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Amerika in der Zukunft, 2078. Im Weltall befindet sich die "MS One", ein von der USA gefeiertes Zukunftsgefängnis, in dem sich um die 500 Schwerverbrecher in Einzelzellen im künstlichen Tiefschlaf befinden. Während die Präsidenten-Tochter Emilie (Maggie Grace) das High-Tech-Gefängnis besucht, um Inhaftierte zu interviewen, kommt es zur Revolte. Dabei wollte die Friedenstaube doch nur die Wegsperr-Methode hinterherfragen, da ihr ein Eichhörnchen geflüstert hat, dass der Kälteschlaf Demenz und Psychosen bei den Häftlingen hervorrufen kann.
Was macht die Regierung also in dieser Notlage? Sie schickt den kettenrauchenden Snow (Guy Pearce), der sich zurselben Zeit ein paar Backpfeifen in einem Verhör  abnimmt, ins Weltall, um die Tochter und die anderen handvoll Geiseln zu retten, während auf dem Schiff Langral (Peter Stormare) und sein geistig verwirrter Bruder Alex (Vincent Regan) das Kommando übernehmen.
Der zu Unrecht wegen Mordes beschuldigte Snow nimmt ´ne Stange Marlboro und ein paar Waffen mit, und verfolgt neben der eigentlichen Mission "Tochter retten"  nebenher eigene Ziele: Seinen eingesperrten Freund Mace (Tim Plester) finden, der auf der Erde einen Aktenkoffer in einem Bahnhofdepot versteckt hat, dessen Inhalt Snows Unschuld beweisen würde. Die Misson beginnt...

Man nehme also die Handlung von "Die Klapperschlange", benutzt den Drehort von "Fortress 2" und gehe das Projekt mit einer Ernsthaftigkeit eines "Demolition Man" (nur die drei Muscheln zum Kacken fehlen) an, und aus dem Mixer kommt dann "Lockout" raus. Der teilweise Ideenklau ist nicht weiter schlimm, denn wir sehen so etwas doch alle gerne alle Jahre wieder.
Dass ich das noch einmal erleben darf: Da darf ein John McLane wegen der Wellness Policy Hollywoods nicht mehr vom Kater ausgeschlafen zur nächsten Mission geholt werden und sich ´ne Fluppe anstecken, und hier legt man einen dicken Haufen drauf und lässt Guy Pearce sich die Lungenflügel 90 Minuten lang einschwärzen. Folgerichtig wäre ein qualvoller Heldentod am Schluss des Films richtig, entweder durch plötzlich ausbrechenden Lungenkrebs oder einen sehr schmerzvollen Tod.

Die Handlung ist natürlich voll gaga, ausgerechnet die Präsidententochter spielt Mutter Theresa 2.0 und dann sowas. "Lockout" ist natürlich ein No Brainer der alten Schule, den wir alle nebenher gerne sehen und auch immer wieder fordern bei den heutigen Schnittgewittern und CGI-Schwachsinn, was wir sonst vor die Latz geknallt bekommen.
Trotzdem schafft es "Lockout" nicht, mich auch nur im Ansatz zu begeistern. Das hat mehrere Gründe.
Der Held Snow ballert gefühlte 300 Oneliner hinaus und ist in keiner Situation aus der Ruhe zu bringen. Das schlimme dabei ist, dass ein Oneliner dämlicher wie der andere rüberkommt und mich Snow so überhaupt nicht begeistern kann. Erschreckend ist, dass gerade Emilie, die politisch immer korrekt handelt und Snow´s Ausdrucksart desöfteren hinterherfragt (und ihm und den Zuschauern als Spaßbremse im Weg steht), ihn mit zwei Onelinern im Schlussdrittel die Show stiehlt. Für den besten Lacher sorgt jedoch Hock (Jacky Ido), der das Wort "Bodyguard" in einer Szene dann doch zu genau nimmt.
Auch wenn Peter Stormare ("Prison Break") sich als einziger die Gage wirklich verdient hat und den Bad Guy überzeugend rüberbringt, will keinerlei Spannung oder Atmosphäre aufkommen. Die anderen Geiseln, die aus wenigen Wärtern und Wissenschaftlern bestehen, gehen einem gepflegt am Anus vorbei, da Statistenrollen keinen zum Mitfiebern bringen.
Ja, und dann noch die lächerliche FSK16-Freigabe ist ein Witz. "Lockout" spielt also in der gleichen Liga der Altersfreigaben wie ein "Predator" mit, fühlt sich aber an, als wäre er aus Sponsorengeldern des Kindersenders Nickelodeon finanziert worden - sprich: mir fehlt hier die nötige Härte. Oder um es anders auszudrücken: Nur ein kleines bisselchen Härte. Jedesmal, wenn ein Darsteller einen originellen Leinwandtod stirbt, wird ganz schnell die Kamera auf den Boden geschwenkt. Also für die DVD-Veröffentlichung wäre für das kinderfreundliche Werk auf jeden Fall noch Luft nach oben, falls härtere Szenen überhaupt abgedreht worden sind.
Hinzu kommt, dass die Kritik an dieser Tiefschlaf-Wegsperr-Methode völlig vergessen wird, alle Häftlinge quicklebendig rumhüpfen und natürlich ausgerechnet nur Snow´s Freund Mace die unangenehmen Nebenwirkungen des Tiefschlafs abbekommt, an Volldemenz leidet und seinem Buddy nicht verklickern kann, wo der erlösende Koffer lagert.

Was mich dann doch überzeugt hat sind vorallem die schönen Weltraumaufnahmen und der Blick zur Erde, schnörkellose Action am laufenden Band und Storytwists gegen Ende, die ich dem Autorenteam gar nicht mehr zugetraut hätte.

Ein wenig mehr Härte, ein quarzender Held, dessen Oneliner besser sitzen würden und schon wäre aus der grauen Maus ein gelungener Action-Film geworden. Doch so hat mir das einmalige Ansehen gelangt. Ich verfolge mal die News zur DVD-Veröffentlichung. Sollte sich wirklich eine härtere Fassung auf dem Silberling befinden, werde ich "Lockout" nochmals eine Chance geben- dann aber gut mit Bier abgefüllt bis zur letzten Kieme.

4/10

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