Review

Es gab mal eine Zeit, da waren die „Farrellys“ der heißeste Scheiß im Comedy-Universum, das war noch vor Judd Apatow und nach Jim Carrey, aber in Sachen Tabubrüche waren die Jungs rund um das Millenium praktisch unübertroffen.
Das muss nicht jedem gefallen und ehrlich gesagt, war der auf Übertretung der Geschmacksgrenzen angelegte Humor nie so ganz meine Sache, jedoch wirken die Werke von damals gegen den ganzen überdimensionierten Körperfunktionshumor (also Pimmelwitze, anatomische Anomalitäten, alles was eigentlich nur in die Kloschüssel gehört) von heute praktisch schon wieder harmlos.

Dagegen ist die 2012er-Neuauflage der Gebrüder zum Thema „The Three Stooges“ ein wirkliches Herzensanliegen, dass sie über 10 Jahre verfolgt haben, um es schließlich in wesentlich unprominenteren Rahmen umzusetzen als vorher gedacht. Entweder sind die Farrellys jetzt sanfter geworden oder sie wollten sich nicht selbst die schönen Erinnerungen an die eigene Kindheit kaputt machen, indem sie den klassischen Slapstick des Comedy-Trios, das immer vier Jahrzehnte in wechselnder Besetzung aktiv war, mit „krassen“ Extras zerstören.

Gedreht haben sie schließlich eine Mischung aus Neuauflage und Hommage, ein in drei Teile – entsprechend der Kurzfilme des Trios – aufgeteilter Gesamtfilm, der all das rekapituliert, was die Larry, Curly und Moe so groß machte: Slapstick, Chaos, Wortspiele, akute Dummheit und die Kunst, sich aus Frustration gegenseitig möglichst kreativ zu verprügeln oder zu quälen.

Das Ergebnis ist verblüffend: Diamantopoulos, Sasso und Hayes sind ihren Vorbildern aus den Kurzfilmen außerordentlich ähnlich (gut, Hayes hat etwas Probleme, gibt sich aber Mühe) und haben das Zusammenspiel mit den Klapsen, Schlägen und Pieksern praktisch bis zur Perfektion geübt. Der stets kurz vor dem Explodieren befindliche Moe ist auch hier ein grober Dampfkochtopf; Larry ein fröhliches Schusselchen, dass ständig über seine abstruse Frisur redet und Curly ein eleganter, feinfüßiger und tänzerischer Gigant mit kahlem Schädel, ein Ausbund an kindlicher Energie.

Natürlich, der Film auf eine Zielgruppe zwischen 8 und 12 Jahren angelegt, auch da haben die Macher lieber erst gar nicht dran gedreht und so muss man mit dem ältesten Plot der Welt vorlieb nehmen: den Deppen, die ein Waisenhaus retten wollen und dafür Geld verdienen müssen. Das gab es schon reichlich (vielleicht in „Blues Brothers“ nicht ganz so infantil), das funktioniert mechanisch, das gibt natürlich auch Probleme mit erwachsenen Kinogängern.
Erwachsenen wird hier nämlich einiges abverlangt: sich nur auf das nostalgische Wiedersehen mit dem Humor des wildes Trios zu freuen und ansonsten einfach das Hirn ausschalten. Das funktionierte an der Kasse nur so halb, denn die Zeit der Komödien nach „Police Academy“-Intellekt-Vorbild sind lange vorbei.

Kindern und kindlich Gebliebenen könnten aber ihren Spaß an diesem schnell dargebotenen Blödsinn haben, der größtenteils auf Geschmacklosigkeiten verzichtet (Ausnahme n sind eine „Schlacht“ mit pinkelnden Säuglingen auf einer Babystation und eine explosive Flatulenz), aber reichlich an scheinbar schmerzhaftem Slapstick für alle Beteiligten ist.
Während die Kritik zwar das Übertragen der originalen Komik lobten, den Film aber eher als flach abtaten, wird hierzulande bisweilen von den „Stooges“ wie von einem Staatsverbrechen berichtet, wobei es reichlich Filme gibt, die trotz Komödieneinstufung leerer, abgedroschener oder peinlicher ausgefallen sind. Natürlich ist der Stooges-Humor inzwischen aus der Zeit gefallen, aber angesichts moderner Kaspereien würde ich das nicht zwingend unterschreiben.

Fakt ist, hier ziehen alle tierisch vom Leder und die totale (und unangestrengt wirkende) übertriebene Leichtigkeit des Geschehens macht den Film zu einer kurzweiligen Angelegenheit, für die sich die originalen Stooges bestimmt nicht geschämt hätten, auch wenn den Machern eben nicht viel wirklich Neues eingefallen ist. Aber ich hab nichts gegen eine fast schon aufgezwungene Auseinandersetzung mit der in Deutschland übrigens gar nicht so bekannten Vergangenheit und der Film macht Lust aufs Stöbern.
Keine Offenbarung also, aber eine zappelige Kasperei, bei der ich bei fast jeder Szene dachte, dass man das erst mal so überzeugt rüberbringen muss. (6/10)

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