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Sehr stimmungsvolle Hommage an ein viel zu kurzes Künstlerleben

Die Geschichte des französischen Chansonnier Claude ("Cloclo" oder auch "Clo-Clo" genannt) François (1939-1978) ist aus mehreren Gründen ein passender Inbegriff der großen Pose, des klassischen Künstlers und einem relativ kurzen, aber intensiven und schillernden Leben für die Musik. Sein Werdegang wird von klein an in fast märchenhaften Bildern nachgezeichnet bis hin zu seinem künstlerischen Gipfel in den 60er und 70er Jahren. Das Zusammenwirken von Musik, Soundtrack und bunten Bildern durch die Jahrzehnte ist stets stimmungsvoll und auf detailgetreue Authentizität bedacht.

Die Überlänge von rund zweieinhalb Stunden trägt zu diesem fast epischen Eindruck dieser filmischen Biografie bei. Man spürt Cloclo's Leidenschaft zur Musik schon in jungen Jahren und es ist klar, dass er dies zu seinem Beruf machen wird. MY WAY – EIN LEBEN FÜR DEN CHANSON wird auch angemessen viel Zeit auf seine bunten arabischen Einflüsse und dem Mix aus einer italienischen Mutter und dem französischen Vater gelegt. Die Beziehung zu seiner Familie ist stets und bis zuletzt ein wichtiger Faktor. Im weiteren Verlauf erleben wir die Höhen und Tiefen und Mechanismen des Musikbusiness zu dieser Zeit.

Wie viele Stars starb er früh und in sehr sinnlos wirkendem Kontext als er in der Badewanne eine defekte Lampe anfasste. Da er zu diesem Zeitpunkt nicht einmal 40 Jahre war, trägt dies wie immer einen Teil zur erfolgreichen Legendenbildung bei. Hauptdarsteller Jérémie Renier kann die exzentrische Art, die künstlerische Attitüde und den wechselhaften und manchmal exaltierten Charakter von Cloclo sehr glaubhaft darstellen und er verfügt auch über die gewisse Präsenz und künstlerischen Fähigkeiten in Bezug auf Körperspannung, Musik, Tanz und Bewegungen um dies ansprechend auf der Leinwand umzusetzen. Zugute kommt ihm auch sein recht ähnliches Aussehen.

In einigen Szenen agiert er leicht holzschnittartig und übersteigert manieriert. Dies fällt aber wenig ins Gewicht, da diese Stimmung in der Rolle und in der Person bestens angelegt ist. MY WAY ist eine Reise in die Vergangenheit als Stars noch ganze Generationen von Menschen zu begeistern wussten. Das Biopic MY WAY ist Nostalgie pur und die aufwendigen Bühnenshows, die knalligen Farben und Kostüme, die dichte und niemals langatmige Handlung ergeben eine stimmige Einheit, in die man sich durch das ausschalten allzu kopflastiger Hirnareale sehr gut fallen lassen kann.

Es ist eine sehr große Ironie des Musikbusiness, dass sein bekanntestes Chanson "Comme d’habitude" von Frank Sinatra in Form des noch bekannteren "My way" als einer der in der Breite bekanntesten Welthits gecovered wurde. Dieser ist auch musikalischer Mittelpunkt einer emotionalen Szene in der Mitte von MY WAY. Nicht nur dass diese inhaltlich/textlich recht verschieden sind, auch Frank Sinatra hat sich später immer mehr erfolglos versucht von diesem Lied zu distanzieren. Zuguterletzt hat wiederum Cloclo auch "My way" in seiner Version "re-covert", was auch kurz vor Schluss zu bewundern ist.

Es gibt eine Reihe von authentischen Dokumentationsszenen zu bewundern, die sich gut und nicht vordergründig in die Spielfilmhandlung einfügen. Gekrönt wird diese gute Melange mit den realen und aufwühlenden Bildern rund um seinen aus Fansicht tragischen Tod. Für Fans und Anhänger von Claude François ist MY WAY ein unverzichtbarer Film. Aber auch wer zu jung ist und ihn nicht kennt wird die Möglichkeit haben, an einem Ausschnitt des Lebensgefühls zu dieser Zeit und der damit verbundenen sehr leichtfüßigen Musik teilzuhaben.

7/10 Schlaghosen....äh,....Punkten

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