Eines vorneweg: Ich bin kein Fan von Kubricks Filmen und halte ihn als Regisseur eindeutig für überbewertet. Dem Zuschauer wird meisterhaftes Konstruieren szenischer Situationen suggeriert, welches meiner Meinung nach nicht vorhanden ist. Ein Film wie „2001 – Odyssee im Weltraum“ ist sozusagen großteils Praxis ohne Theorie. Er ist zuwenig durchdacht, zu interpretativ und lässt die vielen offenen Fragen nicht deshalb unbeantwortet, weil der dahintersteckende Sinn zu komplex oder zu anspruchsvoll ist, nein, es gibt leider eben oft keinen aufklärenden Sinn. Das Gezeigte lässt sich nur völlig unzureichend in einen Logikzusammenhang stellen und verliert sich allzu oft in einem Bildersegen ohne echte Information. Eine Szenerie ohne Hand und Fuss,.. und vor allem ohne Kopf. Da kann man sich genauso gut Jacksons Moonraker-Show reinpfeifen, die ist nämlich das adäquat bilderreiche Äquivalent und vor allem genauso sinnlos. Ähnliches gilt für „Clockwork Orange“, der nicht nur zum Gähnen langweilig, kitschig und geschmacklos daherseiert, er überbietet 2001 sogar noch an überflüssigem, filmischen Gebastle. Ich weiss, ich weiss: Schierer Frevel! Oder einfach nur mangelnde filmische Kompetenz? Na, ich muss damit leben.
Mit Shining verhält es sich meiner Meinung nach etwas anders. Im Gegensatz zu oben erwähnten Filmen, ist hier eine Stringenz vorhanden, die es dem Zuschauer nicht unmöglich macht, das Gezeigte als etwas andereres als eine nahezu willkürliche, expressionistische Bilderflut zu erleben. Shining ist ein guter Film und besitzt ein vernünftiges Plot. Selbiges dürfte weithin bekannt sein. Der Familienvater verbringt mit Frau und kleinem Sohn den Winter eingeschneit, alleine und von der Aussenwelt nahezu abgeschnitten in einem gigantischen Hotel in den Rockys. Dabei wird er von einer Kraft, die wahrscheinlich vom Gebäude des Hotels ausgeht in den Wahnsinn getrieben und dazu animiert, über seine Familie herzufallen. Dabei spielt das Element des Übersinnlichen eine große Rolle, denn viele der gezeigten Personen sind sogenannte „Shiner“, Personen, die sich Ereignisse der Zukunft oder Vergangenheit bildlich vor Augen rufen können. Aber wir hätten es eben nicht mit einem Kubrick zu tun, wenn nicht sukzessive unerklärbare (!!!) Phänomene in der Geschichte auftauchten, die nur wenig Sinn machen, wie das die Türen sprengende Blut oder die Geisterzwillinge. Ferner störten mich die ewigen, bedeutungsschweren kubrickschen Standbilder und das kitschige, ununterbrochene Geschreie von Nicholsons Lebensgefährtin, gespielt von Shelley Duvall. Diese outet sich dabei obendrein noch als eine im höchsten Maße durchschnittliche Schauspielerin, die mit ihrem Filmpartner eigentlich noch nicht einmal den Gehweg teilen dürfte. Auch die Musikuntermalung ist streckenweise derart nervtötend und übertrieben, dass man am liebsten noch einmal schnell zwei Schluck Bier nehmen und dann die blutenden Ohren zuhalten möchte.
Der Film hat aber – und das muss ich ganz klar zugeben – seine ganz großen Momente. Hervorheben möchte ich vor allem die schauspielerische Leistung Nicholsons, der hier bereits schon das Zaubern beginnt. Es ist eine unglaubliche Freude, diesem Mann zuzusehen, wie er in wirklich jeder Szene derart brilliert, dass mir die Worte fehlen, es angemessen zu würdigen. Deshalb lasse ich es auch. Eine weiterer großer Pluspunkt des Films ist die Toilettenszene, in der Nicholson im Gespräch mit dem Getränkemann seine schizophrenen Mordpläne offenlegt. Sind sie überhaupt schizophren? Wer öffnet ihm denn dann die Tür des Vorratslagers. Nein, sie sind nicht schizophren. Das Gebäude! Diese Idee gefiel mir übrigens auch sehr gut.
In Anbetracht dessen, dass ich wirklich nicht verbohrt sein möchte und den Film zu seinem Recht kommen lassen werde, haue ich ihm wirklich gute 7 Punkte hin. Aber nur weil er viel besser ist als die Pseudokunstwerke 2001 und das holländische Uhrwerk und man ausserdem von Nicholson wirklich keine Staunpause vergönnt bekommt. Er wird wahrlich zurecht als einer der besten Darsteller unserer Zeit gehandelt. Ich muss aber dennoch sagen, mein Film ist Shining nicht – und bis ich ihn wieder einmal (freiwillig) sehen werde, also da vergehen sicherlich Jahre,...
7/10 Punkten