"Bist Du rein?!?" Während die Frauenabteilung in diesem Film die Frage nicht versteht, wäre meine Antwort gewesen:" Mein zweiter Vorname ist Gangbang-Pony". Naja, es ist auch eine schwere Frage für die heutige Jugend.
Der Einstieg in diesen Mischling aus Torture Porn, Slasher und "Bankräuberfilm" ist in den ersten Minuten etwas verwirrend geraten, da zwei Plots gleichzeitig erzählt werden:
Während die beiden Freundinnen Rachel (Anessa Ramsey) und Alyssa (Hannah Bryan) von einem Fremden (Marco St. John) entführt und in eine Scheune verschleppt werden, dringt zur gleichen Zeit das Trio Paul (Sonny Marinelli), Ben (AJ Bowen) und dessen Schwester Army (Katherine Randolph) bei dem Industriemagnat Ryan Hayden (James Bartz) in die Villa ein und entführt die beiden Töchter. Für ein Lösegeld von zwei Millionen Dollar kann er sie freikaufen. Während die Kidnapper in einem abgelegenen Haus auf das Geld warten, kann sich Rachel aus den Zwängen ihres Peinigers befreien und platzt mitten in die Geldübergabe hinein. Was alle nicht wissen: Rachel sollte für ein unheimliches Wesen geopfert werden, das nun Jagd auf alle macht...
Während die Geschichte um die beiden Freundinnen eher zum Gähnen animiert und man sich die ganze Zeit fragt, zu welchen Zwecken der Fremde (Darsteller Marco St. John wird im Cast lediglich als "The Stranger" geführt) die beiden Girlies malträtiert, gestaltet sich der Überfall auf den Millionär leidlich spannend.
Auf der einen Seite haben wir also permanentes Frauengekreische und einen wirr vor sich hin murmelnden Opa (auf die Geschichte mit dem Wesen wird nicht genau eingegangen), der die Reinheitsgebot-Frage stellt und ein wenig Blut sammelt und auf der anderen Seite die drei Kidnapper, die die Spannung konstant hochhalten. Immer abwechselnd kommen die beiden Erzählstränge voran, wobei man im Gangster-Plot Regie-Neuling Padraig Reynolds vorwerfen könnte, etwas zu dick bei der Schwarz-/Weiß-Malerei aufgetragen hat. Nach fünf Minuten ist die Sache schon gegessen, wer von den drei Kidnapper richtig Dreck am Stecken hat und wer eigentlich ganz lieb ist. Aber das ist nicht weiter schlimm - immerhin sorgt das für Klarheit im Gegensatz zu "Ritual-Opa".
Wenn ich jetzt hämisch wäre (und das bin ich), könnte ich "Rites of Spring" vorwerfen, dass sich der Film so ähnlich wie die miese "Scary Movie"-Reihe verhält. Sprich: Man sieht in dieser Mischung diverse Versatzstücke von anderen bekannten Filmen. Dennoch, wie sangen schon Die Prinzen: Das ist alles nur geklaut.
Und lieber gut geklaut als schlecht neu erfunden. So hat Reynolds seinen Film voll im Griff, bis eben der Point of no Return kommt und die Plots ineinandergreifen: Das große Aufeinandertreffen. Da ging der Puls mächtig in die Höhe, nur um ein paar Minuten später wieder völlig abzukacken.
Das hat mich schwer enttäuscht. Denn ab hier könnte man meinen, dass der Film seinen aufgebauten Status jetzt erst richtig schön ausspielt, aber ratz, fatz. Ist alles vorbei. Die Charaktere sterben wie die Fliegen, ein kleiner Plottwist ist noch dabei und zack - ist Filmende.
Das regt mich an diesem Film am meisten auf, dass er sein ordentlich aufgebautes Potential mit zwei verschiedenen Geschichten perfekt aufeinander prallen lässt, um das tolle Ergebnis dann das Klo runterzuspülen. Schade, da hätte man lieber die Charaktere länger am Leben gelassen und noch zwanzig Minuten Laufzeit drangehängt, um der tollen Geschichte gerecht zu werden. Aber so kostet das massig Punkte in der Bewertung.
Zum Härtegrad will ich noch erwähnen, dass die Messlatte nicht sonderlich hoch liegt. Vieles passiert im Off, und wenn mal die Kamera kurz draufgehalten wird, wird mit schlechten CGIs rumgespielt. Uncut ja, brutal nein.
Nichtsdestotrotz, Regisseur Padraig Reynolds (wer erfindet solche Vornamen?) befindet sich auf einem guten Weg ein guter Regisseur zu werden. Sein erstes Werk ist leider leicht missglückt.
5/10