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Ein weiteres Highlight und absolutes Mustee im Mafiagenre ist „Goodfellas“ von Regie Mastermind Martin Scorsese. Auf wahren Ereignissen beruhend, schildert der Film die lange Laufbahn von Henry Hill, der als Laufbursche in den Reihen der Italiener begann, um letztendlich als Kronzeuge als vormals einflussreicher Faktor einer Mafiafamilie zu enden.

Henry Hill wird gespielt von Ray Liotta, dem diese Rolle definitiv auf den Leib geschneidert wurde. Als Jugendlicher beginnt er damit, die Luxusschlitten der „Familienmitglieder“ einzuparken. Später kommen diverse Botenjobs hinzu, er lernt immer mehr Leute kennen und wird schließlich fest in die Dienste von Familienboss Paulie mit aufgenommen, als er gerade mal Mitte 20 ist. Er lernt unter anderem auf seinem durch Gaunereien und Raubzügen geprägten Lebenslauf nicht nur den Hitzköpfigen Tommy (oscarreif gespielt von Joe Pesci!) kennen und auch dem Vieldenker und Planer Jimmy (Rober De Niro, gewohnt routiniert). Zusammen ziehen sie immer größere Cuops ab und nehmen sich dabei auch immer mehr raus. Dabei leidet nicht nur die Ehe zu seiner Frau Karen (Lorraine Bracco), sondern auch das interne Verhältnis in der Familie droht durch immer wieder aufkommende Streitigkeiten zu kippen. Bald werden immer mehr Leute durch Mord beiseite geschafft und Henry landet im Knast. Da er nach seiner Gefängnisstrafe fast wieder bei Null anfangen muss, verwickelt er sich gegen die Anordnung von Paulie in Kokaingeschäfte, und aus dem Drogensumpf kommt er nicht ohne erneut mit dem Gesetz aneinander zu geraten, nicht mehr raus...

Kaum zu glauben, dass eine solch filmreife, enorm spannend erzählte Handlung auf wahren Begebenheiten beruht. Scorsese zauberte ein darstellerisch exzellentes Epos daher, das sich kein Freund des Genres entgehen lassen sollte. Statt überschwänglich auf Action wert zu legen, findet diese nur selten in gelegentlichen, dafür aber umso heftigeren Gewaltausbrüchen und eiskalten Tötungen Anwendung, die mitunter ihresgleichen suchen (man denke allein an Samuel L. Jacksons Headshot!); vor allem Joe Pescis Ausbrüche sind wirklich legendär, und man kommt sich beim Ansehen des ebenso genialen „Casinos“ (ebenfalls mit De Niro in der Hauptrolle) des Öfteren wie mit einem Deja-Vue konfrontiert vor! Im Vordergrund der authentischen Geschichte steht jedoch das Innen- und Familienleben der Figur des Henry Hill, der zwar durch die Mafia enorm viel Geld scheffeln kann, jedoch bald erkennen muss, dass man genauso schnell fallen wie aufsteigen kann. Wie auch in vergleichbaren Streifen werden hier Charaktere bis ins Tiefste genau gezeichnet und jeder einzelne Darsteller vollbringt wahrlich ein kleines Wunder – und das gilt auch für die Nebenrollen! Ungewöhnlich ist der Stil des Films bei der Wahl der Musik: der Zeitgeist der 60er bis in die 80er hinein wird durch damalige Hits untermalt und nicht wie sonst durch Musik aus der Feder eines großen Musikers wie beispiels- oder typischerweise Morricone. Nichts desto trotz zeigt Scorsese mit „Goodfellas“ seine große Stärke für episch erzählte Gangsterstories im ganz großen Stil, verkörpert durch exzellentes Schauspiel und unterstütz durch klassische Off-Erzählstimme (deren Part natürlich von Ray Liotta übernommen wird). Und trotz seiner übermäßigen Laufzeit driftet der Streifen in keinerlei Längen ab, und das auch noch, ohne mit viel Action auszukommen.

Keine Frage – Goodfellas gehört in die oberste Schublade amerikanischer Gangster- und Mafiafilme und kann zweifelsohne jeden bekannten Genrevertreter das Wasser reichen – nicht zuletzt auch aufgrund der gewaltigen Riege an Hollywoodstars, die hier wirklich ihr Allerbestes geben.

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