Review

Die verheerende Flutkatastrophe Ende 2004 im indischen Ozean bildet den geschichtlichen Hintergrund von The Impossible. Nach dem wahren Vorbild einer spanischen Familie, die im Film zu einer US-Amerikanischen wird, schildert das Drama aus Sicht der einzelnen Familienmitglieder deren Überleben unmittelbar nach der Katastrophe im ausgebrochenen Chaos.

Die Eltern Bennett mit ihren drei Söhnen fliegen wie so viele andere westliche Touristen zu Weihnachten 2004 nach Thailand, wo sie gerade am Pool einer Ferienhausanlage planschen, als die Flutwelle ohne Warnung über sie hereinbricht. Zunächst getrennt und im Unklaren über das Schicksal der jeweils anderen überleben die Mutter mit dem ältesten Sohn Lucas, sowie der Vater mit den beiden jüngeren Buben Thomas und Simon. The Impossible widmet sich dann den nächsten Tage nach der Katastrophe und gibt in meist gut ausstaffierten Szenen das Chaos um die völlig überfüllten Krankenhäuser, die unzureichende medizinische Versorgung, das Fehlen von Informationen (und Informationsmöglichkeiten) sowie das Hoffen und Bangen um überlebende Angehörige wieder.

Überzeugen konnten die Massenszenen mit dutzenden Menschen auf engem Raum, die nur das retten konnten, was sie am Leib trugen und teilweise umherirren und nach vermissten Personen rufen. Gelungen auch die Sicht aus den Augen des Ältesten Lucas, der als Zehnjähriger Verantwortung zu übernehmen beginnt, nachdem seine Mutter (Naomi Watts) deliriert. Absolut überzeugend auch Ewan McGregor als Vater Henry Bennett, der bescheiden und beharrlich die Suche nach seiner Frau und dem Ältesten nicht aufgeben will.

Weniger gut gefielen einige der Trickaufnahmen, beispielsweise die Unterwasserszenen des Tsunami, die außer herumwirbelnden schwarz-braunen Punkten nicht viel hergeben und eine Spur zu häufig eingebaut wurden, teilweise auch in Rückblenden. Vermisst habe ich desweiteren Anmerkungen zur Entstehung und zur Auswirkung eines Tsunamis, speziell aber dieses Tsunamis, was man durchaus hätte einbauen können, um den Zuschauer ein wenig ins Bild zu setzen über die unermeßliche Naturgewalt, die damals über die Küste hereinbrach.
Genervt hat ferner das Auftreten von Lucas zu Beginn des Films, als er plötzlich das Kommando übernimmt, die Marschrichtung vorgibt und seiner verletzten Mutter, die Ärztin ist und daher selbst weiß was gut für sie ist, erklärt daß sie viel trinken muß. Diesen  Fehler, daß Kinder sich wie Erwachsene gebärden und entsprechend daherreden, macht der Film aber nur zu Beginn - schon kurz danach, als das Krankenhaus erreicht ist, verhält er sich wieder kindgerecht. Naomi Watts, im Gesicht (zu) dick eingekleistert und meistens nur leidend dreinblickend, kann hier kaum schauspielerisch überzeugen. Zu wenig beleuchtet wird für meinen Geschmack auch das Schicksal der Einheimischen, die genauso von der Flutwelle betroffen waren wie die Touristen - im Film treten sie kurz als hilfsbereite Dorfbewohner und ansonsten nur als Sanitätspersonal auf. Auch der Aspekt der Solidarität unter den Touristen (oder eben der Egoismus) hätte sich mehr Screentime verdient - nur kurz angerissen wird der Mangel an Handys und dessen ersehnter Gebrauch um den Hinterbliebenen in der Heimat Bescheid zu geben. Stattdessen werden an einigen Stellen allzu klischeehafte Bilder von Sonne, Meer und Wasser in Szene gesetzt, und auch auf den dickbäuchigen Agenten der Züricher Versicherung, der einen Privat(!)flug in einem komfortablen Flieger nur für die Familie Bennett nach Singapur organisiert (welch ein Luxus angesichts des vielfachen Leids um sie herum), hätte ich gerne verzichtet. Wieviel mag diese Versicherung zum Filmbudget beigetragen haben angesichts dieser unverhohlenen Scheichwerbung?

Somit bleibt The Impossible ein familienfreundlich abgedrehtes Drama um das glückliche Ende einer Naturkatastrophe, die schlussendlich nur als Kulisse herhalten muß für die hochgehaltenen Tugenden der Familie (Zusammenhalt und gegenseitiges Aufpassen und kümmern, was mit dem Überleben und der glücklichen Zusammenführung stantepede belohnt wird). 5 Punkte.

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