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„Light of Day“ mit Michael J. Fox und der Rockmusikerin Joan Jett in den Hauptrollen ist eine Mischung aus Musikfilm und Drama über den „Rock’n’Roll-Way-Of-Life“ und innerfamiliäre Konflikte durch das Aufeinandertreffen desselben mit den bürgerlich-religiösen Wertvorstellungen des Elternhauses. Und natürlich über die Achtziger, denn 1987 von US-Regisseur Paul Schrader verfilmt, steckt solch ein Film natürlich voller Zeitkolorit.

Michael J. Fox mimt als Joe einmal mehr den sympathischen, netten jungen Mann und spielt hier zusammen mit seiner Filmschwester Patty (Joan Jett) in der Band „The Barbusters“. Joan Jett beweist dabei durchaus eindrucksvoll ihr Schauspieltalent, indem sie ihren Charakter als antibürgerliche Rock-Rebellin, die es mit Gesetz und Moral nicht so genau nimmt und vor Leidenschaft für ihr Musikerinnendasein brennt, glaubwürdig darstellt. Niemand außer ihr kennt den Vater ihres unehelichen Kindes und mit ihrer zusätzlichen Mutterrolle scheint Patty überfordert zu sein; sie hat Schwierigkeit, beides unter einen Hut zu bringen. Im Laufe des Films werden nach und nach die Gründe für ihre Ablehnung ihres Elternhauses und die Flucht in die Welt der Musik bekannt, angenehmerweise wird sich dabei sehr mit Wertungen und Klischees zurückgehalten. So wird die Musikszene keinesfalls als Sündenpfuhl dargestellt, insbesondere Joe dient als Projektionsfläche für ein (im bürgerlichen Sinne) positives Bild eines Rockmusikers. Eine Ausnahme stellt dabei die Darstellung der Heavy-Metal-Subkultur dar, die als irgendwie böse und klischeebehaftet, oberflächlich und trendig (verglichen mit dem Pubrock der „Barbusters“) gezeichnet wird. („Metal? Was’n Scheiß, ich spiel’ doch keinen Metal-Rock! Jeder Wichser spielt heut Metal-Rock!“ / „Metal braucht keinen Text!“) Dennoch machte man sich die Mühe, authentische Musik für Pattys Zwischenstation in einer Metal-Band auszusuchen, ihre in den Film integrierte Bühnenperformance kann sich hören lassen – wie übrigens auch fast jegliche andere Musik der verschiedenen Bandprojekte, die in diesem Film vorkommen. Die eigene Filmmusik, die nicht dem Rockbereich zuzuordnen ist und zur Untermalung im Hintergrund dient, stinkt dagegen in einigen regelrecht nervigen Momenten ziemlich ab. Die Dramaturgie geriet etwas holperig, mit leichter Überlänge wird der Bogen vom ersten Ansprechen der Konflikte bis zum Ende mit der Auflösung der Hauptursache über zahlreiche Zwischen- und Nebenschauplätze gespannt und sehr weit ausgeholt. Das ist aber nicht unbedingt ein Minuspunkt, denn die in der Musikszene spielenden Szenen machen weitaus mehr Spaß als das dramatische Element, das zudem gegen Ende arg seltsam wirkt (Achtung, Spoiler!):

Warum wird Pattys und Joes Mutter „tüdelig“, wenn sie an Gebärmutterhalskrebs leidet? Wären das nicht eher die Anzeichen einer Altersdemenz? Die sich am Schluss herauskristallisierende Pointe, dass ausgerechnet der ach so fromme Pfarrer (oder so, ein Kirchenheini eben), der in engem Kontakt mit der Familie steht und zu dem besonders die Mutter stets heraufgeschaut hat, der Vater Pattys Sohnes ist, liefert eine recht plakative, „einfache“ Erklärung für Pattys Abneigung gegen das gottesehrfürchtige Leben ihrer Eltern und den damit verbundenen, für sie natürlich extrem heuchlerischen Moralvorstellungen, unterstreicht durch diese Art der Autoritäts- und Kirchenkritik aber nochmals, dass es sich hierbei keinesfalls um einen reaktionären Film handelt – allem offensichtlichen Unverständnis für z.B. den Heavy Metal zum Trotz.

Unfreiwillig komisch wird „Day of Light“ dann und wann, wenn die wirklich ganz schlimmen 80er-Klamotten und- Frisuren ausgepackt werden und für den einen oder anderen wird es sicherlich irritierend wirken, Schwiegermamis Liebling Michael J. Fox zusammen mit Joan Jett und mit E-Gitarre in der Hand rocken zu sehen. Für Joan-Jett-Fans ein Muss, für Musik- und 80er-Freunde sicherlich interessant; Liebhaber tiefgründig-dramatischer Kost dürfen „Light of Day“ aber gerne ignorieren; auf diesem Gebiet gibt es weitaus besseres. Ein nettes, kleines Filmchen, das trotz seiner illustren Besetzung ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein scheint. Dazu bei trug hierzulande vielleicht die sehr mittelmäßige deutsche Synchronisation. Umso bedauerlicher, dass die DVD von e-m-s den Originalton nicht enthält.

P.S.: Ich bin kein Joan-Jett-Experte, insofern entzieht es sich meiner Kenntnis, wie viele ihrer regulären Stücke für diesen Film verwendet wurden, ob etwas und wenn ja, welche Songs von ihr eigens für den Film geschrieben wurden etc.

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