Review

Bereichert ungemein die Erfahrung "Shining", Kubrick, Film

*Room 237" ist oberflächlich eine Doku über Theorien zu Kubricks Meisterwerk "The Shining", von Fans für Fans. Doch, nicht unähnlich zum besprochenen Subjekt, schlummert in ihm noch eine weitere Betrachtungsweise. Denn es geht eindeutig auch um Obsession, Verschwörungstheorien und die psychische Wirkung von Filmkunst auf uns Menschen. Die Verselbständigung von Kunst nach ihrer Veröffentlichung. Und mir gefallen beide Seiten dieser cleveren, fein vorgetragenen Medaille. Nun werde ich den Trip ins Overlook Hotel nie mehr mit denselben Augen sehen. Ich hoffe, die Insider-Doku hat mir den Spaß an Kubricks Meilenstein des Horrors nicht genommen. Vielleicht hat sie den Spaß und die Faszination ja sogar noch gesteigert. Mich zutiefst beeindruckt und super unterhalten hat die Doku in jedem Fall. 

Wenn man "Room 237" als Kubrick-Fan betrachtet, kommt man nicht aus dem Staunen heraus. Doch selbst wenn man die meisten der Theorien als übertriebene, sogar zum Teil lächerliche Hirngespinste von Hardcore-Freak-Fans ansieht, muss man meiner Meinung nach noch genug Kontext und Inhalt für sich ausmachen. Und sei es nur etwas über die Erzähler oder Macher des Films. Oder besser gesagt beider Filme. Bei mir wirkten wie erwähnt beide Ebenen und ich bin sogar nicht der Meinung, dass alle Theorien weit hergeholt sind. Dass "Shining" unterschwellige Botschaften beinhaltet und Kubrick eine Genie ist, dürfte schon vorher außer Frage gestanden haben. Doch diese besessenen "Experten" drehen alles euphorisch bis auf 11. Das kann man ausbeuterisch oder schlicht bescheuert finden. Oder wie ich, einfach grandios und vielschichtig und enorm spannend. Wenn auch nicht so spannend wie "Shining" selbst ;). 

"Room 237" sprüht nur so vor Euphorie und Begeisterungsfähigkeit für den Film. Nicht nur für "Shining" sondern Film allgemein. Außerdem wird nochmal dick unterstrichen was für ein Überfilm Kubricks einziger Ausflug ins Horrorgenre ist. Ganz egal wieviel der Theorien stimmen oder nicht, geplant waren oder unbeabsichtigt eingebaut wurden. Was man aus diesem vielschichtigen Enigma ziehen kann, ist schlicht außergewöhnlich und große Kunst. Ob man die Kubrickianer belächelt oder sich selbst fast dazuzählt. Ich persönlich bin über jede Verschwörungstheorie glücklich. Vom Holocaust bis zu Mondlandung. Kubrick selbst lacht sich zwar sicher irgendwo ins Fäustchen, doch die Sehgewohnheiten und das Erlebnis "Shining" werden definitiv erweitert. Die kluge Komposition und Verschachtelung der gesamten Filmographie Kubricks tun ihr Übriges.

Fazit: eine der besten Dokus und Ergänzungen, die es zum Bereich Film gibt. Ein Exkurs der Erleuchtung, des Grauen, des Genie. Wahrhaft kraftvoll und Sehgewohnheiten verändernd. Pflichtprogramm für jeden wahren Kubrick-Fan. Verstörend gut!

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