Review

Tom Hanks spielt einen reichen, erfolgreichen und verheirateten Börsenmakler, dessen Geliebte, gespielt von Melanie Griffith, nachts in einem ärmeren Viertel zwei Schwarze überfährt, die die beiden überfallen wollten. Direkt stützt sich die Klatschpresse auf den, von der Polizei verdächtigten Hanks, allen voran ein eifriger und bekannter Enthüllungsreporter, gespielt von Bruce Willis, und schnell muss Hanks feststellen, wie vergänglich Ruhm sein kann. Für ihn geht es immer weiter bergab, bis er schließlich vor einem Richter, gespielt von Morgan Freeman, landet.

Trotz der sarkastischen, gleichnamigen Romanvorlage zu "Fegefeuer der Eitelkeiten", trotz der sensationellen Besetzung mit Bruce Willis, Morgan Freeman und Tom Hanks und trotz des routinierten Kult-Regisseurs Brian de Palma bietet "Fegefeuer der Eitelkeiten" nicht mehr und nicht weniger als solide Unterhaltung und ist bei weitem nicht so bissig, wie er hätte werden können. Einerseits gibt es ein paar gute Aspekte am Film, andererseits sieht man aber auch praktisch im Sekundentakt, wie am laufenden Band Potential verschenkt wird.

Nachdem er mit "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" einen fulminanten Durchbruch schaffte und Horror-Autor Stephen King zum Star machte, stieg Brian de Palma mit "Scarface" und "The Untouchables" schnell zu einem der bekanntesten Regisseure der Welt auf, aber bei "Fegefeuer der Eitelkeiten" sieht man leider weder sein Händchen für gute Filme, noch seine ganze Routine. De Palma hätte ruhig ein etwas schnelleres Erzähltempo wählen können, da der Film vor allem anfangs sehr lang braucht, um in Gang zu kommen. Auch im Mittelteil verläuft die Satire eher zäh und wird ständig auf überflüssigen Nebenschauplätzen ausgebremst, auf die man genauso gut hätte verzichten können. De Palma kann zwar unterhalten, aber zu keinem Zeitpunkt fesseln.

Die Inszenierung als solche ist dabei eigentlich ziemlich gut gelungen. Die Kulisse ist sehr stilvoll geworden und hat einen hohen Schauwert, die Kameraführung ist hervorragend und mit einigen gelungenen, längeren Kamerafahrten bekommt de Palma alle Bilder stark eingefangen. Die gute und ebenfalls stilvolle Filmmusik rundet die handwerklich gut gelungene Satire ab, aber in dieser ganzen äußeren Opulenz und dem schleichenden Erzähltempo fällt eines weg, was für eine Satire absolut wesentlich ist: Der Zündstoff.

Die Story gibt den Wandel der gesellschaftlichen Werte in den 80ern vielschichtig wieder und kritisiert diesen recht offensichtlich, aber de Palma bekommt dies nicht überzeugend und kaum sarkastisch auf die Leinwand. Die Dialoge sind nicht sonderlich lustig, kein bisschen zynisch und viel zu harmlos, um wirklich provozieren zu können. Die Charakterkonstruktion der Hauptfiguren ist ebenfalls gut gelungen, aber auch hier fehlt der nötige Sarkasmus und der nötige Zündstoff, um wirklich kritisieren und überzeugend zu können. Die Handlung ist unvorhersehbar, aber auch zu versöhnlich und landet ebenfalls keine Schläge unterhalb der Gürtellinie und so bleibt Freemans abschließendes Plädoyer das einzige, was "Fegefeuer der Eitelkeiten" wirklich als Satire auszeichnet. Auf den Punkt gebracht: Die Satire ist zu harmlos.

Tom Hanks, der zuvor fast ausnahmslos in Komödien wie "Schlappe Bullen beißen nicht" und "Scott & Huutsch" zu sehen war, liefert in "Fegefeuer der Eitelkeiten" eine seiner bis dato besten Leistungen ab und überzeugt voll und ganz in seiner sympathischen Rolle des Geschäftsmanns, der im Grunde unschuldig ist und immer weiter in die Opferrolle gedrängt wird, bis auch er gezwungen ist, faule Mittel einzusetzen. In den folgenden Jahren mauserte sich Hanks immer mehr zu einem der besten Charakterdarsteller aller Zeiten und glänzte in "Philadelphia", "Forrest Gump" und "Cast Away". Bruce Willis ist für seine Eigenironie und seinen Sarkasmus bekannt, den er unter Anderem auch in "Breakfast of Champions" und "Keine halben Sachen" zeigte und spielt in einer seiner ersten Charakterrollen außerhalb des Action-Genres überzeugend. Melanie Griffith spielt mittelmäßig und wurde zu Recht für die goldene Himbeere nominiert, dafür kann aber der restliche Cast, der mit weiteren starken Darstellern wie Morgan Freeman und Kevin Dunn gespickt ist glänzen.

Fazit:
Trotz der stilvollen, handwerklich geschickten Inszenierung von Brian de Palma und des starken, gut besetzten Casts, fehlt "Fegefeuer der Eitelkeiten" genügend Sarkasmus und Zündstoff. Da das Potential der guten Story so nicht ausgeschöpft wird, kommt der Film nicht über einen soliden Unterhaltungswert hinaus.

60%

Details
Ähnliche Filme