Review
von Leimbacher-Mario
Bauer sucht Frau
Harter Kidnap-Thriller trifft auf leicht übernatürlichen Slasher? „Frontiers“ auf „Texas Chainsaw Massacre“ und „Rabid Dogs“? Ja, das passt. Zu „Rites of Spring“, dessen retrotastisches Poster mich neugierig gemacht hat und dessen solide Qualität und Unberechenbarkeit mich bleiben haben lassen. Es geht um zwei junge Damen, die von einem alten Landwirt betäubt und in seiner Scheune einem mysteriösen Monstermann geopfert werden sollen. Ein blutiges Frühlingserwachsen sozusagen. Gleichzeitig entführen ein paar frustrierte Gangster die Tochter eines reichen Geschäftsmanns, fordern ein hohes Lösegeld und landen in genau derselben ländlichen Gegend, in der scheinbar schon seit Jahrzehnten jeden Frühling für eine erfolgreiche Ernte hübsche junge Frauen geopfert werden...
Am liebsten wäre „Rites of Spring“ wohl so etwas wie „From Dusk Till Dawn“ mit seinem grandiosen Stilbruch ziemlich genau in der Halbzeit. Doch dieser Vergleich hinkt natürlich extrem. Schlecht ist dieser wendungsreiche, knackig produzierte und recht saftige Slasher dennoch. Das „Monster“ ist eine zumindest interessante Mixtur aus einer Mumie und dem dünnen Cousin von Leatherface, die Kills gehen all in und ein gewisser dreckiger, nihilistischer, menschenverachtender Unterton lässt sich nie ganz abschütteln, ohne den Spaß eines Slashers links liegen zu lassen. Es wird wenig erklärt, aber man hat auch kaum Interesse mehr wissen zu wollen. Obwohl eine Fortsetzung sicher nicht unmöglich und unwillkommen wäre. „Rites of Spring“ ist hochwertig produziert, füllt seine kurze Laufzeit längenlos und hält einen bei Laune und Neugier. Trotz manch einer Wendung braucht man nicht allzu viel Aufmerksamkeit und Konzentration, der Vibe solcher bösen 70er-Backwood-Schocker wird einigermaßen getroffen. Alles kennt man, alles mag man, alles okay zusammencollagiert. Anessa Ramsay ist zudem ein famoses Final Girl!
Fazit: „Rites of Spring“ ist nicht annähernd so cool wie sein Retroposter, hat aber dennoch genug auf dem Kerbholz und in seinem Genremix, um zumindest jedem Slasherfan einen schönen Wochenausklang an einem Freitagabend mit einem großen Bier auf der Couch zu kredenzen. Alles andere als ein Gamechanger, aber brauchbare Kost!