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Der Markt actionorientierter Thriller ist sehr groß und jeder Neuzugang hat es schwer hier überhaupt Beachtung zu finden. INTERVIEW WITH A HITMAN besticht durch einen eigenen ruhigen Stil mit schnellen Gewaltausbrüchen ohne Kompromisse, guter Kamera und Atmosphäre und einer zwar einfachen, aber interessant dargebotenen Geschichte. Desweiteren gibt es mit Luke Goss einen für diese Rolle recht fähigen Hauptdarsteller aus der 2. Reihe der Darstellerriege Hollywoods mit guter, gewollt emotionsloser Ausstrahlung. Ihn kennen wir aus unter anderem DEATH RACE, HELLBOY und TEKKEN. Er lebt in einer eigenen Welt als Krimineller Victor die frei von Vertrauen ist und bei der verlieren oder etwas nicht erreichen keine Option ist.

Seine Genese und charakterliche Bildung wird in den Bildern seiner Kindheit gut zum Zuschauer transportiert. Die Geschichte dreht sich insbesondere um seinen persönlichen Machtkampf mit der Unterwelt zu der er auch gehört. Wort- und dialoglos vergehen die ersten Filmminuten mit aufpeitschender Filmmusik und nach einer gleich recht verstörenden Szene mit Kindern folgen wir stumm unserer Hauptperson während recht atmosphärischer Szenen beim Joggen und mit einer unbekannten Frau. Prägend für INTERVIEW WITH A HITMAN sind die Bilder in seiner rauen Kindheit und der Taten die dort begangen hat. Hier kommt der Film leider nicht ohne Übertreibungen und einige Klischees aus.

Diese Erfahrungen aus seiner Kindheit kann er nicht ignorieren und somit kann er Chancen für ein neues Leben nicht immer ergreifen. Seinen B-Filmcharakter kann INTERVIEW WITH A HITMAN aber in diesen Phasen nicht ganz verbergen. Die Umsetzung mit der Stimme aus dem off wirkt etwas steif und erklärt Dinge die besser dramaturgisch durch die Handlung vermittelt werden sollten. Die deutsche Synchronisation ist bescheiden und leistet ihren Beitrag, auch wenn der Film selbst dazu ja nichts kann. Die Nebencharaktere wirken etwas holzschnittartig, genau so wie viele der Dialoge die Ihnen in den Mund gelegt werden.

Overacting ist hier ein wenig an der Tagesordnung der teils sehr schrägen, aber farblosen Charaktere. INTERVIEW WITH A HITMAN spricht ganz klar die einfachen tiefliegenden Triebe in uns an und stellt die Gewalt oft etwas selbstzweckhaft in den Vordergrund und kann vor lauter Anspruch und stylisch-düsteren Bildern kaum gehen. In diesem Kontext geht meist es um Schussverletzungen, aber diese werden ohne Vorwarnung und sehr deutlich gezeigt. In bestimmter Weise nutzt sich dieser Effekt aber im Laufe des Films aber etwas ab, da man schnell lernt, dass der gute Victor fast regungslos auf alles draufhält was sich anbietet. Auch vor Kindern wird da nicht haltgemacht.

Aber irgendwie hat INTERVIEW WITH A HITMAN eine eigene unverwechselbare Note und ist kein billiger aussehender Actiontrash. Er regt zum Denken an inwieweit die Sozialisation von Menschen wirklich so einfach und nachhaltig in die schiefe Bahn kommen kann dass aus ihnen seelenlose Killer ohne sichtbare Emotionen werden. Es scheint das Erstlingswerk von Regisseur Perry Bhandahl zu sein und dafür ist es absolut empfehlenswert. Mit einer komplexeren Geschichte, etwas weniger Pathos und prätentiösen Bildern könnte er sich noch für größere Werke qualifizieren. Für Freunde des schnellen Actionkinos ohne viel Hirnbalast a la Jason Statham könnte INTERVIEW WITH A HITMAN eine Sichtung wert sein. Der Trailer gibt hier einen guten Eindruck was einem erwartet, auch wenn der Film selbst nicht ganz das dort gezeigte Tempo hat …

5,5/10 Punkten

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