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MATZEDER ist ein Film aus der mittlerweile sehr bekannten BRANDL-Filmschmiede und hat das Leben und die zweifelhafte Karriere des Franz Matzeder zum Inhalt - ein Räuber dessen Geburtstag wie viele andere Fakten verlorengegangen ist, im Gegensatz zum Werdegang, der seine Krönung am 23.06.1851 durch Hinrichtung mittels des Schwertes in Straubing erfuhr. Schon in frühester Kindheit und Jugend zeigen sich Verhaltensweisen die später eskalieren, sich steigern und unausweislich durch eine Hinrichtung enden. Wo genaue Kenntnisse fehlen werden diese durch Handlungen ersetzt die einerseits die "Karriere" passend untermalen und andererseits dem Erzählfluss dienen, etwa diverse Hühnermorde in der Kindheit.

Kind armer, wenn auch nicht bettelarmer Eltern wächst er durchaus in geordneten Verhältnissen auf die den späteren Weg nicht zwangsläufig erahnen lassen. Lausbubenstreiche die sich steigern, bis dem Vater die Geduld ausgeht und er eine Lehrstelle besorgt. Aber was sich angedeutet hat bewahrheitet sich und Franz eckt an, es ist nur eine Frage der Zeit bis er die erste Haftstrafe antreten muss und somit in der damaligen Zeit keine normale, bürgerliche Zukunft mehr vor sich mit dem Stigma eines "Verbrechers". Er bricht aus dem Gefängnis aus und führt fortan das Leben eines Gesetzesbrechers, immer auf der Flucht. Es ist nur folgerichtig dass es nicht bei Diebstählen bleibt sondern steigert zu Raub und Vergewaltigung und irgendwann das erste Opfer sein Leben lassen muss. Seine Opfer sucht er sich unter den Wohlhabenderen, Unterschlupf findet er schier unglaublich lange bei der normalen Bevölkerung. Unterstützung bei seinen Taten leisten ihm seine Kumpane Franz Reiter und Georg Weger, Reiter begleitet schliesslich ihn auf dem Weg in den Tod während Weger eine lebenslange Haftstrafe erhält, unter den Bedingungen der Zeit sicher auch nicht sehr viel besser.

Gedreht und realisiert wurde der Film an Schauplätzen die denen der Handlung entsprechen, Originalschauplätze sein könnten und teilweise auch sind. Die Bevölkerung wurde mit einbezogen und das Ganze im entsprechenden Dialekt gespielt. Somit ist ein Höchstmaß an Echtheit und Authentizität gegeben.

Meinung: MATZEDER ist anders, erfrischend anders als diese Hochglanzbiographien aus Hollywood und unterscheidet sich wohltuend von Robin Hood und Konsorten. Er ist auch anders als glattgebügelte TV-Dokus oder -Spielfilme deren Titel ich mich weigere in den Mund zu nehmen und die einem die Zornesröte ins Gesicht treiben angesichts der Geldverschwendung wohlgemerkt unserer GEZ-Gebühren die zwar rechtlich einwandfrei eingetrieben werden aber trotzdem moralisch fragwürdig sind wie seinerzeit so manche "freiwillgen" Gaben. Klar gibt es einige wenige Punkte die mich stutzen lassen! Waren diese Zeiten und Lebensumstände wirklich so "sauber" wie hier zu sehen? Und wie war es möglich den Gendarmen so lange Zeit eine Nase zu drehen?

Und ich widerspreche mir sofort selbst, denn der Film kommt absolut authentisch bei mir an. Diese Enge und Kargheit in den Häusern und dem Leben an sich kommt dem schon sehr nahe wie ich mir die Zeit vorstelle, auch das Katz-und-Maus-Spiel das Matzeder und Konsorten lange Zeit erfolgreich mit der Ordnungsmacht treiben. Dieser Punkt wird etwas vernachlässigt, wie sie es denn geschafft haben, gerade in den Wintern zu überleben. Ob da eine gewisse Sympathie bei der Bevölkerung war oder eher die Angst maßgeblich war? Letzens ist das auch nicht die wesentliche Frage.

Anfangs etwas skeptisch bei einer Lauflänge von über zwei Stunden war ich dann doch gefesselt vor dem Bildschirm. MATZEDER hat mich ab der ersten Minute in den Bann gezogen, ich war weit weg in einer anderen Zeit die mir in perfekten Bildern vor Augen geführt wurde. Natürlich weicht die anfängliche Symphatie die ich für den "Helden" empfand spätestens ab der Vergewaltigung einer wehrlosen Frau in deren elterlichem Hof einer gewissen Distanz - so richtig hassen kann ich Matzeder aber auch nicht, nicht mal dann wenn er tötet, zu sehr ist er in seiner ganz persönlichen Spirale der Gewalt gefangen die ihn sein eigenes Leben kosten wird, und auch dieses "wie" ist sehr passend. Kein Ermittler der hartnäckig genug ist und ihn in die Enge treibt, mehr dazu sei nicht verraten. Zu keiner Sekunde langweilig kann ich diesen Film jedem empfehlen der gerne auch mal etwas andere Wege geht, das einzige 'richtige' Manko ist der Ton, für mich als Franken mit der vorhandenen Konzentration gerade noch verständlich sollte man sich der deutschen Untertitel bedienen als Nicht-Bayer. Aber sonst habe ich nichts auszusetzen! 9/10

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