Bis auf einige wenige Ausnahmen, sind die seit 2009 auftretenden Kollaborationen zwischen TVB (Television Broadcasts Limited) und Shaw Brothers (Hong Kong) Ltd. meist noch die einzigen übrigen reinen kantonesischen, ohne die Förderung von China entstandenen Produktionen; die auch ebenso ursächlich nur auf das heimische Publikum innerhalb der eigenen Stadtmauern abzielen. Grund dafür ist die Besetzung oft nur lokal bekannter Schauspieler, quasi hauseigenes Stammcasting, was zudem oft mir gleichfalls bewährtem Programm und dortzulande verstandenen und geliebten Themen einhergeht. So entsprang Laughing Gor - Turning Point (2009) einer extrem populären Fernsehserie und dessen eigentlich bis dahin nur als Nebenfigur eingeführten Zuschauerlieblings, die als Ehre und Würdigung ihr eigenes Prequel auf großer Kinoleinwand erhielt. Turning Point: Laughing Gor Returns wiederum ist das Sequel zur nachfolgenden Serie, erschafft sich somit von vornherein noch die weitaus schwierige Prämisse und ist im Grunde bei der Nichtkenntnis der zwischenzeitlich ausgestrahlten 30 Episoden auch nicht zu verfolgen. Wo damals die eigene Erzählung als Vor- und Genregeschichte auch kohärent für ein ausserländisches Auditorium verbreitet wird, arbeitet man nun mit Vorkenntnis und nur den absolut Getreuen auch bekannten Geschehen und bezieht sich auch abseits dessen auf ein Wirrwarr aus doch sehr seltsamen Plot und oft der Nachvollziehbarkeit verweigernden Vor- und Zwischenfällen:
Wegen Mordes an dem Kleinkriminellen Michael So alias „Crippled Co" [ Bosco Wong ] verhaftet und im Stanley Prison einsitzend, geht Leung Siu-tong, Spitzname „Laughing Gor" [ Michael Tse ] in Wahrheit einem erneut heimlichen Auftrag als Polizist nach. Für seinen einzig eingeweihten Vorgesetzten Officer Lai, Under Secretary of Security [ Evergreen Mak ] und mit der Unterstützung nach außen durch die junge Kadettin Carmen [ Janice Man ] und nach innen durch den vermeintlichen Wärter Yeung Lap-ching [ Jin Au-yeung ] soll ein bis in die höchsten Spitzen korruptes Netz verschiedener Gesetzeshüter, einschließlich des Senior Assistant Commisioner Cheuk King-chuen [ Liu Kai-chi ] aufdecken, wobei er den Häftling Tai Chit [ Chapman To ] als Sündenbock und Bauernopfer vermutet. Doch nicht nur die anderen Gefangenen wie Kui Chuen [ Lam Suet ] und Ye Po [ Lau Siu-ming ] machen Laughings Auftrag schwierig. Sondern vor allem der für Drogenmissbrauch eingesperrte Fok Tin-nam [ Francis Ng ], der sich als ausgebildeter Psychologe und auch Berater für die Polizei mit jedem Kniff der Beeinflussung und Manipulation auskennt, und zudem Michaels rachsüchtige Freundin Paris Yu [ Kate Tsui ] im Schlepptau hat. Als die Situation innerhalb der Mauern zu brenzlig wird, versucht „Laughing“ mit Hilfe einer burmesischen Drogenbande aus dem Goldenen Dreieck, unter Führung von Sa Po Yau [ Kara Hui Ying-hung ] die Flucht.
