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Drei jeglichem materiellen Luxus entsagende Mönche des Cantorianer-Ordens machen sich nach dem plötzlichen Tod ihres Abtes aus der tiefsten brandenburgischen Provinz auf ins sonnige Italien, um ein heiliges Buch dem dortigen Kloster ihres heutzutage kaum mehr präsenten Ordens zu überbringen. Doch auf dem Weg dorthin werden die drei Männer auf so manche Probe vor dem Herrn gestellt, lernen sie doch erstmals die Welt des 20. Jahrhunderts wirklich kennen...

Zoltan Spirandellis "Vaya con Dios" lässt sich schwerlich in ein bestehendes Muster pressen. Er stellt eine eigenwillige aber nichtsdestotrotz sehr gelungene Mischung aus dezentem Witz und durchaus religions-kritischem Drama dar. Doch "Vaya con Dios" verteufelt Religion ebenso wenig wie er sie keineswegs sprichwörtlich in den Himmel lobt. Die eindringliche Botschaft des Filmes lautet vielmehr, frei von jeglichen Schranken seinen eigenen Gefühlen zu folgen, was im Film schließlich am anschaulichsten an den Erlebnissen von Jungmönch Daniel Brühl dargestellt wird. Wahrer Glaube ist Herzenssache - und diese lässt sich nunmal nicht erzwingen. Selbst der strenggläubigste Mönch erliegt hier und da seinen ganz persönlichen Gefühlen und gerade dies ist eben kein Vorwurf der Schwäche, es ist einfach nur menschlich. Auch Brühls Mönchsbrüder Michael Gwisdek und Matthias Brenner verkörpern hierbei durchaus sympathische Charaktere, sind sie doch letztlich alle drei ihrem gemeinsamen Glauben zum trotze so unterschiedlich, daß bis zum atmosphärischen Ausklang stets für höchst abwechslunsgreiche, charmant-komische bis mitunter auch emotionale, nachdenklich stimmende Momente gesorgt ist. Insgesamt ein doch höchst facettenreiches Filmerlebnis, dessen unterhaltsame Italien-Odyssee vielleicht einzig etwas arg konstruiert wirkt. Wirklich stören tut dies jedoch nicht, da es schlussendlich sehr schön in den unterschwellig ironisch-augenzwinkernden und überspitzten Stil des Filmes passt!

Doch ist "Vaya con Dios" neben seinen inhaltlichen Qualitäten in zweiter Linie vor allem auch ein Fest für die Ohren in Form cantorianischen Kirchengesangs, welcher, zum täglichen Ritual seiner Mönche gehörend, einige kleine Performances im Film besitzt. Ob man derlei Klänge nun zu schätzen weiss oder nicht, Klasse besitzen sie insbesondere im Zusammenspiel mit dem sehr ausgewogenen und farbenfrohen Bilderstil des Filmes (gerade der Beginn der Reise bietet einige sehr gelungene Landschaftsaufnahmen) in jedem Fall. Eine wirklich hervorragende, gestalterische Leistung von Zoltan Spirandellis!

Fazit: Eine leichte Komödie mit einer Prise Anspruch und einer noch größeren Prise Gefühl - Womöglich kein Film für die breite, effektversessene Masse, seine Qualitäten besitzt "Vaya con Dios" aber unbestritten! Trotz einiger Kirchenmusik handelt es sich hier nicht um einen ebensolchen Film, nur um das abschliessend noch einmal zu betonen. Wer gerne mal über den Hollywood-Tellerrand hinausschaut, sollte hier ruhig mal einen Blick riskieren.
Die Präsenz Daniel Brühls dürfte in jedem Fall den ein oder anderen hinter dem Ofen hervorholen..

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