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Hach ja, diese herrlich naiven Late-Night-Movies der 50er, passend fürs lauschige Autokino, um seinerzeit die Holde im Arm zu halten, wenn das Monster auf der Leinwand in Erscheinung tritt.
Leider handelt es sich bei diesem nicht um eine tierische Mutation wie Riesenspinne, Kiemenmann oder verstrahlte Ameisen, sondern lediglich um einen 500 Jahre alten Hünen, der eine südkalifornische Kleinstadt bedroht.
Das erzeugt zwar keine atemberaubende Bedrohung, kann aber im Kontext biederer Monsterfilme einen zeitgenössischen Charme entfalten.

Dabei sind die Rollen ganz klar festgelegt, wenn ein Archäologieprofessor mit seiner hübschen Tochter in die ländliche Kleinstadt kommt, um bei Ausgrabungen auf Überreste eines legendären spanischen Eroberers zu stoßen.
Denn der lokale Held Wayne (Ed Kemmer) wird zwar vom Sheriff argwöhnisch beobachtet, tut sich aber durch hilfsbereite Aktionen hervor und nimmt, - weil er einst Professors Student war und auch an Ausgrabungen interessiert ist (und überdies sofort ein Auge auf die Schöne geworfen hat) – an der Expedition im Wald teil.
Was der Zuschauer natürlich sofort ahnt: Der spanische Hüne hat, wodurch auch immer, die letzten Jahrhunderte überlebt, denn irgendwer muss schließlich das Vieh der Bauern und einen Cowboy ermordet haben, außerdem sollte der Titel ja irgendwoher eine Rechtfertigung erhalten.

Es dauert schließlich aber doch eine ganze Weile, bis der Hochgewachsene in Erscheinung tritt. Bis dahin schlägt man Zelte auf, latscht mit dem Metalldetektor durchs Geäst und sorgt einmal mehr für klare Rollenverteilung, indem Prof-Töchterchen für das Bereitstellen einer kräftigen Malzeit angehalten wird.
So fördert aber zumindest eine romantisch gemeinte Annäherung des Heldenpaares ein paar humorige Momente zutage „Der See hat die Farbe ihrer Augen, ich liebe sie Janet!“ (Nach dem Kuss wechselt die Anrede schlagartig zu „Du“). Von nun an lässt sich der deutsche Titel noch besser rechtfertigen, denn man ahnt bereits, wer sich da alsbald in den Klauen des Giganten wieder finden wird und wer sie aus diesen zu befreien hat.

Einen Giganten stellt man sich bildlich hingegen etwas anders vor, als den Knaben, der letztlich mit Rüstung, Helm und Axt durch den Wald stampft.
Der Kerl ist maximal 1,90 groß, gut beleibt, stark beharrt und spricht nicht, - wie auch, er hat 500 Jahre unter Gesteinen verbracht. Durch Bleidünste soll er betäubt und konserviert worden sein und durch Blitzeinschlag (Frankenstein lässt grüßen) wurde er reanimiert.
Jedoch nicht resozialisiert, denn bevor er die Heldenfrau entführt, killt er noch eine junge Dorfbewohnerin und (mutmaßlich) auch einen Indianer.
Zum Finale hin verschanzt er sich zwischen Felswänden und wirft mit Steinen nach den Jägern, die inzwischen vom Sheriff mobilisiert wurden, aber man kann sich den Ausgang denken, wenn der Held den einstigen spanischen Eroberer in einer Hütte nahe eines Wasserfalls aufspürt.

Natürlich vermag das preiswert gefilmte B-Movie heutzutage niemanden mehr erschrecken, dafür ist die Bedrohung eher unspektakulär ausgefallen, auch wenn der röhrende Score einem Glauben machen will, dass gleich Tarantula um die Ecke gekrabbelt kommt.
Spaß machen hingegen Szenen, die man aktuell eher als Parodie auffassen würde: Unhold verfolgt Frau, die bleibt kurz stehen und wendet sich beim Weglaufen dem Verfolger zu, legt die Hände ans Gesicht und zieht die Schultern nach oben, stößt einen grellen Schrei aus und rennt weiter.
Eine gewisse Atmosphäre kann man dem aus heutiger Sicht naiven Treiben jedoch nicht absprechen, so ist das Auftreten eines Gewitters und einsetzender Schneefall zum Finale durchaus als stimmungsvoll anzusehen.

Klar gibt es gelungenere Monsterfilmchen der 50er, man denke da nur an die vielen Beiträge von Jack Arnold. Dennoch versprüht die einfache Inszenierung in ihrem kontrastreichen Schwarzweiß mit den simplen Figurenkonstellationen eine liebenswerte Naivität, die für sich stehend bereits einen annehmbaren Unterhaltungswert liefert.
Mit einer etwas opulenteren Bedrohung als der eines stummen und finster drein schauenden Berserkers, hätte es wahrscheinlich noch ein wenig mehr Freude bereitet, denn trashig ist´s schon.
6,5 von 10

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