Review

Die folgende Filmkritik enthält im 7. Abschnitt einen Haupt-Spoiler!
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Stanley Kubrick gilt unter vielen Filmfans als bester Regisseur aller Zeiten, was man nur zu gerne glauben mag, da er in fast jedem Genre ein Meisterwerk geschaffen hat, von Sci-Fi, über Komödie, zu Drama bis hin zu Kriegsfilmen. Für viele hat er auch ein Meisterwerk im Bereich Horror geschaffen. Dann ist die Rede von "The Shining", Kubricks Verfilmung von Stephen Kings Roman.

Keine Frage, "The Shining" ist ein guter Film, der jedoch einige Makel aufweist und als schlechtester Kubrick zu sehen ist.

Der Film handelt von Jack Torrance, der mit seiner Frau und ihrem Sohn den Winter über das unheimliche Overlook Hotel bewohnen, damit Schriftsteller Jack wieder ein gutes Manuskript zu stande bringt. Doch schon bald beginnt der Grusel: Sohn Danny besitzt das "Shining", eine telephatische Kraft, die ihm verstörende Visionen vor Augen bringt. Und auch Jack beginnt sich zu verändern...

Die für einen Horrorfilm überaus intelligente Story wurde von Kubrick technisch perfekt auf die Leinwand gezaubert. Vor allem die Kameraarbeit verdient großes Lob, die einen großen Teil des Grusels vermittelt.
Kubrick benötigt keine Allerwelts-Horrorgestalten wie Mörder oder Kapuzenmännner, nein, er erzeugt den Grusel allein mithilfe von unheimlichen Set-Dekorationen und ausgefallener Kameraarbeit, was schon mal keinen schlechten Regisseur ausmacht.
Die Schockeffekte sind wohldosiert, doch wenn sie kommen, treffen sie einen wie ein Vorschlaghammer. Man denke nur an die markerschütternde Badszene mit der alten Frau, die sich David Lynch beim Schreiben des Finales von "Mulholland Drive" anscheinend sehr genau angesehen hat.
Insgesamt ist der Streifen reich an Spannung und der Zuschauer wird sich mehr als zweimal dabei erwischen, sich am Sitz festgekrallt zu haben. Das tröstet auch darüber hinweg, dass der Film an manchen Stellen einfach viel zu langsam ist und sich Langeweile breit macht.
Gegen Ende dreht Kubrick dann richtig auf und der anfangs sehr subtile Horror verwandelt sich in physische Gewalt.
Hervorragend wurde auch Jack Nicholsons langsame Verwandlung vom smarten Mann zum Psychophaten inszeniert.

Wo wir gerade bei Jack Nicholson sind. Für diesen Film hätte er 1981 ohne Frage den Oscar verdient. Seine Darstellung des durchdrehenden Schriftstellers ist so eindringlich, diabolisch wie keine andere Performance zuvor.
Auch gut, jedoch nicht hervorragend war Danny Lloyds Leistung. Für sein Alter und die Tatsache, dass er bis nach dem Kinostart des Films nicht wusste, dass es sich um einen Horrorfilm handelt, ist seine Leistung trotzdem beeindruckend. Heute arbeitet er übrigens als Schullehrer.

Dann kommen wir zum großen Negativpunkt des Films mit Namen Shelley Duvall. Ihre Darstellung ist nicht nur ziemlich schlecht, sondern auch extrem nervend. Bei allem nötigen Respekt, wenn ich nur daran zurückdenke, wie hysterisch und gekünstelt sie gegen Ende herumhüpfte, möchte ich ihr am liebsten ins Gesicht schlagen. Kaum zu glauben dass Kubrick diese Frau tatsächlich besetzte und mit ihrer Performance auch noch zufrieden war! Für mich unverständlich.

Noch etwas, was mir am Film nicht gefallen hat, war der Verlauf des von Scatman Crothers' dargestellten Charakters Dick Hallorann, der wie Danny ebenfalls das "Shining" besitzt. Ich meine, gegen Ende des Films, wird insgesamt rund 15 bis 20 Min. (zusammengefasst) damit verbracht, seine Reise zum Overlook Hotel zu zeigen. Er fliegt, fährt mit dem Auto, fährt eine Schneeraupe und kommt nach ausführlicher Darstellung dieser Reise im Hotel an. Er betritt es, ist kaum 2 Sekunden drin und hat schon von Jack eine Axt in den Bauch bekommen Aus, das war's. Meiner Meinung nach ein großer Fehler Kubricks. Man kann einfach nicht so ausufernd seinen Weg zeigen und ihn dann innerhalb von ein paar Sekündchen einfach so sterben lassen. Meiner Meinung nach ein dramaturgischer Fehler.

Rückblickend wird man sich an "The Shining" doch eher als langsamen Horrorfilm erinnern, obwohl zum Ende die Spannungsschraube gehörig angezogen wird. Der Grund für die Erinnerung an die Langsamkeit dürfte wohl der subtile Horror bis etwa zur Mitte sein.
Wie gesagt, ohne Shelley Duvalls schreckliche Performance, die manchmal aufkommende Langweile und dem vermasselten Handlungsverlauf des Charakters Dick Hallorann, hätte der Film wirklich volle 10 Punkte verdient.

Trotzdem sehr sehenswert, vor allem wegen der herausragenden Kameraarbeit, der ein Großteil des Grusels zuzuschreiben ist, dem fast immer perfekten dramaturgischen Aufbau der Szenen und einem genialen Jack Nicholson.
Außerdem sollte jeder Filmfan bzw. Cineast den Ausflug des großen Stanley Kubrick ins Horrorfach einmal gesehen haben.

7 / 10

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