Review

Horrorfreunden kommen mindestens zwei Streifen spontan in den Sinn, wenn es um die Zuneigung eines Normalos zu einer Zombiedame oder Kannibalin geht. „Dellamorte Dellamore“ hat dies mit einer ansprechenden Mischung aus Humor und Romantik ebenso hinbekommen wie „Return of the Living Dead 3“.
Daran scheitert vorliegendes Werk in jeder Hinsicht, denn Regisseur Benjamin Viré verwechselt augenscheinlich etwas Arthouse mit verwackelten Bildern in Nahaufnahme.

Max lebt völlig zurückgezogen in einer Waldhütte, geht häufig auf der Wiese golfen und entdeckt eines Tages eine blutverschmierte Frau, die er mit nach Hause nimmt. Die Dame, die er Bianca nennt, trägt allerdings ein morbides Geheimnis in sich, welchem Max rasch auf die Schliche kommt: Sie tötet Menschen, um ihr Fleisch zu essen.
Nachdem die beiden eine Art Liaison aufbauen und Max ihre tödliche Neigung quasi unterstützt, treten ein paar Gangster auf den Plan, um Bianca zu entführen…

Es gibt Filme, die man nach spätestens einer halben Stunde ausschalten möchte, weil absehbar ist, dass es hier keine positive Entwicklung mehr geben kann.
Die ausgewaschenen Farben, die von vornherein unsicher hantierende Kamera, primär jedoch die schwammigen Figurenzeichnungen lassen erst gar kein Interesse am Geschehen aufkommen.

Max leidet mindestens unter Agoraphobie, einem Reinlichkeitszwang und diversen anderen psychischen Beeinträchtigungen, die den jungen Mann alles andere als heldenhaft oder charakterstark erscheinen lassen. Über seine Vorgeschichte erfährt man zunächst nichts, wodurch ein Zugang zu der Figur komplett verwehrt wird.
Nicht anders verhält es sich bei Bianca, deren Trieb weder erklärt, noch von Max in irgendeiner Form hinterfragt wird. Man erfährt nicht, was sie in den Wald trieb, noch, in welcher Beziehung sie zu den Gangstern steht, welche sich schon bald bewaffnet an ihre Versen heften. Und da überdies kaum gesprochen wird, hat man es über weite Teile mit einem zusammenhanglosen Stillleben ohne Nährwert zu tun.

Die wenigen Dialoge verursachen hingegen einige Male Kopfschütteln, etwa, als Max auf die Frage, warum er allein lebe antwortet: „Man lebt nur einmal.“ Ähnlich strunzdoof und selten nachvollziehbar verhalten sich die Kriminellen, die das Paar einige Tage observieren und ewig warten, um zuzuschlagen.
Als die Erzählung im letzten Drittel schließlich vom romantischen Horror zum dreckigen Thriller zu wechseln versucht, geht es völlig dahin.
Als billiges Stilmittel wird kurzfristig mal die Farbe heraus genommen und mit Max eine Charakterentwicklung veranstaltet, die jeder Nachvollziehbarkeit spottet.
Vorher ist der Kerl kaum in der Lage, seinem Bruder an der verschlossenen Tür zu antworten und urplötzlich bewegt er sich frei in der Stadt und knüpft lockere Kontakte zu zwielichtigen Gestalten, - und das alles im Namen der Liebe, die im Vorfeld nicht ansatzweise glaubhaft transportiert werden konnte.

Nun gibt es ja noch die Kannibalin und ihre tödliche Neigung, doch diesbezüglich dürften Splatterfans ebenfalls derbe enttäuscht werden. Entweder, die jeweiligen Körperhaltungen lassen keine expliziten Blicke zu oder man baut sich eine unübersichtliche Montage aus Blut und der Andeutung angebissener Körperteile, was in seiner Mischung aus schnellen Schnitten ,verschwommenen Nahaufnahmen und hektischen Bewegungen kaum zu erkennen ist.

Was übrig bleibt, sind unzählige Fragmente ohne sonderlichen Sinn, wie die Szene, als sich Max und Bianca gegenübersitzen und testen, bei wem der Teelöffel länger auf der Nasenspitze hält, obgleich natürlich versucht wird, jeglichen Anflug von Humor mit Bravour standzuhalten.
Hier ist nichts spannend, nichts atmosphärisch, kaum ein Mime kann mit seiner Performance überzeugen und das Handwerk gleicht dem eines ambitionierten Anfängers, mit viel Willkür bei den stilistischen Mitteln und einigen eklatanten Mankos innerhalb der Umsetzung.
Der Erzählung haftet latent etwas Unnahbares an, weil man weder mit den Protagonisten warm wird, noch eine glaubwürdige Entwicklung derer ausmachen kann, während jeder emotionale Funke durch die unentschlossene Erzählweise zunichte gemacht wird.
Fader und inhaltsloser hätte man die Beziehung zu einer Kannibalenfrau wohl kaum in Szene setzen können.
2 von 10

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