Henry Hill (Ray Liotta) bewundert von Kindesbeinen an die schicken Edelkarossen und Anzüge der Gangster, die gegenüber seiner Wohnung umherlaufen. Er beschließt, auch einer von ihnen zu werden. Als Laufbursche fängt er an und arbeitet sich Stück für Stück hoch, bis er mit 21 Jahren bereits sehr angesehen ist. Als er im Gefängnis landet und dort mit dem Drogenhandel beginnt, nimmt der Abstieg seinen Lauf: Er wird selbst kokainsüchtig und immer mehr wird klar, dass er selbst seinen besten Freunden nicht mehr trauen kann.
Der Film beginnt mittendrin in der Geschichte: Ein Auto, in dem 3 Gangster sitzen (die Hauptdarsteller Ray Liotta, Joe Pesci und Robert DeNiro) fährt in der Nacht eine Straße entlang, aus dem Kofferraum ist ein klopfen zu hören. Das Auto stoppt, die Gangster steigen aus und öffnen den Kofferraum. Darin liegt ein blutender Mann, der vor sich hin winselt, worauf sich Pesci ein Messer schnappt und wild fluchend mehrmals auf diesen einsticht. Ziemlich erschreckender Beginn für den Zuschauer, doch es wird nicht der einzige Gewaltausbruch im Film bleiben.
Nach dieser Eingangssequenz und Liottas Worten "Seit ich denken kann, wollte ich schon immer Gangster werden" geht es mit einer Rückblende weiter. Sie zeigt, wie aus dem kleinen Henry Hill ein gefürchteter und angesehener Gangster wurde. Scorseses Erzählstil ist also ähnlich wie in "Casino". Der Film beginnt in der Gegenwart, wechselt in die Vergangenheit, setzt im weiteren Verlauf wieder in die Gegenwart ein und erzählt die Geschichte zu Ende.
Dabei fühlt man sich sofort mitten in die Story versetzt. Ein wunderbarer Film zum eintauchen und zum mitfühlen mit den Protagonisten. Der Film wirkt zu jeder Zeit glaubwürdig und authentisch. Das Set ist so gestaltet, dass es immer perfekt zum jeweiligen Zeitraum passt. Dazu kommt die Musik, die fast ständig im Hintergrund zu hören ist und ausschließlich aus Klassikern besteht. Zunächst Bobby Darin oder Aretha Franklin, für die 60er und 70er Donovan und die Rolling Stones. Unglaublich, wie viele bekannte Stücke in GoodFellas vorkommen.
Die Schauspieler sind der Wahnsinn. Ray Liotta hat zwar nicht das Charisma eines echten Gangsterbosses, wirkt dennoch jederzeit glaubwürdig und vermittelt gut die wachsende Überheblichkeit seiner Figur. Robert DeNiro ist wie immer ein Inbegriff für Schauspielkunst. Furchteinflößend zu Beginn, aber mit zunehmender Dauer immer nervöser werdend schafft er es wieder einmal, dem Zuschauer dauerhaft im Gedächtnis zu bleiben. Super auch Joe Pesci, dessen Wutausbrüche oscarreif sind. Seine Schimpforgien kommen vor allem in der Originalfassung witzig rüber, da jedes zweite Wort "Fuck" ist. Die deutsche Fassung wurde in der Sprache wie schon so oft gehörig entschärft und kreiert so Unsinnswörter wie "Arscheimer". Deshalb lieber im O-Ton anschauen!
Viele Parallelen tun sich zu Scorseses Meisterwerk "Casino" auf. Der Erzählstil, die Kameraführung, die Musik, der Zeitraum und die Besetzung, alles ist sehr ähnlich. Viele ziehen deshalb GoodFellas vor, weil Casino angeblich zuviel abkupfert. Ich bin der Meinung, GoodFellas ist ein sehr guter Gangsterfilm, aber Casino perfektioniert das Ganze. Die Story ist noch einen Tick ausgefeilter, und vor allem: GF ist eine gute halbe Stunde kürzer als Casino, wirkt dadurch weniger episch. Gesehen haben muss man auf jeden Fall beide Filme.
Insgesamt einer der besten Gangsterfilme der 90er, kommt aber nicht an die ganz großen Meisterwerke wie "Der Pate" oder "Casino" heran. Wer den Film noch nicht gesehen hat, für den wird es höchste Zeit, denn GoodFellas ist vor allem für Fans des Genres ein Pflichtfilm. Anschauen und eintauchen!