Schon als kleiner Junge bewundert Henry die smarten Mafiosi in seinem Wohnviertel. Sie besitzen alles, wovon er nur träumen kann: scheffelweise Geld, schnelle Autos und die hübschesten und verruchtesten Frauen. Die Ganoven gehören zu der mächtigsten Organisation der Stadt. Nicht einmal die Polizei stellt sich ihnen in den Weg. Henry ist von ihrem Leben fasziniert. Bereits als 11-jährige erledigt er für sie Botengänge. Er geht kaum zur Schule. Stattdessen zündet der Junge Häuser an und verkauft geklaute Zigaretten. Über die Jahre hinweg steigt er immer höher in der Hierarchie der Gangsterorganisation. Unter den Fittichen der berüchtigten Banditen Jimmy Conway und Tommy de Vito, erlangt Henry hohes Ansehen. Auch der Boss der örtlichen Mafiabande, Pauli, steht voll und ganz hinter seinem Zögling. Trotzdem hintergeht Henry ihn. Gegen Paulis Willen, steigt er ins Drogengeschäft ein.
Aufstieg und Fall des Henry Hill wäre auch ein treffender Titel für Martin Scorseses Mafia Epos gewesen, denn anhand des jungen Henry, der schon seit Kindheitstagen an eine Karriere als Mafioso anstrebt, lernen wir das kleine Mafia 1x1 aus seiner Sicht kennen. Bereits als kleiner Steppke vertickt er so lieber Zigaretten auf der Straße statt zur Schule zu gehen und besonders herzig fand ich die Szene als er nach seiner ersten Verhaftung von allen Familienmitgliedern herzhaft begrüßt wurde und seine kriminelle Entjungferung als freudiger Akt gefeiert wird.
Wir begleiten 2,5 Stunden die Karriere über die Jahrzehnte zusammen mit den Kumpels Jimmy und Tommy von den angesehenen Tagen mit dicken Scheinen in der Innentasche bis hin zur Festnahme und dem Verrat an der Familie hin zum Boden der Realität. Ich hab bisher Ray Liotta nicht unbedingt als Oscar Kandidaten gesehen, aber hier gibt er die Rolle des besonnenen Mafioso richtig gut. Es hat natürlich dabei sicher Vorteile, wenn man die Herren de Niro und Pesci an seiner Seite hat.
Branchenführer bleibt für mich aber sicherlich der Pate, aber Scorsese liegt mit seinem Epos sicher nicht weit dahinter. Man merkt einfach wie viel Liebe zum Detail hier in den einzelnen Charakteren steckt. Ein wenig mehr Action wäre nett gewesen, denn nach der fiesen Kofferraumnummer zu Beginn, konzentriert man sich doch sehr auf die Figurenzeichnung, hat zwar auch seinen Reiz, aber so hier und da etwas Waffeneinsatz gehört zum Gangsterleben doch auch dazu.
8/10