Ausgesprochen gelungene Verfilmung eines King-Romans, ein herausragend guter Film.
Obwohl Stanley Kubrick die Verfilmung von "The Shining" nicht immer besonders werkimmanent verfolgte, wurde die Geschichte dennoch treffend erzählt. Kubrick bewies hierbei, den Blick für das inhaltlich wesentliche des Stoffes zu besitzen. Da ich nämlich zwar den Roman, aber die rund dreistündige Langfassung des Filmes nicht näher kenne, glaube ich, daß die Vorgeschichte zur eigentlichen Handlung (vor dem Eintreffen im Overlook-Hotel) im Film erläßlich ist, da die Spuren der gestörten Situation innerhalb der Familie Torrance auch später mehr als deutlich Andeutung finden (Jack Torrance` Diskussionen mit dem irrealen Barkeeper u.a.).
Und Kubrick tut gut daran, neben dem Überbau der Handlung, nämlich dem Overlook-Hotel und seines Fluches, insbesondere dem Verhältnis zwischen Jack, Wendy und Danny Torrance viel Raum im Film darzubieten.
So ließe sich der Film in seiner dramatischen Klimax auch als zugespitzte Familientragödie deuten, indem möglicherweise erst die hysterische Wendy Jack in seiner klaustrophobischen Reaktion auf sein Leben in dem Hotel und seine erzwungene Abstinenz in die Raserei getrieben hat, würden wiederum nicht Wendy und Danny ebenfalls Zeugen von den Wahnvorstellungen, die Jack durchlebt(Blutfontänen aus den Aufzügen, Zimmer 237 usw.).
Jedenfalls überwiegen im Buch die Aspekte des Spukhaus-Horrors, gegenüber der Darstellung des Familienkonfliktes im Film.
Auf einer dritten Ebene besteht die parapsychologische Verbindung zwischen Danny und dem Koch Halloran.
Jack Nicholson erweist sich für die Besetzung des Jack Torrance als ideale Wahl. Da Torrance bereits zu Beginn des Films als argwöhnischer Charakter auftritt, liegt die Annahme nahe, daß Kubrick/Nicholson die Figur des Torrance so gedeutet haben, daß er nicht etwa vom Fluch des Hauses befallen und fremdgesteuert wird, sondern von sich her einen psychisch labilen und zum Wahnsinn neigenden Menschen darstellen soll.
Das sukzessive Abgleiten des Hausmeisters in den Blutrausch spielt Nicholson nuanchenreich und beeindruckend.
Den Höhepunkt bildet hierbei die Szene, in der Wendy feststellen muß, daß der so emsig arbeitende Schriftsteller eines Theaterstückes monatelang nur immer wieder den Satz niedergeschrieben hat : "All work and no play makes Jack a dull boy".
Das Ende im verschneiten Labyrinth, aus dem Jack Torrance - gänzlich dem Wahnsinn verfallen - nicht mehr hinausfindet, scheint mir auch wesentlich gelungener, als das spektaküläre Niederbrennen des "Spukhotels".
Abschließend ist festzustelen, daß mich Stephen Kings vernichtende Kritik an dem Kubrik-Film zu seinem Roman nicht überrascht. Der Autor bevorzugt seit jeher insbesonders streng werkorientierte Verfilmungen und die neuerliche Umsetzung von "The Shining" in Form einer TV-Serie , an der KIng selbst mitgewirkt hatte, zeigt dies in seinem Endergebnis und Vergleich zum Vorgänger exemplarisch.