Review

Es wurde hier und überall schon so viel über 'The Shining' diskutiert, dass ich hier alle eindeutigen Punkte gar nicht mehr gross erläutern will.

Es ist unbestritten, dass 'The Shining' bis dato einer der besten Psychohorrorfilme ist und sozusagen dieses Genre gegründet und fest etabliert hat. 'The Shining', vor 'Misery' die beste Verfilmung eines Stephen King Romans, wurde drehbuchmässig in einigen Punkten grundlegend gegenüber dem Roman verändert, was nicht Wenige zum Anlass der Kritik nehmen. Ich selbst habe das Buch nicht gelesen und beziehe mich exklusiv auf den Film.

Es war eine einmalige und geniale Fügung, dass auf dem Regieposten Stanley Kubrick den Film lenkte und dass Jack Nicholson die Hauptrolle des jack Torrance übernahm. Stanley Kubrick drehte in seiner Karriere nicht viele Filme; die, die er dann aber machte, waren fast immer von Genialität. Auch 'The Shining' gehört zu seinen besten Filmen, und das trotz dem Fakt, dass Kubrick im Horrorgenre nicht wirklich zu Hause war. Denoch erkennt man Kubricks Regie, die den Film hier wirklich ganz besonders macht. Der ruhige Aufbau, der im Vergleich unglaublich gewaltarme Tathergang, der trotzdem nicht schrecklicher hätte gezeigt werden können. Der Horror spielt sich hauptsächlich im Kopf ab und das macht 'The Shining' gruseliger als so manch anderen Horrorstreifen. Die Spannung kommt perfekt von zwei Seiten, die wichtigere Seite hierbei: Sie kommt vom Innern jedes Einzelnen heraus. Jede noch so harmlose Szene versteckt etwas Böses, das gar nicht gezeigt werden muss. Und erst zum Ende hin kommt die zweite Seite auch noch durch, die dem Film den unglaublichen Kick gibt. Wenn Jack seiner Famlie mit der Axt in leerem, durch Unwetter abgeschnittenem Hotel hinterherjagt, ist das Horrorkino par Excellence.

Shelley Duvall's schauspielerische Leistung als Jacks Ehefrau wurde oft bemängelt, da sie oft nur als Heulsuse abgestempelt wird, die die ganze Zeit nur hysterisch herumkreischt. Wo bitte ist da das Problem? Genau das ist doch ihre Aufgabe zum Ende des Films und angesichts der Situation doch nur verständlich. Aufgesetzt wirkt es in keiner Sekunde. Wer das Making Of gesehen hat, weiss jedoch um die Spannungen am Set mir Shelley und deshalb rechne ich ihr die Leistung sehr hoch an.
Komplettiert wird die Familie durch den Sohn Danny, der quasi ein Doppelleben führt, denn der imaginäre Tony ist sein steter Begleiter und Ratgeber und sieht für ihn Dinge, die haarsträubender nicht sein könnten. An der Stelle sei dazu nicht mehr verraten.
Wie gesagt, zu Jack Nicholson brauch ich kein Wort mehr zu verlieren, denn er IST einfach Jack Torrance. Sein im Originalton unglaublicher Dialekt, ja allein sein blankes Aussehen und blosses Erscheinen ist dem Jack Torrance gleich. 100 Punkte für Nicholson. Punkt.

