Mal wieder wird eine verlassene Psychiatrie mit Handkamera studiert, - diese Prämisse scheint immer wieder tauglich, denn tatsächlich gehört eine Menge Mut dazu, ein solches Gebäude im Schein einer Taschenlampe zu erkunden und die negative Aura wahrzunehmen, welche in den Gemäuern eigentlich grundlegend herrschen müsste.
Trotz der tollen Location ist den Machern leider storytechnisch nicht allzu viel eingefallen.
Sean, Antonella und Alex fahren zum Greystone Park, um eine leerstehende Klinik zu inspizieren, um die sich einige Gerüchte ranken. So soll es grauenvolle Experimente mit Patienten gegeben haben, Lobotomie war an der Tagesordnung und zudem soll dort der Geist von Billy Lasher umgehen, welcher dort geboren wurde und Zeit seines Lebens Folter und Schmerz ausgesetzt war. Nach geraumer Zeit bemerken die drei, dass sich offenbar noch jemand oder etwas in der ehemaligen Psychiatrie befindet…
Berühmte Regisseure und ihre Nachkommen: Sofia Coppola ist halbwegs erfolgreich in die Fußstapfen ihres Vaters Francis Ford getreten, da versucht es Sean Stone seinem ebenfalls berühmten Vater Oliver Stone nachzumachen. Bisher drehte er überwiegend Dokumentationen, um nun in die Gefilde der Pseudo-Doku einzutauchen, nicht ganz ohne Hilfe seines Dads, der immerhin in einer Nebenrolle mitwirkt.
Allerdings ist es mittlerweile schwierig geworden, der Verpackung von Found Footage noch etwas Innovatives beizusteuern, denn auf Dauer präsentiert sich das Geschehen zu ereignisarm.
Dabei bietet das Interieur durchaus Potential, da offenbar tatsächlich in einer verlassenen Klinik gedreht wurde, in der jedem Raum, jedem Winkel, jedem zurückgelassenem Gegenstand etwas Morbides anhaftet. Ein Holstuhl ist von einer Blutlache umgeben, ein Knarren aus der Etage über den Wagemutigen wird vernommen, alte Stoffpuppen, aber auch mystische Symbole an Wänden verheißen vor allem im ersten Drittel nichts gutes.
Das Verhalten der drei jungen Leute wirkt dabei zunächst komplett authentisch, man steigert sich ein wenig in die Gruselstimmung hinein, versucht die leicht angespannte Situation durch kleine Kalauer aufzulockern und unterhält sich die meiste Zeit in einer Stimmlage zwischen Flüsterton und Schnappatmung. Als schließlich eine unerklärliche Erscheinung auftaucht, ist allerdings lediglich ein kollektiver Aufschrei mit verrissener Kamera und anschließenden Fehler im Filmmaterial auszumachen, - wirklich zu sehen ist die meiste Zeit über fast gar nichts.
Vielmehr geht es darum, wie sich das Verhalten der drei Figuren im Verlauf ändert und was möglicherweise dahinter steckt. So wirkt jemand kurzfristig beinahe wie entrückt, ein anderer wird leicht aggressiv und unberechenbar, während die dritte Person versucht Ruhe zu bewahren und nach rationalen Erklärungen sucht.
Leider gerät im letzten Drittel alles ein wenig durcheinander und es kommen zu viele Aspekte zusammen, die am Ende nicht allzu viel Sinn ergeben. Zwischen Hexe, unsichtbarer Dämonenhand und Besessenheit konnte sich Stone offenbar nicht so recht entscheiden, so dass das Finale zu einem unentschlossenen Chaos verkommt, bei dem die übersinnlichen Erscheinungen dennoch arg zurückhaltend ausfallen.
Ungewöhnlich ist letztlich noch ein Score zu erwähnen, der für das Subgenre recht untypisch ist, in seiner zurückhaltenden Form jedoch die düstere Atmosphäre unterstützt, während die drei Mimen ganz okay performen und sich recht natürlich präsentieren.
Mit seinem ersten Langzeitfilm gibt sich Sean Stone recht innovationsarm und springt auf den Zug der Handkamera bei unheimlichen Erkundungen auf. Handwerklich löst er die Angelegenheit recht souverän und bietet passable bis zuweilen effektive Kameraarbeit und vermag die makaberen Räumlichkeiten stimmungsvoll festzuhalten. Leider mäandert die Handlung vergleichsweise ereignislos vor sich hin, bis zum Finale hingegen zu viele Interpretationen möglich sind.
Eine latent beklemmende Grundstimmung, zwei, drei Mal etwas Gänsehaut, jedoch ausbleibende Schockmomente, - da muss man schon Fan der zahlreichen Found Footage Ableger sein…
5 von 10