Review

Wer regelmäßig Filme einschließlich des Abspanns sieht, dem wird gewiss aufgefallen sein, dass da auch immer ein Gaffer an Bord ist. Und das ist nicht etwa einer, der während der Dreharbeiten Maulaffen feil hält, sondern der Oberbeleuchter, der mit Scheinwerfern und anderen Lichtquellen hantiert. Kurzum, Regisseur und Autor David A. Prior scheint so jemanden nicht zu kennen, denn die Nachtszenen in seinem Monsterfilmchen sind kaum noch zu definieren.

Sheriff Joe Kelly und Anthropologin Sarah sehen sich nach einem Doppelmord im Wald mit einer unbekannten Kreatur konfrontiert, da am Tatort lange tierähnliche Haare gefunden wurden. Die Legende von Bigfoot macht die Runde, doch ehe die Jäger zuschlagen können werden sie selbst zu Gejagten...

"Seid ihr verrückt oder nur ein bisschen doof?" - Erstgenanntes hätte dem Streifen vielleicht noch einen Trash-Bonus eingebracht, doch leider gerät er ein wenig mehr als nur ein bisschen doof. Nach der fast schon passablen Einstiegsszene, als ein Knutschpaar im Wald von etwas Pelzigem kurzerhand um die Ecke gebracht wird, muss man sich mit völlig uninteressanten Figuren herumschlagen, welche viel zu lange um den heißen Brei reden, anstatt mal Taten folgen zu lassen. Die Nebenhandlungsstränge mit einer fünfköpfigen Wandergruppe und drei zwielichtigen Jägern sind derweil zu unterentwickelt, um überhaupt Interesse für eine Figur aufbringen zu können.

Von einem Monster ist indes lange Zeit gar nichts zu sehen, was bei der fast nicht vorhandenen Ausleuchtung wenig wundert. Bei den Nachtszenen im Wald hätte man es zumindest mit einer Taschenlampe versuchen können, doch sobald ein wenig Bewegung im Spiel ist, erkannt man fast gar nichts mehr. Gleiches gilt für die unzuverlässige Kamera, welche in einigen Szenen völlig dilettantisch hin und her schwenkt, als hätte zwischendurch ein Kleinkind die Kontrolle am Set übernommen.

Letztlich ist von Bigfoot fast nur die Mundpartie mit schiefen Zähnen zu sehen, die grobe Gestaltung und die lieblose Verpackung einschließlich einiger Statisten im Pelzkostüm passen jedoch zum Rest des langweiligen Geschehens. Splattertechnisch gibt es zwar noch einen zerquetschten Schädel und einen abgetrennten Kopf, doch anderweitig macht sich der Mangel an Bewegung spätestens zur Halbzeit bemerkbar.

So geben sich ausdruckslose Mimen und zum Overacting neigende Darsteller ein Stelldichein, es kommt zu einem Twist, dessen Erklärung völlig hanebüchen ist, ein stotternder Doc und ein saufender Redneck nerven am Rande und am Ende ist man froh, dass der Abspann bereits nach 77 Minuten eingeläutet wird. Ach ja, Frank Stallone mischt für eine halbe Minute auch mit und der sieht seinem Vater zunehmend ähnlicher, doch das macht den Braten am Ende auch nicht mehr fett.
"Night Claws" ist ein amateurhafter Monsterstreifen, der weder Trash noch Unterhaltung bietet, sondern einfach nur schlecht und inhaltslos in Szene gesetzt ist.
Knapp
3 von 10

Details
Ähnliche Filme