Review

<!--StartFragment -->Kontinuierlich im eigentlichen Sinne, wo ein Teil der Saga eng oder zumindest schlüssig auf den vorhergehenden aufbaut und selber Hinweise auf den Nachfolger stellt, war die von 1985 bis 1990 produzierte Mr. Vampire Reihe noch nie. Abgesehen davon, dass die einzelnen Komponenten ohne weitere Rücksicht auf Chronologie in der Zeit gesprungen sind, wurden auch die Figuren nicht vom Detail, sondern nur von einer gewissen Funktion her übernommen und lässt sich die Verbindung des Ganzen selbst da mit Ausnahmen nur von Regisseur Ricky Lau und Hauptdarsteller Lam Ching-ying her knüpfen. Umso leichter fiel es sowohl der Konkurrenz als auch der innerbetrieblichen Führungskräfte, aus dem offensichtlichen Potenzial auch beim Publikum und in Bezug auf weitere Geschichten schnell diverse Ableger und mehr oder minder inoffizielle Fortsetzungen und Variationen zu entwickeln. Als einer der Ersten trieb dabei 1986 New Mr. Vampire erfolgreich an der Kasse und vernichtend durch die Kritiker sein Unwesen. New Mr. Vampire 2 liegt mit dem davon unabhängigen Vampire Vs Vampire vor.

Das Regiedebüt von Lam Ching-Ying, der quasi untrennbar mit dem Originalen verbunden ist und als Aushängeschild des Subgenres um Geister und Vampire allgemein gilt, erscheint dabei sowohl als modest budget Remake des eigentlichen Ursprungs in größtmöglicher Objektivität als auch als vorlagengetreue Weiterführung und theoretisch auch als ein Resümee aus editorischer Beanspruchung und als eherne Wahrheit. Nicht nur, dass man in dieser Primärausführung mit einer wiedermal Besetzung aus den üblichen Stammspielern im gewohnten Setting aufwarten kann, auch die Handlung selber ist im authentischen Wortlaut verfasst und zudem nach vorher beschriebenen Methoden konzipiert. Der Film, so abendfüllend abwechslungsreich er auch ist, stellt trotz seinem durchaus guten Ruf quasi nur die Ausbeute dessen dar, was in immer wiederholten Vorgängen an Aspirationen, Implikationen und Komplikationen bereits alles schon passiert ist. Wie eine Abzeichnung auf Papier, ohne aktiven Eingriff, einer Korrektur oder gar einer Entfernung im unkontrollierten Ausmaß. Aber mit dem geglückten Versuch, sich eine unabhängige dekorative und atmosphärische Identität ungeachtet des Inhalts zuzusichern:

Irgendwann früher, in einem kleinen Dorf auf dem Lande, hat der ortsansässige Taoist "One Eyebrow Priest" [ Lam Ching-ying ] zusammem mit seinen beiden Schülern Ho [ Chin Siu-ho ] und Fong [ Lui Fong ] alle Hände voll zu tun, die Gegend und seine Bewohner von den Gefahren der Übergangsrituale zu bewahren. Nicht nur, dass eine unglückliche female palm ghost [ Tiffany Lau ] nach einem schmählichen Mord durch zwei Zuhälter [ King Lee & Chan Ging ] als verführerische Racheseele durch die Botanik schwebt, auch der Bach ist mit einem Fluch und totem Getier verseucht, wodurch eine neue Wasserquelle gesucht werden muss. Als während den Ausgrabungen der Captain der Polizeiwache [ Billy Lau ] und seine angetraute Cousine [ Sandra Ng ] eine Leiche samt einem Rubin entdecken, erwecken sie beim Entfernen des Edelsteins die nunmehr todbringende Seele eines ehemaligen britischen Pfarrers.

Ergänzt werden die Ereignisse, die außerordentlich rasch Fahrt aufnehmen, aber durch die abrupte Überstürzung aus äußeren statt aus inneren Gründen in den ersten Minuten mehr anstrengend als gesellig sind, noch mit ergänzenden, die zusammenfassende Überlieferung dann vollständig machenden Zutaten. So hält sich der Taoist einen kleinen Kindervampir [ Lam Jing-wang ], mit dem er ein nahezu Vater - Sohn - Verhältnis eingeht und dies dem Film den scheinbar nötigen Niedlichkeitsfaktor und einige gekonnte, wenn auch harmlose und absehbare Situationskomik beimischt. Außerdem gibt es die Angliederungsphase zwischen dem Religionsstand der "Drei Lehren" Chinas und dem theologischen Aspekt christlichen Glaubens, was bei den hier Anwesenden durch die jeweilige Paarung von Mann und Frau [ Mutter Oberin Maria Cordero plus ihren Nonnen, u.a. Regina Kent & Joanna Chan ] noch zusätzlich erschwert wird. Den diversen script contributions und einer baldigen Überziehung der Produktionskosten ist es dann wohl auch zu verdanken, dass einige der Ideen mittendrin mit offenen Strängen fallen gelassen werden und letztlich keine weitere Bewandtnis für den Showdown haben.

Im Hinblick auf die Bekämpfung des Übels, des Verstorbenen, Wiederauferstandenen und nunmehr vom Bösen besessenen Vampirs, ist auch gerade der Unterschied zwischen dem traditionellen volkstümlichen Totenglauben und der ebenso populären westlichen Legende entscheidend für neu gewonnene Einsichten und intendierte Mehrdeutigkeit. Der Charakter von Mythen darf hierbei nicht resistent gegen Aufhellung sein, denn der Unhold als unkultivierter, aber raufwütiger Dracula - Verschnitt lässt sich trotz erbitterter Versuche der drei Magier eben nicht mit den gewohnten Bannsprüchen, Beschwörungsformeln, Zaubertricks aus der Fabelei und auch nicht mit dem schlichten Kung Fu aufhalten und verlangt ein Abrücken von den traditionell generischen Obertönen und Umdenken in biblischer Formulierung.

Als Regisseur und zentrale Triebfeder vor und hinter der Kamera bestätigt Lam dabei zuerst die Energie der unterschiedlichen Einflüsse, die ihn umgeben, um sie mit sachverständiger Aktion in ein künstlerisch Vollständiges zu schweißen. Präsentiert in Beschreibender Extravaganz verlockende Nachtmahre in wehenden Kleidern und nackten Schenkeln ebenso wie er eine wilde Fledermausattacke, einen martial arts-lastigen Zwischenfall im Bordell, die Rauferei über eine mehr als desolate Hängebrücke und einen explosiven Showdown samt Dynamitstangen, Treibsand und Feuerstunts inszenieren lässt. Verschiedene Episoden aus jeweils robustem Material, die zusammen mit überzeugender, wenn auch stetig etwas cheesy wirkender Effekttechnik zuweilen wie eine Hindernisbahn gehalten sind, als Labyrinth der Wege, mit dem Netz der unvereinbaren Formen.

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