Dem wagemutigen Seher von NIGHT CLAWS - DIE NACHT DER BESTIE steht eine in jeder Hinsicht wahre Zeitreise bevor. Ganz im Stil der 80er Jahre beginnt es mit einer Liebesszene zweier Jugendlicher im Auto, die selbstverständlich nicht ungestraft enden darf. Die sozial-moralische Komponente dieses Zusammenhangs soll hier ausnahmsweise mal nicht weiter diskutiert werden. Im wilden Gefummel gibt es zu dieser Szene den folgenden grandiosen und nicht lippensynchronen Dialog: SIE: "Hast Du das gehört, ein Tier glaub' ich, irgendwas ist das draußen?" ER: "Baby hör mal! Da ist gar nichts, vielleicht Wolf oder ein Bär…keine Sorge, wir sind im Auto, uns kann nichts passieren". Nicht ganz uneigennützig fügt er hinzu: "Wir waren noch nicht ganz fertig…". Berühmte letzte Worte, denn sie haben nicht mit (der) Super-Bestie gerechnet…
Und schon schlägt das Zottelvieh zu und sofort fliegen Füße und der Kopf des Testosteron-Jüngers durch die Gegend. Ein erster optischer Eindruck lässt eine Mischung aus mutiertem Riesen-Alf und wegen Hässlichkeit ausgestoßenem Yeti-Nachwuchs vermuten. Die anschließende Story handelt dann von der äußerst authentischen "Wissenschaftlerin" Sarah Evans (Leilani Sarelle), die mit Hilfe des Sheriffs und anderer Helfer sich auf die Spuren der Beste machen. Natürlich gibt es auch andere Hunter die dem Tierchen nachjagen…Es ist sicher unnötig zu erwähnen, dass sowohl der weibliche Deputy, als auch die Wissenschaftlerin rein optisch ihr Handwerk eher beim Tabledance gelernt haben als auf der Uni. Zumindest wurde das erste Professorengehalt in ein paar Pfund Silikon investiert.
Auch die deutsche Stimme der Wissenschaftlerin würde sehr gut in den Berufszweig der weiblichen Berufstelefonistin im Bereich der Erwachsenenarbeit passen. Wir erleben also einen ausgemachten MILF-Alarm vom Feinsten. Unglaubliche und semantisch-entleerte Dialoge, halsbrecherische Synchronisationsarbeit und ebensolches Verhalten gehören zum festen Handwerkszeug des Films, der sich im Vorspann auch APEX-PREDATOR nennt. Leider begeht der Film nach den ersten 2 Minuten Action den berühmten Trashfilm-Fehler, dass außer sinnfreien Dialogen unter Schwachsinnigen nicht mehr viel passiert. So dauert es ganze 30 Minuten bis wieder Schwung in die Bude kommt, aber bei völliger Dunkelheit agiert die Bestie kaum sichtbar und der Gewaltfaktor bewegt sich in dieser Phase in etwa auf dem Niveau von Nachmittagskindersendungen zum Gruseln.
Auch danach bewegt sich vieles im Dunkeln und nur im letzten Drittel darf das wilde Ding mal wieder Köpfe zerquetschen und man muss sich verdammt anstrengen, um den Menschen im Latexanzug zu abstrahieren. So geht dies bis zum Ende hin und der Fellrüpel hat so gut wie keine Auftritte mehr. Schade, einfach mehr Blut und Action, mehr Unsinn, mehr Screams, mehr Unlogik oder sonstiges aus dem Bereich "over-the-top" hätten genügt, um dem Filmchen zumindest einen Anflug von Profil zu verleihen. NIGHT CLAWS nimmt sich zwar wirklich nicht ernst, aber selbst für erfahrene Trashfreunde gibt es keinen filmischen Rettungsanker vor dem Absturz in das wilde Tal der D-Filme. Regisseur David A. Prior hat schon eine Reihe von ähnlichen B-D-Filmen auf dem Rücken und NIGHT CLAWS wird niemals nicht zu seinen Vorzeigeprojekten gehören.
2,5/10 Klauen….äh,….Punkten