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„Nichts für schwache Nerven!“

Der auf Hawaii geborene US-Amerikaner Regisseur Richard E. Cunha scheint es in seiner Karriere als Regisseur gerade einmal auf sechs Spielfilme gebracht zu haben, vornehmlich trashige Science-Fiction-Horror-Drive-in-B-Movies in den 1950ern wie „Frankensteins Tochter“ und „Bestie des Grauens“, beide Jahrgang 1958. Ein Jahr zuvor debütierte er mit „In den Klauen des Giganten“.

„Ich glaube, es handelt sich um eine Riesenechse!“ (Das glaube ich nicht, Tim.)

In einer „Teufelstal“ genannten, in einem Vulkankrater entstandenen Gegend Südkaliforniens kommt es zu mysteriösen Todesfällen, die Sheriff Parker (Bob Steele, „Stahlharte Männer“) Rätsel aufgeben. Er hat den Geologen Wayne Brooks (Ed Kemmer, „Verdammte hinter Gittern“) auf dem Kieker, der in den örtlichen Felsen Untersuchungen vornimmt und dem Archäologen Dr. Cleveland (Morris Ankrum, „Kronos“) assistiert, der ins Dorf kam, um nach Relikten spanischer Eroberer aus vergangenen Jahrhunderten zu suchen, speziell nach dem „Giganten“ – dem der Legende nach hünenhaften Conquistador Vargas. Nach längerer Suche hat man tatsächlich Erfolg und stellt fest, dass das Bleigestein der Felsen die Spanier seinerzeit bei einem Blitzeinschlag dahingerafft haben muss, aber auch in der Lage ist, Lebewesen über Jahrhunderte hinweg zu konservieren – wie ein Exemplar einer eigentlich ausgestorbenen Echsengattung beweist. Als ein Blitzschlag den ebenfalls konservierten Vargas wieder zum Leben erweckt, ist dieser verdammt mies gelaunt...

„Ich hab’ solche Angst!“

Mittels Blitzschlag wieder zum Leben erweckte Ungetüme sind seit Frankenstein ein beliebtes Genremotiv, dessen sich auf wenig originelle Weise auch Cunha für seinen Debüt-Heuler bedient. Und was er da erweckt, ist nicht etwa ein mit mehr oder weniger aufwändigen Spezialeffekten kreiertes Monster, sondern schlicht der schauspielernde Boxer Buddy Bear („Quo Vadis“), der mit zwei Metern für damalige Verhältnisse reichlich in die Höhe geschossen war und Cunha daher prädestiniert für die Rolle des „Giganten“ schien. Bärtig und etwas zottelig stapft der Kerl, der offenbar nur ganz knapp unter der Erdoberfläche verscharrt wurde und nun über 200 Jahre alt sein muss, als so gut wie unverwundbarer animalischer Knurrhahn durch die Peripherie, als habe sein Gehirn im Laufe der Jahrhunderte doch beträchtlichen Schaden genommen. Er geht auf eine Frau am Brunnen los, doch was genau geschieht, kann man nur erahnen, denn die Kamera blendet vorher ab.

„Dieser Sheriff ist der größte Holzkopf, den ich kenne!“

Dem Sheriff mit seinen fragwürdigen Ermittlungsmethoden wird es nun endgültig zu bunt und er stellt Brooks unter Mordanklage, um ihn anschließend zu verhaften. Der klischeehaft am Rande zum Rassismus dargestellte Indianer Joe (Billy Dix, „Stadt in Angst“), der abergläubisch ist und nicht richtig sprechen kann, muss nun jedoch auch dran glauben, wird tot aufgefunden. Brooks kann fliehen und mit vereinten Kräften stellt man sich Vargas entgegen, dessen Existenz nun auch der Holzkopf von Sheriff nicht mehr leugnen kann. Der „Gigant“ stürzt per extrem rustikalem Spezialeffekt schließlich nach dem finalen Showdown in den Fluss und ward nicht mehr gesehen.

„Wo ist Charlie Brown?“

Die obligatorische Romanze zwischen Brooks und der mitgereisten Cleveland-Tochter Janet (Sally Fraser, „Der unsichtbare Dritte“) wurde reichlich unmotiviert eingestreut und die weibliche Rolle beschränkt sich hier dann auch ganz standesgemäß auf die des Love Interests und der kreischenden, zu beschützenden weißen Frau. Leben viele dieser billigen B-Movies aus den 1950ern gerade auch von ihrem naivem Charme, liebenswerten Improvisationen und dem Reiz früher Spezialeffektkunst, ist von letzterem leider so gut wie gar nichts zu sehen, was in Kombination mit der kompletten Abwesenheit physischer Gewaltszenen „In den Klauen des Giganten“ zu nicht mehr als einem reichlich stumpfsinnigen Nachmittags-Abenteuerfilmchen degradiert. Der Trash-Gehalt, das dann irgendwie doch recht zügige Tempo und die motivierten Schauspieler wissen dennoch zu unterhalten und so wird Cunhas fragwürdiges Schwarzweiß-Debüt mit seinem typischen Archiv-Orchester-Soundtrack zu einer immerhin leidlich vergnüglichen Geschichtsstunde des phantastischen Films.

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