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Schon die ersten Bilder von Panem, ein Land der nicht allzu entfernten Zukunft, das sich auf dem heutigen Territorium Nordamerikas befindet, verdeutlichen eine menschenverachtende Sozialisation. Während die Bewohner des 12. Distrikts in völliger Armut und herunter gekommenen Behausungen leben - ein Zustand, der auch auf die übrigen 11 Distrikte schließen lässt - gibt sich eine privilegierte Bevölkerung innerhalb einer hypermodernen Großstadt ihrer Dekadenz hin. Deren greller, überzeichneter Optik, die an altrömische Rituale erinnert, steht die bescheidene, saubere, bewusst altmodisch wirkende Erscheinung der 12 bis 18jährigen gegenüber, die sich in ihrer Sonntagskleidung der Auswahl für die "Hunger"-Spiele stellen.

Diese Konstellation zeigt, das es dem Film nicht um Zwischentöne geht, sondern um eine klare Aufteilung zwischen recht und unrecht, zwischen Unterdrückten und den skrupellosen Anführern, die jedes Jahr dreiundzwanzig junge Menschen für alle sichtbar sterben lassen - zur Demonstration ihrer Macht und zum Vergnügen der Stadtbewohner. Die Struktur dieses Herrschaftsapparats funktioniert nach den üblichen Diktatur - Regeln: ein Präsident, Mr. Snow (Donald Sutherland), ist der Alleinherrscher, der wenige Vasallen um sich scharrt, deren Aufgabe darin liegt, die Privilegierten bei Laune zu halten, während der Polizeiapparat dafür sorgt, dass sich der größte Teil der Bevölkerung in den zwölf Distrikten abplagt. Der Film leistet nur wenige Andeutungen, wie es zu dieser Situation kam, die augenscheinlich schon lange funktioniert, denn die Handlung widmet sich den 74. "Hunger" - Spielen.

Diese vereinfachende und klischeehafte Schilderung einer Diktatur, im Kern reaktionär in seiner Gegenüberstellung des moralisch anständigen Menschen und einer nur am Vergnügen interessierten Führungsschicht, basiert auf der Romanvorlage des Dreiteilers von Suzanne Collins, die hier eine Vielzahl bekannter Elemente der menschlichen Unterdrückungshistorie mit den aktuellen Exzessen des Unterhaltungsfernsehens vermischt. Denn bevor es zum eigentlichen Überlebenskampf kommt, müssen sich die Jungen und Mädchen aus den Distrikten erst einmal ihrem Publikum präsentieren, wofür sie eigene Berater und Stylisten an die Seite gestellt bekommen. Wichtig ist es, Sympathien und Scorerpunkte zu erhalten, um die eigenen Chancen zu steigern.

Im Prinzip verfügt der Film über genügend kritisches Potential, aber er nutzt es nur als Hintergrund für eine typische Heldengeschichte, in deren Mittelpunkt die 16jährige Katniss (Jennifer Lawrence) steht. Um eine Kritik am rigiden Herrschaftssystem und dem hemmungslosen Voyeurismus zu üben, wäre es notwendig gewesen, dem Betrachter den Spiegel vorzuhalten, ihm selbst Lust am Kampf der Jugendlichen zu bereiten, aber der Film überzeichnet die privilegierte Masse so sehr, dass die Identifikation unmittelbar der armen, aber anständigen Bevölkerung des 12.Distrikts gilt. Zudem beweist Katniss ihren ehrbaren und kämpferischen Charakter schon zu Beginn, als sie erst ihrer zwölfjährigen Schwester Mut zuspricht, als diese zum ersten Mal an der Auswahl für die Spiele teilnehmen muss, um dann freiwillig für sie einzuspringen, als ausgerechnet ihr Name aus dem Lostopf gezogen wird.

Man könnte es sich einfach machen, den verbrämten ideologischen Hintergrund als klassische Schwarz-Weiß-Malerei für eine abenteuerliche Geschichte abzutun, so wie schon häufig böse Tyrannen für den notwendigen Thrill herhalten mussten. Tatsächlich verfügt die Story um die selbstbewusste Katniss über zahlreiche Komponenten, die für Unterhaltung sorgen – zwei junge Männer, darunter Peeta (Josh Hutcherson), der männliche Mitstreiter aus ihrem District, die größeres Interesse an ihr haben, ihre Fähigkeiten als überragende Bogenschützin und natürlich ihr Kampf gegen die anderen Auserwählten. Jennifer Lawrence gelingt es sehr gut, dieser Figur Leben einzuhauchen, auch Woody Harrelson glänzt wieder in seiner Rolle als Outsider, aber darüber hinaus vermeidet „Die Tribute von Panem – die tödlichen Spiele“ jede Überraschung.

Das Katness nicht wirklich etwas passieren kann, liegt am Gesetz des Dreiteilers, aber die Vorhersehbarkeit der Dezimierung, die immer moralisch sauber begründeten Tötungen, die entweder in Notwehr geschehen oder nur Diejenigen treffen, die es bekanntlich verdient haben, bis hin zum plötzlichen Einsatz der Wackelkamera, um keine deutlichen Bilder des gegenseitigen Abschlachtens von Minderjährigen zu vermitteln, nehmen dem Film die bedrohliche Atmosphäre und letztlich fast jede Spannung. Ganz offensichtlich zielt der Film auf ein junges Publikum, das sich an der mutigen Katness orientieren kann und weiter mitfiebert, wem sie ihr Herz schenken wird. Das wäre als reine Fantasy - Geschichte legitim, die zudem mit einer starken Frauenfigur aufwartet, auch wenn diese natürlich über äußerliche Attraktivität verfügt, aber die unterschwellige politische Botschaft und das Deckmäntelchen des kritischen Anspruchs wird zum Ärgernis (4/10).

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