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Ein legendärer Film mit einem legendären Hauptdarsteller und aus der Hand eines legendären Regisseurs - "The Getaway" war von vornherein prädestiniert ein Erfolg zu werden. Eine Selbstverständlichkeit war dies jedoch nicht.
Zum einen hatte Steve McQueen die ersten Flops seiner Karriere hinnehmen müssen, fiel er doch mit seinem persönlichem Projekt "Le Mans" 1971 ziemlich hart auf die Nase. Zum anderen war die Zusammenarbeit zwischen Peckinpah und McQueen auch kein Garant für Hits, wie "Junior Bonner" ein Jahr zuvor gezeigt hatte. Man kann nur vermuten, dass die beiden Männer der Ehrgeiz gepackt hatte, wieder einen Erfolg einzufahren.

Der Plot von "The Getaway" bietet dafür alles Notwendige. Eine spannungsgeladene Kriminalgeschichte, eine Liebesgeschichte und Charaktere, die erinnerungswürdige Momente versprachen. Viel schiefgehen konnte also nicht und ist es auch nicht. Es ist einer der besten McQueen-Streifen und (meines persönlichen Erachtens nach) der beste Film Peckinpahs. Er gefällt mir besser als "Straw Dogs", "The Wild Bunch" oder "Cross of Iron". Warum?

"The Getaway" erweist sich beinahe als Maßstab für coole und spannende Gangsterfilme jenseits der Mafiaepen Coppolas und Scorseses. McQueen und Ali MacGraw als Gangsterpärchen entwickeln eine interessante und dramatische Dynamik, die das Drehbuch im Kern trifft. Sind beide Rollen an sich schon enorm interessant, so erweist sich das Zusammenspiel als Spannungsgarant. Selbst die ruhigsten Szenen ziehen den Zuschauer trotz oder gerade wegen der ruhigen Erzählweise Peckinpahs in den Bann. Besonders die erste gemeinsame Zeit nach der Freilassung Doc McCoys erzielt in ihrer Darstellung eine beinahe hypnotische Wirkung. Wenig Dialoge, viel Mimik und sympathische Verbrecher.

Jedoch wird diese Sympathie im Film immer wieder auf die Probe gestellt. Sowohl Doc McCoy als auch Carol McCoy haben dunkle Seiten an sich, die ständig mitzuschwingen scheinen, selten direkt wahrnehmbar oder greifbar sind und sie durchaus ambivalent erscheinen lassen. Dieses Gefühl findet dann auch vereinzelt konkrete Nahrung. Die Szene in der McCoy seine Frau schlägt, weil er herausgefunden hat, dass sie mit einem anderen Mann geschlafen hat, um ihn aus dem Gefängnis zu holen, zeigt die verdrehte und düstere Seite Charaktere und ihrer Beziehung. McCoy ist nicht der über allem stehende Held der Geschichte, so wurde er auch nicht filmisch eingeführt, sondern ein durchaus verletzlicher und verunsicherter Mann. Seine Frau steht ihm gegenüber plötzlich schwach und unselbstständig dar, scheint kaum noch Entscheidungen treffen zu können.

Das Weiblichkeitsbild zeigt sich in "The Getaway" erschreckend negativ gezeichnet. Besonders die Frau des vom Kontrahenten entführten Tierarztes stellt sich als untreue, naive und egoistische "Schlampe" (entschuldigung) dar, deren Handlungen ihren Ehemann letztlich mit in den Selbstmord treiben. In solchen Sequenzen erweist sich der Film als düster und mitunter etwas zynisch. Aber genau das erwartet man letztlich von einem Peckinpah in Hochform.

Diese grundsätzlichen Qualitäts- oder Besonderheitsmerkmale treffen dann auf eine klar erzählte Handlung, die einen spannenden Banküberfall, eine Verfolgungjagd, zahlreiche "Dialog-Duelle" und einen waschechten Showdown mit sich bringt. Somit ist "The Getaway" zeittypisches Genrekino, das nicht nur das Genre bedient, sondern darüber hinaus überdurchschnittlich interessante Charaktere bietet, die schauspielerisch über jeden Zweifel erhaben verkörpert werden. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass dies hier McQueens beste Darbietung ist. Dieser Film ist daher eigentlich Pflichtprogramm für alle, die Filme eben nicht willkürlich konsumieren und Freude daran haben, auch im Action- und Krimigenre Tiefgang vorgesetzt zu bekommen. Peckinpah und McQueen auf dem Höhepunkt ihres Schaffens!

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