Review

Der einprägsame und einfache Titel ist passend gewählt und beschreibt tatsächlich in kurzen Worten gut um was es in GIRLS AGAINST BOYS geht. Die Geschichte eines Rachefeldzuges zweier Freundinnen gegen die Männerwelt ist dramaturgisch recht einfach und als klarer B-Film im Indielook umgesetzt worden. Aber trotz dieser Voraussetzungen wurde eine sarkastisch-düstere Grundstimmung des Films ohne viel Tricks sehr effektiv in Szene gesetzt. GIRLS AGAINST BOYS fängt recht verheißungsvoll mit einer gut komponierten und bedrohlichen Szene - welche gegen Mitte des Film weitergeführt wird - an, und stellt sich recht bald als frecher Genremix mit dem Hauptelement eines kleinen fiesen Rape & Revenge Thrillers heraus.

Zwar hält die Kamera nicht immer drauf, aber der Film weist einige durchaus verstörende Szenen auf die durchaus atmosphärisch gelungen sind. In diesen Momenten liegt sogar eine der Stärken von GIRLS AGAINST BOYS, denn der Zuschauer verknüpft die Bilder im Kopf nur umso grausamer. Ohne Vorwarnung wird es dann aber ab und zu explizit und der rote Saft fliegt uns nur so um die Ohren. Es gibt sogar ein paar kleine nüchterne Folterszenen mit Bohrmaschine und abgetrennte Körperteile werden uns entgegengehalten. Dabei kann man GIRLS AGAINST BOYS nicht vorwerfen, sich nur selbstzweckhaft von einer wilden Szene zur anderen zu hangeln.

Dazu hören wir einen recht abwechslungsreichen stimmungsvollen unverbrauchten Soundtrack von beschwingt bis bedrohlich, der nicht zu dick aufgetragen ist und gut mit den Bildern harmoniert. Die diversen Darsteller werden keinen Preis für ihre Performance erhalten, wirken aber dennoch wie eine gute Einheit und es gibt keine wirklichen Ausfälle zu berichten. Die Hauptpersonen Shea und Lu verstehen es gut, die gewollt unterkühlte und verstörte Emotionslosigkeit ihrer Gefühlslage auszustrahlen. Sie überzeugen in dieser Mischung aus Attraktivität und Bedrohung mit nur einfachsten filmtechnischen Mitteln.

Dabei wird inhaltlich nicht sehr weit ausgeholt bezüglich ihrer Motivationen beim Männerkillen - außer einem anfänglichen traumatischen Ereignis - und wir müssen uns mit Statements zur Frage des Warums wie "weil ich es kann" "ich krieg' einen Kick" begnügen. Die Gewaltszenen werden durch einen tiefschwarzen Humor sowie einer grotesk-zynischen Note etwas abgemildert. Brauchbar ist auch überraschenderweise die qualitativ fair umgesetzte deutsche Synchronisation. Allerdings fordert das recht einfache Drehbuch den Zuschauer nicht im Geringsten und es gibt auch keinerlei Schwierigkeiten stets mit den Geschehnissen auf eine Höhe zu sein.

Einige Klischees und Stereotypen werden durchaus bedient und nicht jede Handlung ist logisch oder zumindest nachvollziehbar gestaltet. Psychologisch bleibt man in der Geschichte an der Oberfläche und Themen wie Feminismus und die Unterdrückung der Frau sowie die der Gesellschaftskritik werden nur stiefmütterlich am Rande abgehandelt. Das Ende von GIRLS AGAINST BOYS gewinnt dann auch keinen Kreativitätspreis und lehnt sich stark an Genrevorbilder an. Insgesamt könnte die Mischung doch dem einen oder anderen Rape & Revenge Fan zusagen und somit kann eine vorsichtige Empfehlung ausgesprochen werden.

5/10 Augenbinden....äh,....Punkten

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