchmal auch etwas mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.
Aber das sind Kleinigkeiten einer kleinen Genreüberraschung, die nicht viel Klischees benutzt und stets sehr kurzweilig ist in den nur rund 75 Minuten ohne Abspann. Der anfängliche Folteranteil ist nicht überzogen und versucht nicht auf Teufel komm raus den Zuschauer zu schocken. Durch diese Zurückhaltung wirken die Bilder im Kopf des Zuschauers damit nur umso nachhaltiger verstörenend. Die kurze Laufzeit vergeht durch das hohe Tempo wie im Flug und die stets düster-dreckige Atmosphäre ist sehr detailliert ausgearbeitet und auch das Ende rockt noch mal heftig.
6,5/10 Punkten