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Mit City Hunter lieferte Jackie Chan eines seiner zweifelhaftesten Werke ab, ein Film der extrem polarisiert und durch die Mischung aus kindischer Comedy und überdrehten Actionszenen die Meinungen extrem entzweit.

Chan spielt den Privatdetektiv Ryu Saeba, eine Figur die auf einer japanischen Mangareihe von Tsukasa Hojo basiert. So ist die filmische Interpretation von Wong Jing (Total Risk) vor allem eines, extrem überzogen und durchgeknallt. City Hunter orientiert sich nicht nur an einem Comic, er sieht auch so aus. Es finden allerlei fantastische Stilmittel Verwendung wie man sie aus der japanischen Popkultur kennt, von überdimensionalen Gegenständen bis zur Texteinblendung in Signalfarbe. Gleich zu Beginn wird klar in welcher surrealen Welt der Film spielt: City Hunter ist Privatdetektiv in Hongkong, hat aber vor allem eine Schwäche für Frauen, Essen und Schlafen. Es folgt allerlei überzogenes Geplänkel, dem eigentlich nur ganz harte Gemüter wirklich etwas Witziges abgewinnen dürften. So lässt sich Ryu im Tiefschlaf durch die Stadt kutschen bis er endlich einmal aufwacht. Sein ständiges Verlangen nach Essen lässt ihn fast durchdrehen, am Ende sieht er schon Frauen mit Hamburger-Titten und Hähnchenschenkel-Beinen. So geht es munter weiter, denn Jackie bekommt einen Job und macht sich auf die Suche nach einer verschollenen Tochter. Wer zu diesem Zeitpunkt schon genug hat, der sei vorgewarnt, denn es wird nicht wirklich besser. Jackie folgt der Dame auf ein Schiff, das kurz darauf in bester „Alarmstufe Rot“-Manier von Terroristen gekapert wird. Um die Passagiere zu retten muss sich City Hunter mächtig ins Zeug legen.

Sieht man von der quasi nicht existenten Story einmal ab, wird nicht viel geboten um das Interesse doch noch zu wecken. Jackie zeigt zwar ein paar gute Stunts wie eine turbulente Skateboardverfolgungsjagd durch die belebte Innenstadt, aber eigentlich ist nichts dabei was er nicht schon mal irgendwo besser gezeigt hätte. Stattdessen macht Chan sich mehr als je zuvor zum Clown, der sich irgendwie durch die Handlung hampelt und dämliche Grimassen schneidet. Jackie ist zwar immer für Komik und Slapstick gut, hier wird jedoch alles mit der Holzhammer-Methode brachial auf lustig getrimmt so dass der Witz früh verloren geht. Es bleibt ein Possenspiel, bei dem man zeitweise am Verstand von Autor und Regisseur zweifelt. Zudem ist Jackie reichlich fehlbesetzt, denn sein eigentliches Talent für Akrobatik und brenzlige Stunts wird weitestgehend verschenkt.
Noch schlimmer wiegt aber das die gute Darstellerriege in einem Script aus Stuss und Nonsens untergeht. Richard Norton, der hier wie in „Mr. Nice Guy“ den Bösewicht mimt, wird genauso verschenkt wie Joey Wong (Iron Monkey) in der Rolle von City Hunters Assistentin. Auch Gary Daniels als fieser Handlanger darf, trotz gestähltem Body, nichts von seinem kämpferischen Fähigkeiten zeigen und muss sich dem Klamauk unterordnen. Überhaupt hat City Hunter keine nennenswerten Kampfszenen, was bei einem Jackie Chan Film schon sehr enttäuscht. Wenn es Jackie dann mal mit einem Ganoven zu tun bekommt, spielt sich ein Affentheater ab das Eins zu Eins aus einem Kindergarten übernommen wurde.

Was City Hunter in meinen Augen vor dem totalen Desaster bewahrt sind zwei Szenen, die zwar nicht weniger abgedreht sind als der Rest, aber dafür recht unterhaltsam daherkommen. So trifft Jackie im Kino des Schiffes auf Terroristen, während im Hintergrund gerade Bruce Lees „Game of Death“ läuft. Während Jackie die bösen Buben vermöbelt, zeigt die Leinwand den legendären Kampf zwischen Lee und Kareem Abdul-Jabar. Der schaut sich natürlich gleich noch ein paar hilfreiche Tipps vom großen Meister ab um die ebenfalls großgewachsenen schwarzen Jungs zu überwältigen.
Ganz lustig ist auch eine Parodie auf die bekannte „Street Fighter“ Videospielreihe, in der Jackie und sein Kontrahent in die Rolle verschiedener Charaktere schlüpfen. Wer mit den Spielen aufgewachsen ist, wird hier einige bekannte Gesichter treffen wie z.B. Honda und Ken. Das Witzige, die Kämpfe wurden auch im Stil der Spiele gestaltet und sehen dem Original zum verwechseln ähnlich. Die netten Gimmicks entschädigen zwar nicht für die ansonsten unterirdische Umsetzung, machen aber zumindest kurzweilig Laune.

Fazit:
City Hunter gehört durch seine verrückte Inszenierung sicher zu den fragwürdigsten Filmen in Chans Leinwandkarriere. Wie immer ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks, in diesem Falle sollte man aber schon eine gewisse Sympathie für Mangas und japanischen Kitsch-Humor haben. Ärgerlich auch das Action und Kampfeinlagen den Kürzeren ziehen und sich dem völlig überzogenen Humor unterordnen müssen. Wenn schon Chan selbst diesen Film nicht sonderlich mag, wird schon was Wahres dran sein.

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