„Shining“ liegt sowohl als Kubrick-Werk als auch als King-Verfilmung qualitativ auf den vorderen Rängen.
Wie so oft bei Stephen King (auch wenn Kubrick die Vorlage in vielen Punkten verändert hat) steht hier die Familie im Mittelpunkt. Genauer gesagt, die Familie Torrance. Vater Jack (Jack Nicholson) ist ein ehemaliger Lehrer und Ex-Alkoholiker, der sich beim abgeschiedenen Overlook Hotel um einen Hausmeisterposten bewirbt. Er soll das Hotel heizen und nach dem Rechten sehen, während nach Saison-Ende außer ihm und seiner Familie niemand da sein wird. Schon die Abgeschiedenheit des Hotels ist wichtig für „Shining“, denn Isolation und Einsamkeit (selbst innerhalb der eigenen Familie) sind hier zentrale Themen.
Mehr aus Gefügigkeit denn aus eigenem Willen begeben sich Ehefrau Wendy (Shelley Duvall) und Sohnemann Danny (Danny Lloyd) ins Overlook Hotel. Der Koch, Dick Hallorann (Scatman Crothers), stellt fest, dass Danny das Shining besitzt: Eine Fähigkeit mit deren Hilfe er telepathisch mit Leuten, welche die gleiche Veranlagung haben, kommunizieren kann – wie Hallorann. Auch Dannys imaginärer Freund Tony ist mehr als eine Erfindung, sondern scheint auch über das Shining mit ihm verbunden zu sein und um die Zukunft zu wissen. Dann weiß auch jeder, was der Titel bedeuten soll, auch wenn das Shining gar nicht mal so sehr die zentrale Rolle in dem Film spielt.
In der Abgeschiedenheit des Overlook Hotels will Jack ein Manuskript fertig stellen, das ihm zu einem Neuanfang verhelfen soll. Doch das Hotel, in dem nach Aussage des Managers zehn Jahre zuvor der Hausmeister ausrastete und seine Familie mit der Axt zerstückelte, birgt düstere Geheimnisse und bald sehen sich sowohl Danny als auch Jack mit Geistern konfrontiert. Diese ziehen Jack immer mehr in ihren Bann…
„Shining“ ist ein Klassiker des subtilen Horrorfilms, was vor allem daran liegen könnte, dass er zwar Elemente aus verschiedenen Subgenres enthält, aber nicht eindeutig zuzuordnen ist. Im Wahnsinn erscheint Jack wie der Killer im klassischen Slasherfilm, aber der Weg dorthin erinnert eher an den subtilen Psychohorror. Doch andrerseits beruht das Treiben hier auf dem Tun des Overlook Hotels, das in gewisser Weise ein Geisterhaus ist (und zudem auf einem Indianerfriedhof erbaut wurde).
Kubrick setzt nicht auf übertriebene Gewalt, sondern lässt den Horror viel subtiler kommen. Es gibt es ein paar sehr effektiv eingesetzte Schockmomente (z.B. in Zimmer 237), aber viel besser noch ist die Tatsache, dass langsam und stetig eine Atmosphäre der Bedrohung aufgebaut wird. Jacks Grinsen, anfangs beinahe so süffisant wie bei Nicholson üblich, wird immer mehr zur bedrohlichen Fratze und auch die Geistererscheinungen nehmen nur langsam bedrohlichere Ausmaße an. Allerdings kann der Film nicht soviel Angst machen wie z.B. „Halloween“ oder „Nightmare on Elm Street“, da das Overlook Hotel als Bedrohung nicht so effektiv ist wie ein mobiler Killer.
Die Geschichte ist dicht, baut einen sehr guten Spannungsbogen auf und lässt nur wenig Anlass zur Kritik. So ist gerade Kubricks üblicher Trick die Charaktere zu abstrahieren hier etwas fehl am Platz, denn Kings Stärke sind nun mal die Charaktere. Jack ist noch gut ausgestaltet (er ist der Patriarch der Familie, aber gerade dieser Zug macht ihn zur perfekten Angriffsfläche für die Geister), aber über Wendy erfährt man fast gar nichts und auch bei der Figur von Danny bleiben einige Fragen offen (gerade im Bezug auf Tony, über den man im Roman eindeutig mehr erfährt).
Klasse ist das Design des Schauplatzes. Fast der komplette Film spielt im Overlook Hotel, verbreitet klaustrophobische Spannung und lässt dennoch nie eine echte Topographie des Komplexes deutlich werden – analog zu dem famos gestalteten Labyrinth vor den Toren des Hotels. Dies kam im Roman nicht vor, ist aber eine gelungene, atmosphärische Ergänzung Kubricks. Auch die Teppiche greifen die Idee des Labyrinths wundervoll auf, wenn man Danny in jenen beeindruckenden Kamerafahrten folgt, als er auf seinem Dreirad durch das Hotel fährt.
Jack Nicholson spielt hier mal wieder großartig und setzt sein typisches Grinsen hier als diabolisches Anzeichen des Wahnsinns ein. Da muss Shelley Duvall zurückstecken wie auch Danny Lloyd, wobei beide ebenfalls gut sind (Lloyd vor allem für sein Alter). Die restlichen Darsteller sind ebenfalls überzeugend, aber haben aufgrund der Geschichte nur sehr wenig Screentime.
So bleibt ein sehr spannender Horrorfilm mit dem Kubrick etwas ganz Eigenes in diesem Genre geschaffen hat. Zwar gibt es Filme, die mehr Angst machen, und einige Charaktere könnten etwas besser ausgearbeitet sein, aber fesselnd, atmosphärisch dicht und gelungen ist das Ergebnis definitiv.