Review

Sehr gut besetztes Mafiaepos von Martin Scorcese, das aber nicht an die ganz großen Filme dieses Genres heranreicht.
Im Zentrum der Geschichte steht Henry Hill, der als Jugendlicher (Christopher Serrone) anfängt kleine Dienste für den örtlichen Paten Paulie Cicero (Paul Sorvino) zu erledigen und darüber hinaus andere Dinge wie Schule und Familie arg vernachlässigt. Auch blaue Briefe und Ärger mit den Eltern halten ihn nicht ab und zur Not ergreift die Mafia Maßnahmen: So wird dem Briefträger z.B. verboten Post von der Schule zu Henrys Eltern zuzustellen. Ziemlich eingängig zeigt Scorcese, wie Henry schon sehr früh in den Dunstkreis der ehrenwerten Gesellschaft gerät.
Zeitsprung: Als Erwachsener ist Henry (Ray Liotta) schon gut in die Mafiakreise integriert und arbeitet mit Jimmy Conway (Robert De Niro) und Tommy DeVito (Joe Pesci) zusammen. Sie bekommen immer wichtigere Aufträge zugeschanzt und es beginnt eine Geschichte von Aufstieg und Fall Henrys.

„GoodFellas“ ist ein gelungenes Mafiaepos, doch die Qualitäten von Filmen wie „Der Pate“ hat Scorceses Werk leider nicht. Das Problem ist nicht unbedingt die Tatsache, dass der Film im Gegensatz zu älteren Unterweltepen wenig Neues bietet, sondern mehr der Umstand, dass „GoodFellas“ in der Endphase stark nachlässt. Wenig spannend sind die Umstände, die zur Verhaftung Henrys führen, das Dilemma, dass er durch Drogenhandel bei der Mafiafamilie unten durch ist, haben schon zig andere Filme durchgekaut und die letzten Minuten, in denen Henry zum Kronzeugen wird, wirken leider ziemlich gehetzt.
Der Rest ist im Gegenzug relativ fesselnd. Henrys Off-Kommentare geleiten den Zuschauer durch den Film und verleihen der ganzen Sache ein ziemlich authentisches Flair („GoodFellas“ beruht auch auf Tatsachen). Sehr stimmig gibt er Einblicke in das Leben eines Gangsters, der sich mit halbseidenen Jobs eine goldene Nase verdient, und zeigt die kleinen Eigenheiten der Mafiafamilie: Eine Geliebte neben der Ehefrau zu haben ist fast schon Standard, auf alle Nichtangehörigen der Familie, vor allem auf Normalbürger, wird herabgeguckt, es gibt auch unter der Mafiosi einen Kodex usw. Gerade diese sehr interessanten Details machen „GoodFellas“ dann interessant, denn ansonsten kennt man derartige Gangsterchroniken zuhauf.

Auch Martin Scorceses Regie ist wirklich großartig, denn die Bilder von „GoodFellas“ sind wirklich klasse. Großartig z.B. die Szenen, in denen Jimmy und seine Leute ehemalige Komplizen abmurksen, da diese drohen einen Coup auffliegen zu lassen, oder die Polizei einfach nur deren Leichen findet. Dabei verdeutlicht er immer, dass für viele der Gangster Töten ein Job ist: Da sitzt man noch mit Freunden bei Mutter in der Küche, isst zu Abend und begeht danach einen Mord. Erfreulicherweise schwenkt Scorcese den moralischen Zeigefinger nicht zu sehr dabei, sondern zeigt die Hauptfiguren simpel als das, was sie sind: Verbrecher.
Ray Liotta macht einen sehr eindrucksvollen Job in der Hauptrolle, hat aber mit Mimen wie Robert De Niro und Paul Sorvino hochkarätige Unterstützung. Die beste Leistung erbringt jedoch Joe Pesci als cholerischer Gangster, dessen Wutausbrüche häufig mit Verstümmelung und Mord enden. Lorraine Bracco als Henrys Ehefrau ist großartig (genial in der Szene, in der sie die Geliebte einschüchtert), während Debi Mazar in einer kleinen Rolle ziemlich mau spielt.

Rein technisch und schauspielerisch ist „GoodFellas“ eine sehr gute Umsetzung der bekanten Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Gangsters und offeriert interessante Einblicke in die ehrenwerte Gesellschaft. Da die Spannung am Ende aber gewaltig nachlässt und man derartige Geschichten schon zur Genüge kennt, reicht es nur zu 7,5 Punkten.

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