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Als kleines Kind im Zoo ausgesetzt, wächst Lana (Ladya Cheryl) zwischen Tigern, Nilpferden und Giraffen auf. Auch als erwachsene Frau verlässt sie den Tierpark nicht, sondern arbeitet als Touristenführerin. Eines Tages lernt sie einen Cowboy und Zauberkünstler (Nicholas Saputra) kennen. Mit ihm verlässt sie den Zoo um die große Stadt zu entdecken…

Es gibt 3 Arten von Lebewesen im indonesischen Zoo: die Besucher, die Tiere und die Menschen, die im Zoo leben. Letztere untersteilen sich in weitere 3 Gruppen: die Arbeiter und Angestellten, Menschen, die gelegentlich im Zoo leben, und die, welche sich ein Leben außerhalb des Parks nicht vorstellen können. Letzteren widmet sich Jungregisseur Edwin („The Blind Pig who wants to Fly“ 2008) in seiner auf der Berlinale 2012 uraufgeführten Filmkollage. Bilder aus dem Leben der jungen, wie erwachsenen Lana wechseln sich ab mit zum Teil. extrem nahen Tieraufnahmen und Zoo-Bilden auf gehobenem Urlaubsfilm-Niveau. Ein Handlungsbogen entsteht erst als sich das Mädchen in den geheimnisvollen Cowboy (?) verliebt und mit ihm gemeinsam aus dem lebenslangen Mikrokosmos ausbricht. Warum sie dann in der Stadt den Cowboy verlässt und ausgerechnet Prostituierte wird, weiß der Drehbuchautor allein. Hier verliert Edwins Film seine gewisse, durch den Wechsel von Mensch- und Tieraufnahmen entstandene optische Faszination, wenn die Zoowelt gegen ein Bordell ausgetauscht wird. Eine sich anbietende, spätere Ausstrahlung im Sonntagnachmittagsprogramm wird damit unmöglich.
„Die Nacht der Giraffe“ erhält auf den Berliner Filmfestspielen nicht den von der taz geforderten Silbernen Bären, dafür ist Edwins Film für den europäischen Zuschauer schlicht zu schwer zugänglich. Allerdings lernt er nicht nur durch die eingeblendeten Zitate aus dem Tierlexikon so manches, wie zum Beispiel, dass eine einzelne Giraffe Chinas Ausbreitung als Kolonialmacht verhindert hat. (6/10)

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