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Eigentlich sind die Schweden recht gut darin, ihre oftmals rau erscheinenden Naturlandschaften atmosphärisch und mit hohem Wiedererkennungswert festzuhalten. Dabei beginnt der Erstling des Regieduos Olsson/Akesson recht stimmungsvoll und mit viel Gefühl für einen stetigen Spannungsanstieg, der jedoch nach kurzer Zeit aufgrund mangelnder Innovationen und einem lückenbehafteten Drehbuch wieder in die Knie gezwungen wird.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Malin (Sofia Ledarp), die nach dem Suizid ihres Bruders mit Anhänger gen Norden fährt. Während ihrer Fahrt durch einsame Landschaften begegnet Malin ein Jeepfahrer, der ihr Angst einjagt. Und tatsächlich befindet sie sich kurz darauf im Keller seiner Waldhütte, wo ihr nach einiger Zeit jedoch die Flucht gelingt. Doch der Jäger lässt seine Beute nicht einfach entkommen…

Die Erzählung lässt sich im ersten Drittel viel Zeit, um eine intensive Bindung zur Hauptfigur aufzubauen. Viel erfährt man über Malin nicht, das familiäre Trauma hat ihr sichtlich zugesetzt, ein Neuanfang muss rasch her und lediglich das Handy ist als Verbindung zu ihren Eltern mit dabei. Was während der recht lang geratenen Exposition ebenfalls gut zur Geltung kommt, ist die einsame, beinahe isolierte Umgebung Malins, die meistens ohne Gegenverkehr in dichten Waldgebieten unterwegs ist, wo ein leicht provokant auftretender Autofahrer, wie der vermeintliche Tunichtgut, natürlich besonders auffällt und die hilflose Situation recht effektiv untermauert.

Doch nach der starken Einleitung fällt der Inszenierung kein Mittel mehr in die Hände, um dauerhaft eine beklemmende Atmosphäre zu schüren. Mit Malins Flucht in den unüberschaubaren Wald schlägt die Handlung die ausgetretenen Pfade eines Backwood-Slashers ein, ohne dabei sonderlich viel Suspense aufzubauen. Im Gegenteil, denn Malins Verhalten wirft einige Fragen in Sachen Logik auf, etwa, als sie auf einen Hochsitz klettert oder sich auf der Rückbank des Peinigers versteckt und mit der Polizei telefoniert, während der Kerl keinen Meter von ihr entfernt rein gar nichts davon mitbekommt.
Auch als für eine kurze Passage ein deutscher Jäger (Dietrich Hollinderbäumer) und ein weiterer Fluchtbegleiter hinzukommen, schleichen sich zahlreiche Kontinuitätsfehler ein, die das Drehbuch im Endeffekt nicht gut dastehen lassen.

Die eher zurückhaltende Erzählweise bietet zwar ein erfrischendes Erlebnis, weil es in amerikanischen Genrebeiträgen häufig zu konstruiert splattert, dahinsiecht und in diverse Fallen tappt, doch „Night Hunt“ gibt sich demgegenüber schlicht zu minimalistisch.
Hier mal ein Anpirschen, dort mal ein Schuss aus dem Jagdgewehr, doch die meiste Zeit laufen Malin und ihr Begleiter ziellos durch den Wald ohne dass der Jäger überhaupt Präsenz zeigt.

So kommt es im Verlauf zu keinerlei Überraschungen, etwaige Twists bleiben gänzlich aus und auch der Showdown fällt eher unspektakulär aus.
Den Darstellern ist dabei nichts anzukreiden, obgleich der Bösewicht nicht sonderlich viel Charisma mitbringt (und das Skript die Motive seines Handelns außen vor lässt), sind die wenigen Mimen konzentriert bei der Sache.
Doch der Streifen kann das Spiel mit der Unberechenbarkeit nach dem gelungenen Einstieg nicht adäquat fortführen und setzt die Hatz im Wald weitgehend in den Sand, während Gewalteinlagen, mitreißende Konfrontationen und aufgewühlte Emotionen ein deutliches Manko dieses schwedischen Erstlings darstellen.
Nicht in seiner Gänze schwach, sondern nach einem starken Einstieg genauso stark nachgelassen,
4 von 10

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