Der zweite wichtige Punkt ist das Zusammenspiel von Kameraführung und musikalischer Unterlegung der Szenen. Das beginnt mit der Eingangssequenz, bei der eigentlich idyllische Helikopter-Kamerafahrten durchs Gebirge mit schon bedrohlicher, aber auch eintöniger, gleichzeitig tiefgehender Musik unterlegt werden. Monophonie, die später drastisch in ein orchestrales Durcheinander umschlagen wird, das zwar Anhören an sich schrecklich und dissonant unverantwortbar klingen würde, jedoch in Komposition mit den Bildern einen immensen Eindruck hinterlassen. Da muss gar nichts Schrecklches auf der Leinwand passieren, das Grauen itself ist in vielen Fällen die Musik, bei der man sich selbst an klassischen Grössen wie Bela Bartok bediente.
Man könnte 'The Shining' 90 Minuten Langeweile ankreiden, wären da nicht diese Kamerafahrten auf Jack Nicholson (meistens von hinten), der die Veränderung Torrance' Charakter gestaltet. Denkt man im einen Moment noch, er schreibt konzentriert und engagiert sein Buch, erfährt man durch Zusammenspiel von Kamera und Musik schon, das sich da etwas verändert. Man ahnt etwas sehr Böses, auch wenn man es noch lange nicht präsentiert bekommt. Dann - man sieht einige Zeit später das Geschriebe: es ist immer ein und derselbe sinnlose (sinnlose?? schon der nächste Vorbote für Schlimmeres) Satz und Kubrick beeinflusst den Zuschauer soweit, dass man denkt, man hat die schrecklichste Horrorszene schon gesehen! Dabei war es nur ein Stapel Papier mit einem wiederholten Satz......
Und so baut dich der Film immer weiter auf. Da muss nicht viel Blut spritzen, da muss sich keiner verkleiden und wie ein Irrer massenmorden. Es ist die pointierte Zuspitzung von Gewalt auf wenige, aber dafür umso grauenhaft mehr faszinierenden Schlüsselszenen /-aktionen, /-figuren, /-locations (Labyrinth, Zimmer 237, Konflikt der Eltern um Danny, Danny's zweite Identität).... Diese werden so unglaublich intensiv beleuchtet, dass man, wie schon gesagt, das Grauen selbst durch im Grunde genommen relativ harmlose Szenen erfährt.
Dass dann in den wenigen, für den Handlungsverlauf entscheidenden Szenen doch noch Gewalt zum Mittel wird, ist dann logischerweise der Höhepunkt und erscheint einem schon wieder realistisch. Der Horror einer Kleinfamilie.

Es ist die reine Veränderung der Charaktere, die 'The Shining' zum Horrorfilm machen. Wendy Torrance fährt mit fröhlichen Anzeichen in das ach so idyllische Winterhotel. Bis sie irgendwann meint, dass sich die anderen beiden Familienmitglieder merkwürdig benehmen und bis sie schliesslich glaubt, es spukt. Danny Torrance, der schon von klein an die Gabe hat, durch die Identität Tony Dinge zu sehen, sieht schreckliche Ereignisse im Hotel passieren. Jack Torrance, der eigentlich nur in Ruhe schreiben will, merkt, dass ihm seine Famlie mit der Zeit auf den Geist geht. Auch die Einsamkeit im Hotel setzt sich zu und wenn der Zuschauer auch HInweise erhält, dass Jack schon immer merkwürdig war, so wandelt er sich doch vom normalen Typen zur Bestie. Dies alles hat überhaupt nichts mit Geistern und/oder ähnlichem Getier zu tun, es ist allein seine Psyche, die den Horror aufkeimen lässt. Da seien nur die Szenen im 'Gold Room' genannt, die sich in Jack's Kopf abspielen. Er wird verrückt.
Danny wird durch Tony zeitweise auch zur Horrorfigur. Wendy ist auch am Rande des Nervenzusammenbruchs und will das Hotel verlassen, was aber nicht geht, und so schliesst sie sich im Badezimmer ein. Doch da sollte sie nicht lange verweilen ("Here's Johnny!!"), denn die geistig zerrottete Hauptfigur hat eine Axt in den Händen und ein Katz- und Maus- Spiel beginnt.

Ein weiterer Charakter mischt sich noch ein, den ich hier nicht näher analysieren möchte, denn letztendlich hat er keinen Einfluss auf das Ende der Geschichte.

Jack jagt Wendy durch die Hotelkorridore und Danny durch verschneite Labyrinth. Die Musik, ein einziges Gekreische. Die Kameras, temporeich und authentisch. Die Locations. eintönige, sich um endlose Ecken windende Flure und ein monoton grausames Labyrinth. Jack Torrance jagt hinter Wendy und Danny her.
Horror.
'The Shining'.

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