Filme von Martin Scorsese spalten regelmäßig nicht nur die Kritikergemeinde, auch bei den Zuschauern sorgt der eigenwillige Regisseur bisweilen für Schmährufe. In der Riege der guten Mafia-Streifen passt dieser Film allerdings recht ordentlich rein.
In knapp zweieinhalb Stunden - also typische Scorsese-Epik - wird uns die (übrigens tatsächlich zugetragene) Geschichte des jungen Henry Hill erzählt, der nur noch einen Traum hat: Weg von der Armut und das schafft man am besten mit Zutritt zur ehrenwerten Gesellschaft. Bald darf er für die Mafia Botenjobs erledigen, und als er den mächtigen Conway und den stets cholerischen DeVito (Joe Pesci wie immer in seinem Element!) kennen lernt, ist sein Aufstieg nicht mehr aufzuhalten...
Der Film erinnert mich frappierend an „Casino". Nicht nur, das Robert de Niro und Joe Pesci dieselben Charaktere verkörpern, auch die Story ist ziemlich gleich. Auch der Erzähl-Stil aus der Sichtweise des Hauptakteurs ist hier wieder zu finden, gefällt aber ganz gut. Es geht wie immer um Freundschaft und Liebe, Verrat und Mord, Neid und verletzte Eitelkeiten, dem Kampf ums große Geld, und jeder will das größte Stück vom Kuchen abhaben. Auch das Ausleuchten der Privatsphäre nimmt einen - wenn auch manchmal zu langatmigen - Platz ein, angefangen von Henrys Heirat bis zu der völligen Zerrüttung der Ehe, die dann letztlich doch noch funktioniert, wenn auch nur als reine Zweckgemeinschaft. Die Bilder sind dabei stets erdrückend, aber manchmal übertreibt der Meister auch. Teilweise kam es mir vor, ich schaue einen italienischen Kochkurs an...
Der Schluss ist dann doch überraschend, als Hill einen Schlussstrich zieht und vor Gericht als Kronzeuge aussagt und die meisten der Bagage in den Knast kommt, falls sie nicht schon vorher unfreiwillig aus dem Leben schieden. Auch eine Art von Happy End...
Fazit: Genre-Fans werden auf den Paten schwören, aber dieser Film hat auch seine Qualitäten. Und auch im internen Scorsese-Vergleich schneidet „Casino" leicht besser ab, aber eben nur für mich (7,5/10).