Review

"Sind sie immer so ein Großmaul oder ist das vielleicht doch nur ein Halbtagsjob?"

Von den "Die Klapperschlange" Filmen inspiriert, schickt Produzent Luc Besson ("Léon – Der Profi", "22 Bullets") einen schlagfertigen Anti-Helden in den Weltraum, um eine begehrte Person zu retten, Sprüche zu reißen und Verbrechern ordentlich den Hintern zu versohlen.

Im Jahre 2079 existiert ein Hochsicherheitsgefängnis im Weltraum, in dem die Gefangenen ihre Zeit in künstlichem Tiefschlaf verbringen. Die Tochter des Präsidenten Emilie (Maggie Grace) will sich vor Ort von der rechtmäßigen Behandlung der Sträflinge überzeugen, als es zu einem Ausbruch aus den Tiefschlafkammern kommt. Da ein Übergriff mittels eines mehrköpfigen Trupps zu riskant ist, wird der einstige CIA-Agent Snow (Guy Pearce) beauftragt, Emilie heimlich zu befreien.

"Lockout" hat ein enormes Problem in seiner Nachvollziehbarkeit und der Handlung. Woher die Gefangenen schon kurz nach dem Erwachen das Wissen um die Funktion der Gefängnisstation haben bleibt ebenso schleierhaft wie der Grund, warum die Wärter den Ausbruch der Sträflinge tatenlos mit ansehen. Viele Figuren agieren dämlich und die Sicherheitsmaßnahmen im Gefängnis sind quasi nicht existent. Eine Motivation auf solch einer lockeren Struktur zu begründen ist heikel. Kein Wunder also, dass zu einem späteren Zeitpunkt keine Rücksicht mehr auf aufkeimende Nebenplots genommen wird.
Der Versuch leichte Gesellschaftskritik einzubinden scheitert genauso, wie die zum Finale hin häufiger vorkommenden Wendungen. Zu diesem Zeitpunkt haben sie längst an Bedeutung verloren.

Wie schon beinahe zu erwarten war, ist das einzig unterhaltende die Hauptfigur selbst. Snow darf losgelöst Sprüche klopfen und testosterongesteuert agieren, so wie man es von einem klischeebeladenen Actionhelden erwartet. Teilweise wirkt dies aber dennoch übermotiviert, denn hin und wieder bewegt sich "Lockout" dadurch nicht weiter oder springt von einer Standardsituation zur nächsten.

Auch in den Kampfchoreographien und den brachialen Actionszenen findet sich nichts, was den Film von vergleichbaren abhebt. Das Tempo und die Inszenierung ist flott, jedoch veranlassen Schnitt und Kameratechniken nur beschwerlich den übersichtlichen Zugang zum Geschehen.
Die vielen digitalen Effekte schwanken erheblich in ihrer Qualität. Während die Kulissen und behelfsmäßigen Effekte in den Actionszenen noch stimmungsvoll eingebunden wurden, erinnern voll animierte Szenen an die holprigen 90er.

Guy Pearce ("Memento", "Prometheus") füllt seine Rolle sehr gut aus. Dank seiner bulligen Erscheinung und der gewitzten Mimik etabliert er sich in den Reihen vielzähliger Actionhelden, die markant und bieder in Erinnerung bleiben. Maggie Grace ("96 Hours"-Reihe), Peter Stormare ("8mm") und Vincent Regan ("300") stellen neben ihm nur austauschbare Abziehbilder dar.

"Lockout" ist zwar Dank seines flotten Tempos und der lockeren Atmosphäre recht kurzweilig, bleibt aber mangels Ideen und Innovation nicht lange im Kopf. Zu seelenlos sind die Figuren, zu bekannt die Handlung. Am meisten ärgern die Logiklücken. Daneben belegen die Videoclip-Ästhetik, überzogene Action und durchschnittliche Effekte den lieblosen Umgang mit dem Film. Da kann auch ein angenehm locker aufspielender Guy Pearce wenig entgegensetzen. Knappe ...

4 / 10

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