Im Grunde ist dies in gleich mehrfacher Hinsicht ein Liebhaberstück für den ausgewählten Kreis, wie als Bonus für gesammelte Treuepunkte. Zum einen wird die Anhängerschaft des „Laughing Gor" und seiner Abenteuer erst in der Emergency Unit und folgend im spin-off Lives of Omission belohnt, an zweiter Stelle die letzte Bastion der Sympathisanten eines phasenweise überaus undurchdringlichen und auch gar nicht so richtig fesselnden, eher nur wegen seiner Mysteriösität faszinierenden Widersinns. Denn hier werden keine Antworten auf Fragen gefunden oder ein neues Unterfangen des wohl ewigen Undercover-Cops geklärt, sondern bloß dem Nervenkitzel aus Hin und Her und Vor und Zurück und das zwischen Farce und Fantasterei schwankend gefrönt. Denn twists und turns gibt es reichlich genug, wird aber selbst der aufmerksame Betrachter immer nur später und dann auch mit grotesker Logik darüber informiert und so oftmals an der Nase wie der Tanzbär an der Kette und johlend vor Schadenfreude Anderer im Kreise herumgeführt.
Grund dafür ist weniger die Umgebung des hiesigen Versteckspiels, sondern eine umständliche Erzählweise und das Fernbleiben jeder Empathie und anderer Emotionen zu den mal kühl kalkulierenden, meistens aber wie der Teufel um die Ecke und ohne jede Motivation hervor springenden Personen. Tatsächlich könnte die Idee für den Film diesen auch spielend tragen, gerade in der Ein- und Unterzahl momentan überhaupt vorhandener urbaner Thriller stellt man sich auch als theoretisch willkommene Abwechslung mit der Sondervergütung als Unikat heraus. Die Zutaten von Triadenpolizei, Korruption bis in die höchsten Kreise und sogar rein in das Gefängnis, dem Vorhandensein eines evil mastermind, eines burmesischen Paramilitärs, eines Undercoverpolizisten auf geheimer Mission und mit geraubter Identität etc. sind ebenso erwünscht und konkret, werden noch zusätzlich mit anderweitig seltsamen Szenen wie einem Attentäter im Rollstuhl, mehrfacher Küchenpsychologie und einer Nierenentfernung bei vollem Bewusstsein gewürzt. Zudem führt wie beim Vorgänger auch erneut Herman Yau die Regie; einer der letzten Individualisten aus grauer Vorzeit, der bereits Ende der Achtziger mit aktiv vor Ort und Stelle war und auch zuletzt noch mit jeweils interessanten bis formidablen Werken wie On the Edge (2006), A Mob Story (2007), Rebellion (2009) den Kampf zwischen Gangstern und Cops im sicher produzierten B-Movie Bereich serviert hat.
Je nach Ansicht und Standpunkt oder auch minütlich wechselnd ist die nun vorliegende Extremität entweder die Krönung, der Sud oder der Bodensatz diesen Schaffens, wird in den wenigen Actionszenen das handwerkliche Durchsetzungsvermögen, gerade bei Autostunts auch immer der Aha-Effekt in Bezug auf die Gefährlichkeit dessen geliefert und so die Sensationslust bedient. Auch optisch ist die Bebilderung angenehm, aber doch sehr Fernsehen und so sicher gänzlich unaufgeregt zu schauen, die Riege aufgefahrener Darsteller entspricht dem üblichen Gericht, und ist der Appetizer mehrerer großer Fragezeichen inklusive auch darin noch weiter versteckter Rätsel von immerhin ausgefallener und so die Neugierde kitzelnder Sekurität. Denn wo sonst die Außenwelt von dem Eingeschleusten und er selber auch bald nicht mehr weiß, ob er nun zu den Guten gehört oder doch nicht, weiß es der in dunklen Kreise hantierende Polizist und damit auch der Zuschauer bald von seiner gesamten Umgebung nicht; was bei all den Katz- und Maus- und Verwirrspielen nach Lust und Laune auch kein Wunder mehr ist. Und leider werden die theoretisch interessanten Motive vom Utilitarismus und seinem Nutzenkalkül hier auch tatsächlich in aller trockenen Teleologie mit Umschweife und längerer Vorgeschichte auch bald tot geredet, ohne den Punkt wirklich verständlich oder sonstwie glaubhaft zu machen.