Ach, könnte man das menschliche Gehirn bzgl. der Erinnerungen doch genau so kontrollieren wie die Daten auf der Festplatte eines PCs. Im Falle von „Shining“ würde ich jedenfalls so viel wie bei keinem Film sonst daran setzen, diese Fähigkeit zu erlangen, da dieses Meisterwerk für ein Ereignis steht, das man leider, leider nur bei der ersten Ansicht erleben kann.
Stanley Kubrick erschafft mit seiner virtuosen Regiearbeit eine derart unbehagliche und beklemmende Atmosphäre, die schon zu Anfang spürbar ist, sich immerzu steigert und dementsprechend unerträglicher wird. Besonders respektabel ist dabei, dass er fast ohne vordergründige Schockeffekte auskommt, sondern vielmehr unzählige Elemente in das Geschehen einstreut, die erst zusammen ein schauriges Resultat erzielen, obwohl sie, separat betrachtet, überhaupt nichts direkt Beängstigendes an sich haben. Eine Kunst, die nur echte Profis besitzen und sie daher von den Amateuren klar unterscheidet. Dennoch geht die unvergleichliche Atmosphäre nicht allein auf Kubricks Konto. Neben der brillanten musikalischen Untermalung ist es die vortreffliche, wohlgemerkt auch von Kubrick ausgewählte Besetzung, und darunter vor allem Jack Nicholson. Seine Rolle als abgebrühter Hausmeister, für die er wie geschaffen scheint (gut beobachtet von Kubrick!), füllt er so perfekt aus, dass dabei sämtliche Darsteller um ihn herum eigentlich kaum noch wahrgenommen werden. Dies ist einerseits sehr schade, da die übrigen Akteure in ihren Rollen ebenfalls fabelhafte Leistungen vollbringen, andererseits zeigt es eindrucksvoll das Potenzial, welches in Nicholson steckt und ihm ermöglicht, andere regelrecht an die Wand zu spielen. Nichtsdestotrotz wäre es mehr als unangebracht, die Arbeit von Shelley Duvall und Danny Lloyd nicht zu würdigen, zumal es die beiden aufgrund der hohen Ansprüche von Seiten Kubricks alles andere als leicht hatten. Anerkennung sollte ebenso den Nebendarstellern gelten, in erster Linie Scatman Crothers und Philip Stone, der als früherer Hausmeister einen wirklich grandiosen Auftritt hat, denn auch sie tragen ihren Teil zum runden Gelingen bei.
„Shining“ ist aber nicht nur ein einfacher Horrorfilm. Er verdient es mehr, als „Kunstwerk“ bezeichnet zu werden, da er durch seine ganzen schöpferischen, teils nicht eindeutig zu enträtselnden Bestandteile, für die vorwiegend Kubrick verantwortlich ist, einen viel komplexeren Charakter hat als herkömmliche Genre-Vertreter. Eine ausführliche Analyse würde den Rahmen dieses Reviews sprengen, deshalb sei lediglich darauf hingewiesen, dass man auch nach mehrmaligem Anschauen immer noch hier und da die eine oder andere Feinheit bemerkt, die einem bisher nicht bewusst aufgefallen ist. Deshalb sollte man allerdings beim ersten Mal nie den fatalen Fehler begehen und an eine andere Stelle zurückkehren, weil man glaubt, dort irgendein Detail übersehen zu haben. Es bietet sich am ehesten an, den Film abends, möglichst allein und ohne Unterbrechung an zu schauen und erst bei späteren Wiederholungen bestimmte Szenen mehrmals zu erforschen. Meine persönliche Empfehlung ist übrigens die Originalversion aus den USA, in der sich erst die volle Wirkung des Films entfaltet. Die europäische Fassung mag dagegen weniger langatmig erscheinen, ist jedoch u.A. wegen der vorenthaltenen Informationen über die Figuren nur das halbe Vergnügen.
Fazit: Bester Horrorfilm, den ich jemals sah.