Auf die Besson-Schmiede ist Verlass: Alljährlich werden da stylische, moderne, oft selbstironische Actionfilme der Leichtbauart rausgehauen, meist von solider Qualität, Ausreißer nach oben („Taken“) wie unten („Transporter 3“) inbegriffen.
Als starker Tausendsassa und Mann fürs Grobe ist hier der CIA-Agent Snow (Guy Pearce) am Start, der in der Sci-Fi-Zukunft von „Lockout“ mit gefälschten Beweisen der Spionage bezichtigt wird. Seine Verhaftung nach einem Treffen mit einem Kontaktmann macht den genretypischen Opener aus, in dem zuerst recht eindrucksvoll in und um ein Hotelzimmer gekämpft, schneidige Helikopterattacke inklusive, die dann allerdings in einer CGI-Verfolgungsjagd auf PC-Spiel-Niveau mündet, deren Ende ein übertrieben-unrealistisches Gerutsche durch eine U-Bahn-Station ist (in die der Hero selbstverständlich mit seinem Zukunftsvehikel hereinbrettert). Bodenständigkeit ist hier nicht mehr angesagt, sondern die Bessonsche Actionkirmes Marke „Taxi“ und „Transporter 2“.
Während man Snow auf der Erde verhört, besucht Präsidententochter Emilie Warnock (Maggie Grace) die MS One, ein im All schwebendes Hochsicherheitsgefängnis – dummerweise nutzen die Häftlinge ihren Besuch um einen Aufstand anzuzetteln, das Schiff zu übernehmen und alle Nichthäftlinge als Geiseln zu nehmen. Dabei gibt es natürlich das Standardinventar der Übelwichte zu bestaunen: Als Kopf des Ganzen der besonnene Alex (Vincent Regan), ein hartes, aber denkendes Criminal Mastermind, als Nummer Zwei der Truppe den Psychopathen Hydell (Joseph Gilgun), der lieber wahllos tötet als Pläne schmiedet, und hordenweise gesichts- wie profillose Handlanger.
Da ein Frontalangriff sowie das Abschießen der Station aus Sorge um Emilies Leben nicht in Frage kommen, will man Snow als Einzelkämpfer hochschicken. Als Snow erfährt, dass ein Kontaktmann, der seine Unschuld beweisen könnte, ebenfalls auf der MS One ist, stimmt er zu…
Was wurde nicht alles über „Lockout“ erzählt: Knallhartes Actionkino, Hommage an die 80er usw. De facto ist „Lockout“ als 80er-Jahre-Actioner aber so fake wie ein Hongkong-Rolex. Vor allem, da der Film gerade im Krawallbereich hinter den Erwartungen zurückbleibt: Die meisten Actionszenen sind schnell vorbei und ebenso schnell wieder vergessen, übermäßig oft geht es auch nicht zur Sache, aber immerhin gut über den Film verteilt. Ein paar Hiebe, etwas Ballerei, aber abgesehen vom Hotelzimmer-Fight inklusive Dachflucht zu Beginn des Films ist nix von Erinnerungswert dabei. Auch ein Fehler, den ein wahrer 80er-Jahre-Actioner nicht gemacht hätte ist der, dass keiner der Hauptschurken durch den Helden zu Tode kommt, sie sterben durch die eigenen Leute oder durch eine Explosion.
Ansonsten hämmert der Film das aus „Stirb langsam“ und „Die Klapperschlange“ entliehene Szenario routiniert, überraschungsarm, aber durchaus temporeich runter, krankt aber an seinen profillosen Figuren, gerade auf Fieslingsseite: Was sie eigentlich genau wollen, ihren Hintergrund – all das erfährt man nicht. Der Held im Gegensatz entpuppt sich als Oneliner-Maschine, doch leider wirkt das Spruchdauerfeuer sehr bemüht (Filme wie „Commando“ oder „Cobra“ setzen solche Jokes als einzelne Spitzen ein), im Zusammenspiel mit der Präsidententochter wird es regelrecht absurd: Wenn Snow die zu Befreiende bei jeder Gelegenheit grundlos unterbuttert, glaubt man fast man schaue Dr. Cox und J.D. aus „Scrubs“ beim Besuch einer Raumstation zu.
Dafür ist der Film immerhin recht stimmig inszeniert, die Weltraum-FX gehen total in Ordnung (im Gegensatz zur anfänglichen PC-Spiel-Verfolgungsjagd) und der Film ist immer nicht ganz ernst in Szene gesetzt (Ironie sieht aber anders aus). Trotzdem, ein saublöder Film, der zugibt, dass er ein saublöder Film ist, ist halt immer noch saublöd.
Guy Pearce als cooler Motherfucker spielt solide, scheint sich aber den ganzen Film über anspruchsvollere Rollen für die nächsten Projekte zu wünschen, während Joseph Gilgun voll in den Overacting-Kasperletheater-Modus schaltet und bald nicht mehr ernst zu nehmen ist. Aber guter Support durch Lennie James und Peter Stormare ist vorhanden und Vincent Regan hat Ausstrahlung. Maggie Grace als damsel in distress inmitten der Machohorde hat trotz früher Abspann-Nennung wenig einprägsame Szenen, macht aber noch das Beste daraus.
Was bleibt, ist ein unentschlossener Mix aus Elementen des Actionkinos der 80er (man beachte den kettenrauchenden Helden), vor allem aber neumodischen Sprücheklopfer-Krawalls, dem leider die selbstironische Reflexion eines „Crank“ oder eines „Shoot ’Em Up“ abgeht. Ganz amüsant, aber klar am großen Wurf vorbei.