Review

Ab und an, wenn auch immer seltener, kommen ein paar Zombiefilme zu uns herüber geschwappt, die beim Publikum länger in Erinnerung haften, da sie sich von der allgemeinen Gülle durch bestimmte Aspekte unterscheiden, wie innovative Spitzen, ein besonderer Humor oder eine spezielle und packende Atmosphäre.
„Running Dead“ setzt dabei leider viel Potential in den Sand und scheitert primär an seiner Oberflächlichkeit.

Seit einem Jahr hat ein Virus die Menschheit überrollt. Untote beherrschen den Alltag der wenigen Überlebenden, so machen sich Elvis (Scott Peat) und Tweeter (Marissa Merrill) mit einem Boot zu einer Insel auf, die noch nicht von den Fleischfressern bewohnt sein soll. Doch dort angekommen, werden sie nicht sonderlich freundlich von dem Chef Kurt (James C. Burns) empfangen, der die übrigen 15 Leute mit strengen Regeln zu leiten versucht. Und dann gibt es ja noch die Zombies…

…die hier nie als solche betitelt werden. Die Wurzel der Epidemie bleibt ungewiss, die Exposition generell zu schwammig, denn über Elvis erfährt man recht wenig, über Tweeter, die zunächst noch in Begleitung eines Jungen ist, noch weniger.
Erst als die beiden auf der Insel stranden, nimmt die Geschichte an Fahrt auf und die Gruppendynamik liegt lange Zeit eher im Fokus als Auseinandersetzungen mit Zombies, was für Actionfreunde ein deutliches Manko darstellen dürfte.

Auch in Sachen Gore fehlen ein paar Szenen wie eine Enthauptung und die obligatorische Ausweidungssequenz in der 87-minütigen Fassung, immerhin bleiben ein paar Kopfschüsse, Hammerschläge, Durchbohrungen und eine Machete im Schädel, leider auch einige Bilder mit Zugabe von eher schwachen Computereffekten.
Die Zombies sehen hingegen eher wie Durchschnittsmonster aus, okayes Make-up, die üblichen Grummeltöne. Zunächst bewegen sie sich klassisch langsam, erst zum Finale mutiert offenbar das Virus, was aus den Toten tollwütige Springinsfelde macht, der Action und dem ansteigenden Tempo jedoch keinen Abbruch tut.

Zwischendurch werden auch mal Fragen von Ethik und Moral ins Spiel gebracht, doch leider werden diese Aspekte nicht konsequent weitergesponnen, etwa, als Elvis als ehemaliger Sanitäter vor einer wichtigen Entscheidung steht oder Kurt mit seiner Tochter Rachel (Corsica Wilson) spricht, die seit zehn Monaten nicht mehr draußen war, da der Boss Angst um sie hat. Da sind gute Ansätze vorhanden, die wesentlichen Figuren wecken durchaus Interesse, doch einige Erzählstränge verlaufen schlicht im Sande, wie die Videoaufzeichnungen, welche Tweeter sichtet.

So herrscht eine deutliche Nahrungsknappheit, da die meisten Früchte durch radioaktiven Einfluss ungenießbar sind, es kommt zum obligaten Vergewaltigungsversuch, man stößt im Verlauf auf Schiffbrüchige und man sollte ein Boot erst dann ablegen lassen bevor es komplett inspiziert wurde.

„Running Dead“ ist im Gesamtbild kein gänzlicher Langweiler, obgleich er im Mittelteil einige Längen aufweist. Er setzt nur ungewöhnliche Schwerpunkte, die er zu inkonsequent abarbeitet, um dauerhaft zu fesseln. Dabei geht die Kameraarbeit größtenteils in Ordnung, die Ausleuchtung könnte bei den Nachtszenen besser sein, doch immerhin kann sich Regisseur Adam Deyoe auf die meisten seiner Mimen verlassen, obgleich sich Marissa Merrill reichlich amateurhaft gibt, was Scott Peak als ambivalenter Elvis und James C. Burns als charismatischer Leiter problemlos kaschieren können, während Corsica Wilson als kleines Eye-Candy herhalten muss.
Am Ende sei eine vorsichtige (oder preisgünstige Form der) Sichtung angeraten, denn der Streifen wird bei Zombiefilmfreunden nicht auf einhellige Begeisterung stoßen…
Knapp
6 von 10

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