kurz angerissen*
Die Designerfassaden und die Hochglanzproduktion können – und so ist es wohl auch gedacht – nur unwesentlich verbergen, dass „The Loft“ ein schmieriger kleiner Film über schmierige kleine Charaktere sein möchte. Eine Wirkung, die durch den inzestoid vom Regisseur des Originals selbst herbeigeführten Faktor „Remake“ noch verstärkt wird. Erik Van Looy errichtet ein Refugium, in dem Männer Männer sein dürfen: Wenigstens einige von ihnen drücken ungebremst ihr begrenztes Frauenbild aus, während andere selbst jenseits der Augen der Sittenschaft noch ihre Fesseln spüren – und dadurch womöglich umso unberechenbarer sind...
Die Mischung erreicht ohnehin schon eine brenzlige Dynamik zwischen extrovertierter Auslebung von Fantasien und unterdrückten Sex- und Gewaltvorstellungen. Ein ansprechendes Casting auch, das drei bekannte, aber noch dehnbare Gesichter (Urban, Marsden, Miller) mit einem Originaldarsteller (Schoenaerts) und einem Serienstar (Stonestreet) zu einer explosiven Mischung vermengt. Doch das alleine reicht Van Looy noch nicht. Sowieso schon mit einer Rückblendenstruktur einsteigend, würfelt er in der zweiten Hälfte die Handlung zu einem wilden Plottwist-Kaleidoskop zusammen, in das mal mehr, mal weniger geschickt Ehefrauen und Geliebte einbezogen werden (wobei Isabel Lucas in ihrer leider doch recht zentralen Rolle leider zu den eher weniger Geschickten zu zählen ist).
Die stets ordinäre Vorgehensweise der Erzählung beißt sich betont stark mit den durchgestylten Locations, wodurch die Upper Class mit Anonymität in Verbindung gebracht wird, in gewisser Weise auch mit einer vermeintlichen Immunität gegenüber gesellschaftlichen Moralvorstellungen; man sieht sich eben „im Recht“, so zu handeln.
Es ist einfach zu durchschauen, was Van Looy bezweckt, nicht erst, wenn man das Original bereits kennt. Und trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass „The Loft“ in jeder Minute spannend anzusehen ist, selbst wenn man sich darüber im Klaren ist, dass es nicht bei der Manipulation der Figuren untereinander bleibt, sondern man im gleichen Augenblick selbst manipuliert wird mit einigen der banalsten Tricks, die die Filmgeschichte zu bieten hat. Doch hätte man das nicht ebenso von „Basic Instinct“ sagen können?
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