Review

Die Reihe um „Naked Fear“ war ja ursprünglich ein wenig doppeldeutig konzipiert gewesen, denn es ging nicht nur die nackte Angst um, auch das potentielle Opfer lief die meiste Zeit sehr knapp bekleidet durch die Gegend.
Um einen x-beliebigen Entführungsthriller noch etwas gewinnbringender an den Mann zu bringen, setzt man also auf halbwegs etablierte Schlagwörter, denn ein schlichtes „From the Shadows“ lockt seit den Achtzigern kaum einen Genrefreund mehr an.

Für Terri erscheint die Welt rosarot, denn sie ist frisch verliebt und hat soeben eine Million im Lotto gewonnen. Doch als sie im Kellerverlies des irren Dr. Blakes landet, der ihr ominöse Injektionen verabreicht und nebenher an ihren Lottoschein will, geht es ihr plötzlich nicht mehr so knorke…

Regiedebütant Scott C. Robert hatte offenbar die Idee, einen Entführungsfilm mit Elementen eines klassischen Krimis zu verquirlen, indem er neben der Hauptszenerie im Keller auf zahlreiche Flashbacks setzt, die einerseits Terris Kindheit in einem wesentlichen Punkt veranschaulichen und andererseits die Beziehung zu ihrem Freund Shane offenbaren, dessen Verhalten bewusst nebulös dargestellt wird, um den Betrachter auf diverse falsche Fährten zu locken, was jedoch nur in Ansätzen gelingt.

Zwar gestalten sich die Abläufe im Verschlag ein wenig unterhaltsamer, doch Folterfreunde werden hier nicht bedient. Vielmehr setzt der narbenwangige Arzt mittleren Alters auf seine dubiosen Drogen, um Terri gefügig zu machen und zu vergewaltigen, was jedoch zu keiner Zeit visualisiert wird. Auch etwaige Gewalteinlagen beschränken sich auf einen abgetrennten Fußnagel, was ebenfalls nicht explizit gezeigt wird.
Einzig die zunehmenden Halluzinationen sind halbwegs interessant zu verfolgen, obgleich bis zum Schluss nicht klar wird, was es mit dem geisterhaften Dämonenmädchen auf sich hat, welches Terri möglicherweise nur im Wahn erscheint oder als Racheengel in Form eines einstigen Opfers in Kraft tritt.

Die schlichte Form der Erzählung lädt leider kaum zum Mitfiebern ein, Terris irrationales Verhalten ist oft nicht nachvollziehbar, selbst Fluchtmöglichkeiten werden nachlässig aus der Hand gegeben, während die Flashbacks inhaltlich auf der Stelle treten und gegen Ende nur eine erahnbare Überraschung parat halten.
Zudem leiden Atmosphäre und Spannung unter den oft wahllos platzierten Rückblenden, die Gewichtung erscheint oft unvorteilhaft, da kurz nach der Visite des Peinigers stets umgeschwenkt wird und man nicht kontinuierlich am Ball bleibt und folgerichtig nur zur Hälfte mit Terri leidet, welche ohnehin kaum physischer Gewalt ausgesetzt ist.

Insofern bietet „Naked Fear 3“ halbgaren Stoff ohne nackte Haut, mit allenfalls brauchbaren Mimen und einer recht minimalen Ausstattung innerhalb einer sehr simplen Geschichte, die in keinem Punkt übermäßiges Interesse schüren kann.
Die Gewalteinlagen tendieren gegen Null und am Ende vermag auch der vorhersehbare Twist nichts mehr ausrichten, - ein Entführungsthriller der eher seichten, kaum spannenden und von daher wenig empfehlenswerten Sorte.
3 von 10

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