Review

"Ich seh mich mit einer harten Wahrheit konfrontiert. Ich werde hier
draußen nicht klarkommen. Ständig ertapp ich mich bei dem Gedanken,
wie ich gegen meine Bewährung verstoße, damit sie mich vielleicht
wieder zurückschicken."

Wenn man im Internet in der imdb oder auch hier in der ofdb auf die vorderen Plätze guckt, wird man der "Pate", "Stirb langsam" und "Pulp fiction" finden und sich im ersten Moment wundern, dass zwischen diesen bekannten und zeitlosen Meisterwerken "Die Verurteilten" zu finden ist. Wenn man dann auch noch feststellt, dass die Romanvorlage von Stephen King verfasst wurde, der ja eigentlich eher für Schundfilme bekannt ist, ist die Verwunderung groß. Und wenn man dann auch noch feststellt, dass der Film von Frank Darabont, der vorher kaum bekannte Filme schaffen konnte und außer "The Green Mile" auch später kein Meisterwerk schuf, ist, stellt man sich natürlich die Frage, ob der Film halten kann, was andere versprechen.

"Ich bin unschuldig, Red. Genauso wie jeder andere hier."

1946 wird der Bankangestellte Tim Robbins wegen des Mordes an seiner Frau und ihres Geliebten zu einer Gefängnisstrafe von zweimal lebenslänglich verurteilt. Anfangs ist er ein Einzelgänger und ist täglich den Schikanen der anderen Gefangenen ausgesetzt und auch die sadistischen Aufseher und der Direktor zeigen ihm, was sie unter Disziplin verstehen. Nur die Freundschaft zu Morgan Freeman gibt ihm die Kraft durchzuhalten. Dann wird er auch noch in die illegalen Geschäfte des Direktors verstrickt und es stellt sich heraus, dass er unschuldig ist, was der Direktor jedoch nicht wahrhaben will.
Die Story ist genial. Der verschlossene Robbins ist hervorragend konstruiert und sein schreckliches Schicksals wird sehr gut dargestellt. Auch Freeman wurde sehr gut konstruiert, genauso, wie die übrigen Gefängnisinsassen. Die Wendungen sind brilliant. Im Mittelteil können sie das harte Gefängnisleben sehr gut darstellen und vor allem am Ende sind sie unvorhersehbar und genial gemacht. Ganz untypisch für Stephen King bleibt die Story immer realistisch und liefert eine hervorragende Vorlage für dieses Meisterwerk.

"Ich hab vieles gelernt, Sir. ich kann heute sagen, ich bin ein anderer
geworden. ich bin für die Gesellschaft nicht mehr gefährlich, Sir. Das
schwöre ich, Gott ist mein Zeuge."


In den ersten Szenen sieht man, wie Robbins zu seiner Freiheitsstrafe verurteilt wird und bereits nach wenigen Minuten sitzt er im Gefängnis und wird schikaniert. Der Film läuft dann ein wenig langsam an, kann aber im Mittelteil einen hohen Unterhaltungswert entwickeln. Der Film wird zunehmend emotionaler und spannender, obwohl das Erzähltempo relativ langsam ist. Das Finale ist überaus spannend und bietet einige Überraschungen. Alles in allem ist der Film überaus unterhaltsam und größtenteils spannend und fesselnd.
Die Filmmusik fällt kaum auf und ist genauso kalt, wie der ganze Film wirken soll. Die melancholischen Klänge werde nur einmal durch italienische Opernmusik unterbrochen. Die Kulisse ist ebenfalls kalt und gefühlsarm. Genial ist ebenfalls, dass sich das Gefängnis nicht ändert und die kalten Mauern die Jahrzehnte überdauern, während sich die Welt außerhalb des Gefängnisses rasant ändert. Das Gefängnis wirkt unvergänglich, als wäre die Zeit stehen geblieben, wie es den Insassen ja auch vorkommen muss. Wirklich alles, das Licht, die Farben und die Menschen wirken trostlos und kalt.
Frank Darabont schafft es mit dieser hervorragenden Kulisse und der melancholischen Musik, eine trostlose Atmosphäre zu gestalten, die hervorragend  mit dem langsamen Erzähltempo harmoniert. Dennoch lässt Darabont immer einen Funken der Hoffung bestehen.
Hervorragend ist auch, dass noch gezeigt wird, dass sich die ehemaligen Inhaftierten in der Gesellschaft nicht mehr zu Recht finden, da sie erst entlassen werden, wenn sie sich ans Gefängnis gewöhnt haben und endgültig gebrochen sind.

"Und wenn sie dich in deine Zelle stecken und das Gitter krachend
zuschlägt, weißt du, dass das kein Traum ist. Im Bruchteil einer
Sekunde ist dein Leben dahin. Nichts ist mehr davon übrig. Du hast nun
alle Zeit der Welt um darüber nachzudenken."

Tim Robbins spielt seine Rolle wirklich hervorragend. Er zeigt kaum Gefühle und ist damit genauso kalt, wie das Gefängnis. Auch in "Mystic River" spielte er später wieder die Rolle eines verschlossenen, vom Schicksal gestraften Menschen und bekam für diese Darstellung den Oscar. Morgan Freeman ist ebenfalls hervorragend und spielt seine Rolle mit der nötigen Kälte. Er beweist mal wieder, dass er zu den besten Charakterdarstellern überhaupt gehört. Es ist wirklich selten, dass man in einem Film ein solches Traumduo bewundern kann. Die beiden Oscar-Preisträger ergänzen sich hervorragend und leisten sich keinen einzigen Aussetzer. Während die Jahre außerhalb des Gefängnisses vergehen, ist an den beiden Hauptfiguren kein Wandel erkennbar. Die übrigen Nebendarsteller sind ebenfalls gut, egal ob die Insassen, oder die sadistischen Wachen, wirklich alle leisten hervorragende Arbeit.
Frank Darabont leistet in jeglicher Hinsicht sehr gute Arbeit. Er setzt Kulisse und Musik hervorragend um und kann das beste aus seinen beiden Hauptdarstellern herausholen. Er verfilmte bereits mehrere Stephen King Romane, wie z.B. "The Green Mile" oder "Der Nebel". Wie bei den Verurteilten ist auch "The Green Mile" ein hervorragendes Gefängnisdrama, bleibt nur zu hoffen, dass Darabont so weitermachen kann.

"Die Mauern hier sind schon komisch. Anfangs haßt du sie, nach einer
gewissen Zeit gewöhnst du dich dran. Und wenn noch mehr vergangen ist,
kannst du ohne sie nicht mehr leben."

Fazit:
An diesem Film ist wirklich alles kalt und trostlos. Die Kulisse und die Musik und auch die Personen. Die alltäglichen Probleme hinter Gittern werden hervorragend dargestellt und von gut konstruierten Charakteren verdeutlicht. Im ganzen Film wimmelt es förmlich von Symbolen und tollen Dialogen. Das Gefängnis wird als eigene, unvergängliche Welt dargestellt, die ihre Bewohner erst entlässt, wenn sie vollends gebrochen sind. Hinzu kommen noch die wirklich hervorragenden Darsteller. Objektiv und subjektiv betrachtet ein Meisterwerk und eines der besten Gefängnisdramen aller Zeiten.

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