Mit "Shining" gelang Stanley Kubrick ein Geniestreich. Zum einen schuf er hier einen der - wenn nicht sogar den - besten Horrorfilme aller Zeiten, zum anderen hat es Kubrick geschaft, dass mehr über seine Verfilmung eines King-Romans diskuttiert wird als über fast jeden anderen.
Doch Kubrik war sich bewusst, was er hier tat. Bei der Bearbeitung von Kings Roman hat er das zu dieser Zeit wohl kaum authentische aus dem Skript gestrichen und den Roman auf das wesentliche konzentriert. So setzt der Film zwar genau da an, wo auch das Buch anfängt, aber die gesamte Vogeschichte wird einem gar nicht, bzw. erst im Nachhinein erklärt. Der Plot ist recht schnell aufgesagt:
Jack Torrance bewirbt sich als Hausmeister bei einem Hotel tief in den Bergen, wo es im Winter ganz fürchterlich schneit und man quasi eingesperrt im Hotel ist. Jack wird angenommen und zieht mit seiner Familie - Frau Wendy und Sohn Danny - in das Hotel. Doch erste Wehrmutstropfen trüben das Vergnügen. Danny unterhält sich mit dem Koch Dick und findet entgültig heraus, dass er eine Gabe besitzt, die Dick "Shining" nennt - sich verständigen ohne den Mund aufzumachen. Aber nicht nur das erkennt Danny. In den schier endlosen Ecken und Winkeln des Hotels trifft er des öfteren auf zwei Mädchen, offensichtlich Zwillinge, und in ganz schlimmen Momenten sieht er diese in einem Gang, mit einer Axt gespalten und blutüberströmt. Auch Jack steigt mehr oder mehr hinter der mysteriösen Aura des Hotels. Bald sieht er Leute, die eigentlich gar nicht da sind.
Wie schon vorher gesagt, Kubrick kürzt hier auf das wesentliche. Szenen wie die im Buch, wo Heckentiere zum Leben erwachen, darf man hier keinesfalls erwarten. In Anbetracht des Herstellungsjahrs wäre eine solche Verwirklichung allenfalls lächerlich geworden. Kubrick hat schon zwei Züge vorausgedacht bei seiner Umsetzung. Auch Jacks Erfahrungen mit dem Alkohol werden hier nur schemenhaft angedeutet, während im Buch ganze Kapitel darüber behandelt wurden. In einer Szene erklärt Jack dem eingebildeten Barkeeper, dass es nicht zwangsläufig seine Absicht war, dass er Danny vor einiger Zeit geschlagen hat. Dieser Moment ist einer der wenigen im Film, wo bewusst auf die Zeit vor dem Hotel angespielt wird. Auch diverse Rückblicke auf die ferne Vergangenheit des Hotels werden recht häufig erstickt. Man bekommt zwar mit, dass hier schon einmal ein Hausmeister seine Familie im Wahn der Einsamkeit ermordet hat, aber zu mehr Fakten lies sich Kubrick nicht verführen.
Auch bei der Besetzung kann man Kubrick nicht vorwerfen, das Aussehen und die Charaktere aus der Vorlage sklavisch nachempfunden zu haben. Jack Nicholson ist eine Idealbesetzung, auch wenn King damals persönlich an ihm Kritik geäußert hat. Nicholson sei der typische, verrückte Schauspieler, dessen Untergang im Film nichts überraschendes wäre. Und auch Shelley Duvall als Wendy wird äußerst gerne kritisiert. Neben einer weiteren negativen Äußerung Kings ("Groteske Besetzung") wurde die Schauspielern sogar für die goldene Himbeere nominiert, genau wie Kubrick selbst. Besonders bei Duvall scheinen sich hier einige Kritiker nur auf das Aussehen der Schauspielerin fixiert zu haben, was ja fast schon ein krasser Vergleich zur Original-Person im Original ist. Aber ganz ehrlich, ich dachte die Zeiten, in denen Aussehen vor Können plaziert wird, wären vorbei. Duvall gibt hier nämlich eine großartige Leistung ab, die Angst vor ihrem Mann und dem Hotel wirkt in keinsterweise aufgesetzt oder gekünselt. Höchstens Danny Lloyd als Danny (Welch Zufall?) wirkt einigemale so desinteressiert am Geschehen wie eine Zwiebel. Die Sätze des Jungen im ganzen Film beschränken sich wohl auf 10 Sätze, wahlweise ohne Subjekt, Prädikat und Objekt.
Aber nicht zuletzt die Wirkung des Films ist es, welches ihn unsterblich macht. Wenn Szenen für 1 Sekunde eingeblendet werden, wenn man Jack duch Kubricks meisterhafte Kameraführung in allen Lebenslagen bestaunen kann oder wenn eine alte tote Frau sich aus der Badewanne erhebt (Was wirklich verdammt gruselig sein kann). Letzenendes kann man sagen, dass Kubricks Film völlig zu Unrecht in Verruf geraten ist. Es gibt viel schlimmere Filme, wo Kings Einfallsreichtum durch lächerliche Neuinterpretation ersetzt werden.
Fazit
Horrorfilm der Extra-Güte. Fantastische Horrorszenen, überzeugende Darsteller und nicht zuletzt denkwürdige Kamerafahrten machen den Film trotz vieler fehlender Punkte zu einer der besten King-Verfilmung.
10/10