Während great Hollywood seit Jahren nach neuen Ideen für Drehbücher sucht (und nicht fündig wird), beglücken uns unsere Euro-Nachbarstaaten immer wieder auf´s Neue mit herrlich schrägen und einfallsreichen Filmen. Meistens kommen dabei geniale Streifen raus, doch natürlich sind auch einige Fehlschüsse wie "Thale" dabei - womit ich ihm jedoch nicht die Existenzberichtigung absprechen will. Das Thema sprach mich einfach nicht an.
Leo (Jon Sigve Skard) und Elvis (Erlend Nervold) sind dran, wenn die Polizei mit ihrer Arbeit fertig ist: Denn die beiden sind Tatortreiniger. Während Leo gleichzeitig ein belegtes Brötchen beim Leichenteile zusammenkehren essen kann, hat sich Elvis noch nicht wirklich an diese Arbeit gewöhnt und kotzt mehr aus dem Rachen, als Leo ihm hinterherputzen kann. Ihr neuer Arbeitsplatz ist eine heruntergekommene Waldhütte, wo sie sich um die Leiche des verstorbenen Besitzers kümmern sollen. Doch der Tatort wandelt sich ganz schnell zum Fundort um, weil sie Thale (Silje Reinamo) entdecken, die scheinbar monatelang mit einem Schnorchel (?) in der Badewanne überlebt hat. Thale ist nicht nur verstört, sondern verhält sich auch komisch. Doch was wirklich hinter dieser Frau steckt, erahnen die beiden nicht in ihren kühnsten Träumen...
Norwegen hat mit "Thale" mal wieder ordentlich zugelangt. Was anfänglich noch wie eine Buddy-Komödie mit viel schwarzem Humor aussieht, wandelt sich mit der Ankunft in der Waldhütte in ein äußerst düsteres und dichtes Ambiente, das mehr Fragen aufwirft, als die Story vorantreibt. Man spürt, dass "Thale" - wohlgemerkt im Horrorgenre, gleich anfängt zu rocken. Doch von Horror ist weit und breit nichts zu sehen. Es wird (nur) ein extremes Spektakel im Fantasy- und Mystery-Bereich mit einem Hauch von Drama geboten. Wie gesagt: Zu extrem (für mich).
Und das war auch der Knackpunkt, warum der Film bei mir ab einer bestimmten Stelle nicht mehr funktionierte. Die Bedrohung liegt zwar noch in der Luft, ist aber nicht mehr so intensiv wie zu Beginn. Zudem verfällt Regisseur Aleksander Nordaas in epische Szenen, dass ich manchmal meinte, ich schaue mir eine Doku mit Kommentaren von Peter Lustig an. Okay, Nordaas scheint ein Fan der skandinavischen Mythologie zu sein. Aber das heißt eben noch lange nicht, dass dieser Film bei mir oder bei vielen anderen (ich kenne ja meine Pappenheimer) brauchbare Spuren hinterlässt. Dennoch werden Fans von Trollen, Frodo und Gnomen diesen Film evtl lieben und vergöttern.
So gibt es hier und da zwar noch nette Schocks und brauchbare Szenen, allerdings rissen sie mich wegen des etwas gewöhnungsbedürftigem Thema nicht mit. Und schwupps, nach einem kurzen Run ist der Film vorbei (76 Minuten Laufzeit) und irgendwie beschlich mich das Gefühl, dass da eigentlich ein richtiges Ende fehlt und der Schluss wie abgewürkt rüberkommt.
Große Sympathiepunkte heimsen die Schauspieler ein, denn es sind Gesichter, die in Hollywood bei der Gesichtskontrolle scheitern würden und deswegen herrlich anders wirken und eben - was einige Schauspieler auch beherrschen - ihre Rollen ordentlich runterspielen.
Dennoch: "Thale" ist weder für Horrorfans oder Anhänger des Mainstreams geeignet, sondern eher für Leute, die sich mit dem Thema Mythologie beschäftigen.
Mit Sicherheit kein schlechter Film, jedoch arg gewöhnungsbedürftig inszeniert.
4/10